Früherer syrischer Atomstandort laut IAEA für waffenfähiges Material ausgelegt
Eine geheime Anlage aus der Zeit des früheren syrischen Präsidenten Baschar al-Assad war nach Angaben von IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi so konzipiert, dass dort Material hätte erzeugt werden können, das sich unmittelbar für den Bau von Atomwaffen eignet. Über die damaligen Absichten der syrischen Führung wolle er zwar nicht urteilen, sagte Grossi. Der nie vollendete Reaktor sei jedoch auf eine besonders effiziente Produktion entsprechenden Materials ausgelegt gewesen.
Die Internationale Atomenergiebehörde arbeitet derzeit gemeinsam mit der neuen Führung in Damaskus die frühere nukleare Tätigkeit des Landes auf. Zuletzt hätten IAEA-Experten tonnenweise geheime Uranbestände sowie Reaktorbrennstäbe aus der Assad-Ära in Syrien gesichert.
Der fast fertiggestellte Reaktor war 2007 bei einem israelischen Angriff zerstört worden. Schon 2011 war die IAEA zu dem Schluss gekommen, dass die Anlage Ähnlichkeiten mit einem nordkoreanischen Reaktor aufweise. Ob der Standort konkret Teil eines militärischen Atomprogramms war, hatte die Behörde damals jedoch nicht ausdrücklich festgestellt. Die damalige syrische Regierung wies entsprechende Vorwürfe zurück.
Grossi mahnt auch den Iran zu mehr Offenheit
Während die jetzige syrische Regierung das frühere Atomprogramm offenlegt, verweigert der Iran nach Angaben der IAEA seit Monaten die notwendige Zusammenarbeit. So fehlen der Behörde unter anderem weiterhin Erklärungen zu älteren iranischen Atomanlagen, deren Zweck bislang ungeklärt ist.
Grossi betonte, Syrien und der Iran seien zwar nicht direkt vergleichbar. Zugleich machte er aber deutlich, dass die Offenheit Syriens seit dem Sturz Assads auch dabei helfe, internationale Beziehungen wieder zu verbessern. Das könne, so Grossi mit Blick auf Teheran, auch anderswo Anlass zum Nachdenken sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber