Deutsche Bahn bleibt bei Pünktlichkeit unter Zielmarke
Im ersten Halbjahr kamen nach Angaben der Deutschen Bahn nur 58,7 Prozent der Fernzüge pünktlich ans Ziel. Konzernchefin Evelyn Palla räumte im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" ein, dass dieser Wert unbefriedigend sei. Zugleich verwies sie darauf, dass die Verspätungen in rund drei Viertel der Fälle weniger als 15 Minuten betragen hätten. Trotz aller Probleme dürfe die Bahn, so Palla, nicht schlechter dargestellt werden, als sie tatsächlich sei.
Bei der Deutschen Bahn zählt ein Fernzug bereits ab einer Verspätung von sechs Minuten als unpünktlich. Ausfälle fließen dagegen nicht in die betriebliche Pünktlichkeitsquote ein, die erfasst, wie viele Züge in einem Zeitraum rechtzeitig ihr Ziel erreichen. Für 2025 hatte Palla als Ziel ausgegeben, auf mindestens 60 Prozent Pünktlichkeit zu kommen. Dieses Ziel wurde bislang verfehlt.
Die Vorstandschefin bewertete die Zuverlässigkeit des Unternehmens mit der Schulnote 4 minus, insgesamt stellte sie der Bahn aber eine 3 aus. Ihrer Ansicht nach werde das Unternehmen zu stark allein anhand der Pünktlichkeit im Fernverkehr beurteilt, obwohl dies nur einen Teil der Gesamtleistung abbilde.
Kritik am früheren Management
Für die anhaltenden Schwierigkeiten sieht Palla auch Versäumnisse in der früheren Führung des Konzerns. Die damalige Leistungskultur habe nicht ausgereicht, um die Bahn erfolgreich aufzustellen, sagte sie. Diesen Zustand beschrieb sie als eine Art organisierte Verantwortungslosigkeit, die nun beendet werden müsse.
Seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr treibt Palla einen Umbau des Konzerns voran. Geplant sind unter anderem eine schlankere Zentrale und mehr Verantwortung in den Regionen. Außerdem wurden zahlreiche Führungsstellen gestrichen. Palla betonte, dass Leistungsbereitschaft an der Spitze beginnen müsse — zunächst bei ihr selbst und anschließend im gesamten Vorstand.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber