Wetter

Hitzeschock: Bis zu 38 Grad rollen auf Deutschland zu

12.500 Hitzetote – und jetzt drohen wieder bis zu 40 Grad. Muss deshalb sogar das Grundgesetz für besseren Schutz geändert werden?

13.08.2026, 12:41 Uhr

Neue Hitzewelle in Deutschland: Bis zu 40 Grad erwartet

Deutschland steht erneut vor sehr heißen Tagen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) könnten die Temperaturen regional wieder an die 40-Grad-Marke heranreichen.

Vor allem im Westen und Südwesten soll es am Freitag besonders heiß werden. Dort werden verbreitet mehr als 35 Grad erwartet, örtlich sogar bis zu 38 Grad. Auch in anderen Regionen steigen die Werte über 30 Grad, lediglich an den Küsten bleibt es etwas angenehmer.

Verantwortlich für das stabile und heiße Wetter ist Hoch "Ralf". Durch absinkende Luft bilden sich kaum Wolken, weshalb vielerorts mit trockenem Wetter und viel Sonnenschein zu rechnen ist. Das sorgt nicht nur für einen wolkenlosen Himmel, sondern auch für gute Fernsicht, etwa in den Bergen. Dort ist es zudem oft etwas weniger drückend als in tieferen Lagen.

Abkühlung ab Sonntag in Sicht

Am Samstag bleibt die Hitze zunächst bestehen. Vom Oberrhein bis zur Lausitz sind erneut Spitzenwerte um 38 Grad möglich. Gleichzeitig ziehen aus Nordwesten dichtere Wolken auf. Sie können örtlich kräftige Schauer und Gewitter bringen. In manchen Gegenden bleiben die Temperaturen dann schon unter 30 Grad, an der Nordseeküste werden nur etwa 23 Grad erwartet.

Am Sonntag endet die kurze, aber intensive Hitzephase nach Einschätzung des DWD weitgehend. Im Süden und Südosten sind zwar stellenweise noch über 30 Grad drin, in vielen anderen Landesteilen wird es jedoch deutlich erträglicher. Dazu kommt regional Regen, teils auch begleitet von Blitz und Donner. Zwar sei in der feuchtwarmen Luft grundsätzlich Potenzial für Unwetter vorhanden, derzeit deuteten die Wettermodelle aber nicht auf eine flächendeckende schwere Gewitterlage hin.

Carsten Schneider
Der Bundesumweltminister will dem Bund mehr Handlungsspielraum beim Umgang mit steigenden Temperaturen geben. Quelle: Kay Nietfeld/dpa

RKI meldet bereits rund 12.500 hitzebedingte Todesfälle

Es ist nicht die erste extreme Wärmeperiode in diesem Jahr. Schon im Juni wurden in Deutschland mancherorts fast 40 Grad gemessen. Die Folgen sind gravierend: Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts haben Hitzewellen in diesem Jahr bislang rund 12.500 Todesfälle verursacht. Grundlage ist ein aktueller Bericht zur hitzebedingten Sterblichkeit für den Zeitraum vom 6. April bis zum 2. August.

Damit liegt die Zahl bereits jetzt über den Werten vieler kompletter Jahre. Besonders hohe Zahlen hatte es in den vergangenen zehn Jahren zuvor 2018 und 2019 gegeben. Nach den neuesten RKI-Daten starben 2018 etwa 9.400 Menschen infolge von Hitze, 2019 waren es 7.700. Das Institut weist zudem darauf hin, dass die aktuelle Zahl für 2025 eher vorsichtig geschätzt sei und tatsächlich noch höher liegen könnte.

Die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sprach angesichts der vielen Todesfälle von einem alarmierenden Signal. Vor allem ältere Menschen, Pflegebedürftige, chronisch Kranke und Menschen mit Behinderungen bräuchten wirksamen Schutz, der sie tatsächlich erreiche.

Debatte über Grundgesetzänderung beim Hitzeschutz

Nach Auffassung des SoVD braucht es dafür unter anderem eine verlässliche und dauerhafte Finanzierung für Kommunen, Pflegeheime und Krankenhäuser. Der Verband fordert zudem eine Änderung des Grundgesetzes, damit Bund, Länder und Kommunen Maßnahmen zum Hitzeschutz gemeinsam und langfristig finanzieren können.

Genau darüber wird derzeit politisch diskutiert. Bundesumweltminister Carsten Schneider will dem Bund mehr Möglichkeiten geben, auf zunehmende Hitze und deren Folgen zu reagieren. Zwar könne der Bund Kommunen bisher in einzelnen Fällen unterstützen, etwa bei der Finanzierung von Fachpersonal für Klimaanpassung. Viele konkrete Maßnahmen vor Ort – etwa mehr Schattenplätze, Begrünung oder das Entsiegeln von Flächen in Städten – könne der Bund bislang jedoch nicht direkt bezahlen.

Schneider wirbt deshalb für eine sogenannte Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Damit könnte der Bund nach seiner Vorstellung auch finanziell stärker eingreifen und Städte sowie Gemeinden gezielt unterstützen.

Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD bereits vereinbart, die Einführung einer solchen Gemeinschaftsaufgabe zu prüfen. Schneider kündigte an, in der zweiten Jahreshälfte einen Vorschlag für eine entsprechende Grundgesetzänderung vorzulegen. Aus der Union gibt es allerdings Vorbehalte. Für eine Änderung des Grundgesetzes wäre im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit nötig.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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