HateAid geht gegen Verkauf heimlich aufnehmender Smart Glasses vor
Die Organisation HateAid hat Strafanzeigen eingereicht, um den Verkauf von Datenbrillen zu unterbinden, mit denen sich unbemerkt Fotos und Videos aufnehmen lassen sollen. Nach Angaben der Initiative richten sich die Anzeigen gegen Vorstände und Manager von Meta, den Brillenmarken Ray-Ban und Oakley sowie gegen führende deutsche Handels- und Optikunternehmen wie MediaMarktSaturn, Fielmann, Apollo-Optik und Mister Spex. Zuerst hatte der „Spiegel“ über den Schritt berichtet.
Kritik: Kaum von normalen Brillen zu unterscheiden
HateAid bemängelt, dass moderne Smart Glasses, vor allem Modelle in Zusammenarbeit mit Ray-Ban, äußerlich fast nicht von gewöhnlichen Seh- oder Sonnenbrillen zu unterscheiden seien. Damit bestehe die Gefahr, dass Bild- und Videoaufnahmen verdeckt angefertigt würden. Die Organisation verweist dabei auf das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG), das Herstellung und Vertrieb getarnter Sende- oder Spionagetechnik untersagt.
Geschäftsführerin Josephine Ballon warnt, unauffällige Aufnahmegeräte könnten im öffentlichen Raum ein dauerhaftes Gefühl der Überwachung erzeugen. Zusätzlich zu den Anzeigen verlangt HateAid per Petition technische Änderungen im Sinne von „Safety by Design“ sowie strengere Vorgaben durch die Bundesnetzagentur und das Bundesjustizministerium.
Zweifel an der Sichtbarkeit des Aufnahmesignals
Hersteller von Smart Glasses verweisen darauf, dass laufende Aufnahmen üblicherweise durch ein eingebautes Signal kenntlich gemacht werden. Bei Metas Brillen sitzt vorne eine kleine weiße LED, die während Foto- oder Videoaufnahmen blinkt. Menschen in der Umgebung sollen so erkennen können, dass die Kamera aktiv ist.
Kritiker halten dieses Warnsignal jedoch für nicht ausreichend. Ihrer Ansicht nach könnte das Licht im Alltag, etwa bei starker Sonneneinstrahlung oder aus größerer Entfernung, leicht übersehen werden.
Meta weist Vorwürfe zurück
Meta widerspricht den Anschuldigungen. Eine Unternehmenssprecherin erklärte, die Brillen seien bereits im Jahr 2022 von der Bundesnetzagentur überprüft worden. Die für Europa entwickelten Modelle verfügten von Anfang an über Datenschutzfunktionen, die über das hinausgingen, was bei Smartphones üblich sei.
Nach Angaben des Konzerns blinkt die Aufnahme-LED in hellem Weiß, sobald Fotos oder Videos gemacht werden. Diese Funktion lasse sich nicht deaktivieren, damit sowohl Trägerinnen und Träger als auch Personen in ihrer Nähe besser geschützt seien. Zudem gebe es eine Technik zur Manipulationserkennung: Wird die LED verdeckt oder beschädigt, werde die Kamera automatisch abgeschaltet.
Händler reagieren zurückhaltend
Auch die betroffenen Händler zeigten sich von den Anzeigen gegen ihre Führungskräfte überrascht. MediaMarktSaturn erklärte, man verkaufe ausschließlich Produkte, die rechtlich geprüft und legal im Handel erhältlich seien. Zudem lasse sich der Konzern von seinen Lieferanten die Einhaltung aller Vorschriften bestätigen.
Mister Spex teilte mit, zunächst mögliche offizielle Informationen der Behörden abwarten zu wollen. Falls Ermittlungen aufgenommen würden, werde das Unternehmen nach eigenen Angaben umfassend mit den zuständigen Stellen zusammenarbeiten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber