Volksbühne sagt exklusiven Badetermin mit Eoto aus Sicherheitsgründen ab
Die Berliner Volksbühne und der Verein Each One Teach One (Eoto) haben eine für Freitagnachmittag geplante exklusive Schwimmveranstaltung für Menschen der Schwarzen Community abgesagt. Als Grund nannten beide Seiten Sicherheitsbedenken. Eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucherinnen und Besucher sowie ein unbeschwerter Feriennachmittag seien derzeit nicht zu gewährleisten.
Lilienthal hält an dem Konzept fest
Der Intendant der Berliner Volksbühne, Matthias Lilienthal, verteidigt das Grundprinzip reservierter Badezeiten weiterhin. Bereits zuvor hatte er erklärt, solche Angebote sollten Menschen, die Diskriminierung erfahren, geschützte Räume eröffnen und stünden im Einklang mit dem Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz.
Trotz der Absage bleibt die Volksbühne bei ihrer Linie. Lilienthal teilte mit, man werde weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten. Auch die Zusammenarbeit mit Eoto solle fortgesetzt werden. Zugleich betonte das Theater, der Schutz von Gästen, Partnern und Beschäftigten habe oberste Priorität.
Kritik und rassistische Anfeindungen
Seit dem 7. August 2026 steht vor dem Theater bis Anfang Oktober das sogenannte Volksbad – ein fünf Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad. Der Eintritt ist kostenlos, Zeitfenster können online gebucht werden. An einzelnen Tagen ist das Becken für bestimmte Initiativen und Vereine reserviert.
Gerade die geplante Exklusivnutzung durch Eoto hatte heftige Reaktionen ausgelöst. AfD-Chefin Alice Weidel sprach von "Apartheid" und zog damit einen Vergleich zum früheren Unterdrückungssystem in Südafrika. Auch aus der Berliner CDU kam Kritik: Eine junge Kommunalpolitikerin sagte, es fühle sich diskriminierend an, in dem Zeitraum nicht baden zu dürfen, weil sie weiß sei.
Die Volksbühne erklärte dagegen, das geplante Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche sei zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden. Auch Eoto selbst berichtet von massiven Anfeindungen. Nach Angaben des Vereins gingen seit Beginn der öffentlichen Debatte rassistische Droh-E-Mails, Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare in sozialen Netzwerken ein.
Eoto und weitere Partner
Eoto engagiert sich in der Rassismusprävention und für das Empowerment Schwarzer Menschen. Der Verein gehört zudem zu den Trägern des in diesem Jahr eröffneten Black Communities Center in Berlin-Wedding. Die Kinder- und Jugendabteilung von Eoto war nach Vereinsangaben von der Volksbühne zu der nun abgesagten Veranstaltung eingeladen worden.
Auch andere Vereine profitieren von reservierten Zeiten im Volksbad, darunter die Gangway-Crew aus der Straßensozialarbeit sowie Flussbad Berlin, ein Verein, der sich für das Schwimmen in der Spree einsetzt.
Badebetrieb am Freitag weiter unklar
Unabhängig von der abgesagten Eoto-Veranstaltung ist das Volksbad seit Dienstag wegen Problemen mit den Duschen geschlossen. Laut Programm soll der Betrieb am Freitag zwar wieder aufgenommen werden. Ob der öffentliche Badebetrieb ab 18.00 Uhr tatsächlich wie geplant starten kann, war nach Angaben einer Sprecherin am Donnerstagnachmittag jedoch noch offen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber