Gedenken in Berlin an den Mauerbau vor 65 Jahren
Mit einer Feierstunde am früheren Todesstreifen ist in Berlin an den Bau der Mauer vor 65 Jahren erinnert worden. In der Kapelle der Versöhnung an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft zusammen, um der Opfer des Grenzregimes zu gedenken. Dabei wurden auch Passagen aus der Lebensgeschichte eines Mauertoten vorgetragen.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sowie weitere Gäste legten Kränze an einem Mahnmal nieder. In ihrer Rede sagte Klöckner, die Teilung wirke bis heute nach. Zwar sei die frühere Grenze im Stadtbild kaum noch erkennbar, in den Köpfen vieler Menschen gebe es jedoch weiterhin Trennlinien. Unterschiede zwischen Ost und West zeigten sich ihrer Ansicht nach noch immer bei Themen wie Migration, Corona oder dem Verhältnis zu Russland. Sie warb dafür, einander stärker zuzuhören und den Zusammenhalt zu fördern.
Klöckner erinnerte daran, dass 1989 der Mut vieler Menschen zum Fall der Mauer geführt habe. Auch heute brauche es diesen Mut, um bestehende Barrieren zwischen den Menschen zu überwinden.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte in einem Beitrag auf der Plattform X, Freiheit und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeit. Die Lehre aus dem Mauerbau sei, dass beides immer wieder verteidigt werden müsse. Heute lebe Deutschland länger in Einheit, als es einst geteilt gewesen sei.
Warnungen vor Verklärung der DDR
Kai Wegner bezeichnete den 13. August 1961 als einen der düstersten Tage der Berliner Geschichte. Der Mauerbau habe Familien auseinandergerissen, Freundschaften zerstört und Millionen Menschen in der SED-Diktatur eingeschlossen.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärte, die Berliner Mauer sei fast drei Jahrzehnte lang das sichtbarste Zeichen von Unterdrückung und fehlender Freiheit in der DDR gewesen. Zugleich warnte er davor, dass sowohl links- als auch rechtsextreme Kräfte versuchten, die Diktatur zu verharmlosen. Dies sei Ausdruck gefährlicher Geschichtsvergessenheit.
In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schlug Weimer zudem vor, Straßen und Plätze nach Menschen zu benennen, die sich in der DDR dem Unrecht widersetzten, dafür inhaftiert wurden oder ihr Leben verloren.
Forderung nach mehr DDR-Geschichte im Unterricht
Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, sprach sich dafür aus, die Geschichte der DDR und der deutschen Teilung stärker in Schulen zu behandeln. Im RBB-"Inforadio" kritisierte er, dass dieses Thema in Lehrplänen oft zu kurz komme und vielfach erst spät, etwa in der Oberstufe, behandelt werde. Wichtig sei vor allem die Erinnerung daran, dass die DDR ohne freie Wahlen und autokratisch regiert worden sei. Gerade daraus lasse sich lernen, dass Demokratie geschützt werden müsse.
Die Mauer prägte Berlin über 28 Jahre
Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde die deutsche Teilung endgültig zementiert. Die SED-Führung wollte damit die Flucht vieler Menschen nach West-Berlin und in die Bundesrepublik stoppen, die die DDR wirtschaftlich und politisch unter Druck setzte.
Die Grenzanlagen mit einer Länge von rund 155 Kilometern durchschnitten Berlin mehr als 28 Jahre lang. Sie trennten Familien, schnitten West-Berlin vom Umland ab und wurden für viele Menschen zur tödlichen Grenze. Nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer starben mindestens 140 Menschen direkt an der Mauer oder infolge des DDR-Grenzregimes. Hinzu kamen mindestens 251 Reisende, die während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen ums Leben kamen.
Nach den Massenprotesten der friedlichen Revolution öffnete sich die Mauer am 9. November 1989. Weniger als ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, wurde die deutsche Einheit vollzogen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber