Rumänien schaltet Atomkraftwerk Cernavodă wegen Niedrigwasser vollständig ab
Das rumänische Kernkraftwerk Cernavodă wird wegen des anhaltend niedrigen Wasserstands der Donau komplett vom Netz genommen. Nach Angaben des Energieministeriums, über die die Nachrichtenagentur Mediafax berichtete, wird nun auch der zweite Reaktor heruntergefahren. Bereits Ende Juli war der erste Block wegen fehlenden Kühlwassers abgeschaltet worden. Die vollständige Abschaltung sollte demnach gegen 10.00 Uhr MEZ abgeschlossen sein.
Die Anlage liegt im Osten Rumäniens an einem Donauarm und deckt im Normalbetrieb rund 20 Prozent des Strombedarfs des Landes. Das Kühlwasser stammt vollständig aus dem Fluss.
Nach Angaben von Staatssekretär Cristian Bușoi könnte im ungünstigsten Fall die Stromversorgung großer Industriebetriebe eingeschränkt werden. Eine entsprechende Regierungsverordnung war erst vor Kurzem erlassen worden. Für private Haushalte seien dagegen keine Folgen zu erwarten. Zuvor war zudem berichtet worden, dass Rumänien mit den Nachbarstaaten Ukraine und Bulgarien über mögliche Stromimporte verhandelt.
Umleitung von Donauwasser reichte nicht aus
Vor rund zehn Tagen hatte Rumänien versucht, durch technische Eingriffe mehr Donauwasser in Richtung Cernavodă zu leiten. Dazu ließ die Armee an einer Verzweigung zweier Flussarme etwa 50 Kilometer flussaufwärts nahe Izvoarele einen Felsen sprengen. So sollte mehr Wasser in jenen Donauarm gelangen, der das Kraftwerk versorgt.
Zusätzlich wurde Geröll aus vier Lastkähnen an anderer Stelle am Ufer versenkt, um den Zufluss gezielter zu steuern. Laut Verteidigungsminister Radu Miruță stieg der Wasserstand bei Cernavodă danach leicht an. Dadurch konnte der Betrieb des zweiten Reaktors noch um einige Tage verlängert werden. Für eine längerfristige Wasserversorgung des Kraftwerks reichten die Maßnahmen jedoch nicht aus.
Das Atomkraftwerk Cernavodă erzeugt pro Jahr rund 10 Millionen Megawattstunden Strom. Der erste Reaktor des kanadischen Typs CANDU ging 1996 ans Netz, der zweite folgte 2007.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber