Wirtschaft

Krisenalarm: Industrie-Arbeitnehmer unter Druck

Aufträge weg, Jobs in Gefahr: Warum die Industriekrise für immer mehr Beschäftigte zur echten Belastungsprobe wird.

02.08.2026, 05:00 Uhr

Viele Beschäftigte in der deutschen Industrie leiden nach Jahren der Krise zunehmend unter psychischem und körperlichem Druck. Das zeigt eine YouGov-Befragung unter 1.153 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern: 44 Prozent gaben an, dass ihre geistige oder körperliche Belastung bei der Arbeit gestiegen sei. Weitere 29 Prozent berichteten zumindest teilweise von mehr Stress.

Als wichtigste Ursachen nannten die Befragten vor allem Sparmaßnahmen und Programme zur Effizienzsteigerung. 49 Prozent verwiesen darauf. Fast ebenso viele, nämlich 48 Prozent, machten Stellenabbau oder das Ausbleiben von Nachbesetzungen für die zusätzliche Belastung verantwortlich. Mehrfachantworten waren möglich. Auftraggeber der Erhebung waren der Finanzdienstleister Swiss Life aus der Schweiz sowie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis wertete die Ergebnisse als deutliches Warnsignal für Wirtschaft und Politik. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Produktionsmitarbeitern und Angestellten in Verwaltung oder anderen Bürotätigkeiten. Während in den Büros 37 Prozent von einer stärkeren Belastung sprechen, liegt der Anteil in der Produktion mit 59 Prozent deutlich höher.

Mehrheit rechnet mit weiter wachsendem Druck

Ein Ende dieser Entwicklung sehen die meisten Befragten nicht. 54 Prozent gehen davon aus, dass die Anforderungen an persönliche Flexibilität und Belastbarkeit weiter zunehmen werden. Weitere 33 Prozent erwarten zumindest in einzelnen Bereichen steigende Ansprüche. Die Teilnehmer stammen aus Industriezweigen, die von der IG BCE vertreten werden, darunter Chemie, Energie, Pharma und Bergbau. Swiss-Life-Deutschlandchef Dirk von der Crone erklärte, die große Mehrheit stelle sich auf noch schwierigere Zeiten ein.

Besonders ausgeprägt ist die Sorge bei jüngeren Beschäftigten, die noch viele Berufsjahre vor sich haben. Laut Umfrage befürchten 37 Prozent der unter 30-Jährigen, dass Künstliche Intelligenz ihre Arbeitsplätze künftig überflüssig machen könnte. Bei den zwischen 1965 und 1980 Geborenen liegt dieser Wert dagegen nur bei 17 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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