Bayern

Ganz Landshut trauert um Josef Deimer

35 Jahre prägte er Landshut wie kein anderer: Jetzt ist Ex-OB Josef Deimer tot. Warum ganz Bayern auf ihn blickte.

13.08.2026, 12:35 Uhr

Ehemaliger Landshuter Oberbürgermeister Josef Deimer mit 90 Jahren gestorben

Josef Deimer, über Jahrzehnte prägende Persönlichkeit seiner Heimatstadt Landshut, ist tot. Wie der Bayerische Städtetag mitteilte, starb der frühere Oberbürgermeister im Alter von 90 Jahren. Deimer galt als markante Stimme der Kommunen in Bayern, als engagierter Sozial- und Bildungspolitiker sowie als früher und überzeugter Gegner der Atomkraft.

Bereits 1970 wurde er im Alter von 33 Jahren zum Oberbürgermeister von Landshut gewählt und war damit damals der jüngste Rathauschef Deutschlands. Als er 35 Jahre später aus dem Amt schied, war er der dienstälteste Oberbürgermeister des Landes.

Die Bürgerinnen und Bürger Landshuts wählten den CSU-Politiker insgesamt sechsmal in dieses Amt. Der studierte Tiefbauingenieur wurde als hartnäckig, sozial und vorausschauend beschrieben, zugleich aber auch als nahbar und menschlich.

Deimer hatte zudem den Ruf, innerhalb der CSU unbequeme Positionen zu vertreten. Schon zu einer Zeit, als Umweltpolitik noch kein breites politisches Thema war und die Grünen noch nicht existierten, setzte er ökologische Fragen auf die Agenda. Besonders deutlich sprach er sich gegen die Kernenergie und gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf aus.

Lob von Söder

Ministerpräsident Markus Söder würdigte Deimer als einen der bedeutendsten Kommunalpolitiker in der Geschichte Bayerns. Er habe mit Bürgernähe, Mut, Eigenständigkeit und Standfestigkeit jene Werte verkörpert, die die kommunale Ebene ausmachten: Verlässlichkeit, Zusammenhalt und Bodenständigkeit.

Josef Deimer
In Landshut ist ein Tunnel nach dem früheren Oberbürgermeister Josef Deimer benannt. (Archivbild) Quelle: picture-alliance/ dpa

Nach Söders Worten setzte sich Deimer gegenüber Bund und Land mit Nachdruck für die Interessen der Städte und Gemeinden ein. Zugleich sei er ein glaubwürdiger Förderer von Kultur, Umwelt und sozialem Miteinander in Landshut gewesen. Dass er immer wieder gewählt wurde, sei Ausdruck dieser Anerkennung.

Söder hob außerdem hervor, dass Deimer unbeirrt zu seinen Überzeugungen gestanden habe – unabhängig davon, ob ihm politische Freunde oder Gegner widersprachen. Konflikten sei er nie ausgewichen.

Engagement weit über Landshut hinaus

Auch der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Markus Pannermayr, erinnerte an Deimers Eigenständigkeit. Er habe selbst gegenüber Parteifreunden Rückgrat bewiesen und rückblickend insbesondere seine frühe entschlossene Ablehnung der Atomkraft betont.

Deimers Wirken reichte jedoch weit über dieses Thema hinaus. Fast 30 Jahre lang stand er an der Spitze des Bayerischen Städtetags, später wurde er dessen Ehrenvorsitzender. Pannermayr nannte ihn einen ausgewiesenen Fachmann in nahezu allen Bereichen der Kommunalpolitik – von Daseinsvorsorge und Finanzausgleich über Europa, Energie und Mobilität bis hin zu Sparkassenwesen, Bildung und Schulpolitik.

Besonders energisch habe Deimer sich für eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen sowie für das Konnexitätsprinzip eingesetzt. Zudem habe er früh vor den Folgen einer ungebremsten Privatisierung gewarnt und erkannt, welche Probleme der Verkauf kommunaler Wohnungen, Stadtwerke, Krankenhäuser oder Verkehrsbetriebe mit sich bringen könne.

Einsatz für Soziales, Bildung und Umwelt

Pannermayr bescheinigte dem früheren Oberbürgermeister ein starkes soziales Bewusstsein. Deimer habe Sozialpolitik nicht nur gefordert, sondern gelebt und dabei besonders die Menschen im Blick gehabt, die benachteiligt waren. Er habe sich für gleiche Bildungschancen eingesetzt und Ganztagsschulen, Erwachsenenbildung sowie Volkshochschulen unterstützt.

Auch im Natur- und Umweltschutz gilt Deimer als Wegbereiter. Nach Angaben des Städtetags setzte er sich früh für Naturschutz, Umweltfragen und eine vorausschauende Landesplanung ein. Dem zunehmenden Flächenverbrauch und der Versiegelung von Landschaften durch Beton und Asphalt wollte er mit gezielter Planung entgegenwirken.

Trotz vieler politischer Auseinandersetzungen sei Deimer stets herzlich, optimistisch und freundlich geblieben, betonte Pannermayr. Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. In Landshut erinnert heute zudem ein nach ihm benannter Straßentunnel an sein Wirken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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