Wirtschaft

Experten warnen: Pleitewelle tobt noch bis 2027

Firmenpleiten steigen immer weiter – und trotz neuer Hoffnung ist kein Ende absehbar. Warum sich die Krise zuspitzt.

13.08.2026, 10:11 Uhr

Experten rechnen bis 2027 mit anhaltend vielen Firmeninsolvenzen

Nach Einschätzung von Fachleuten ist bei den Unternehmenspleiten in Deutschland vorerst keine Entspannung in Sicht. Der Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, Patrik-Ludwig Hantzsch, sagte der „Bild“, die Zahl der Firmeninsolvenzen werde bis zum Jahresende voraussichtlich weiter stetig steigen.

Eine echte Wende beim Trend sei, wenn überhaupt, erst im Jahr 2027 denkbar. Selbst dann dürfte sich eine Besserung nach seinen Worten eher erst in der zweiten Jahreshälfte zeigen. Neue amtliche Daten bis einschließlich Mai will das Statistische Bundesamt an diesem Freitag veröffentlichen.

Bereits Ende Juni hatte Creditreform für das erste Halbjahr rund 12.900 Unternehmensinsolvenzen gemeldet – so viele wie in den ersten sechs Monaten eines Jahres seit 2013 nicht mehr. Schon damals hatte Hantzsch betont, dass der Höhepunkt der Pleitewelle noch nicht erreicht sei. Eine nachhaltige Beruhigung sei erst zu erwarten, wenn die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs komme.

Dauerbelastung setzt vor allem kleinere Firmen unter Druck

Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das die Insolvenzentwicklung monatlich beobachtet, meldete zuletzt für Juli ein ungewöhnlich hohes Niveau an Firmenpleiten. IWH-Forscher Steffen Müller erklärte, die lang anhaltende Krise habe bei vielen kleineren Unternehmen offenbar die finanziellen Polster aufgezehrt.

Nach seiner Einschätzung läuft die Bereinigung am Markt weiterhin mit unverminderter Geschwindigkeit. Deshalb sei auch in den kommenden Monaten mit einer hohen Zahl an Insolvenzen zu rechnen.

Wirtschaftliche Erholung lässt weiter auf sich warten

Zwar machen die jüngsten Konjunkturdaten etwas Hoffnung für das laufende Jahr. Einen deutlichen Aufschwung erwarten viele Ökonomen jedoch erst ab 2027. Dann könnten staatliche Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienen und Verteidigung ihre volle Wirkung entfalten.

Derzeit sehen Experten die Unternehmen von mehreren Seiten unter Druck. Hantzsch spricht von einer „Krisenzange“: Auf der einen Seite belasteten geopolitische Risiken wie der Krieg mit Iran-Bezug oder US-Zölle, auf der anderen Seite wirkten im Inland hohe Energiekosten und umfangreiche Bürokratie bremsend auf die Wirtschaft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen