UN und WFP warnen vor wachsender Not im Westjordanland
Die humanitäre Lage der Palästinenser im israelisch besetzten Westjordanland verschärft sich nach Angaben der Vereinten Nationen weiter. Zugleich fehlen dem Welternährungsprogramm (WFP) die finanziellen Mittel. Nach Angaben des WFP-Länderdirektors für Palästina, Shaun Hughes, könnte ab September nur noch etwa die Hälfte der Menschen Unterstützung erhalten, die auf Hilfe angewiesen sind. Innerhalb von zwei Jahren habe sich die Zahl der Bedürftigen verdoppelt.
Als Gründe nannte Hughes die anhaltende Gewalt durch Siedler, zahlreiche israelische Militäreinsätze, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sowie Hauszerstörungen und Vertreibungen. Viele Palästinenser, die früher für sich selbst sorgen konnten, seien inzwischen auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Fast eine Million Menschen – rund ein Viertel der Bevölkerung – wisse häufig nicht, wie die nächste Mahlzeit für die Familie gesichert werden soll.
Auch im Gazastreifen kämpfen viele ums Überleben
Die Lage im Gazastreifen bezeichnete Hughes als extrem hart und kaum vorhersehbar. Ein Lager des WFP sei durch israelische Luftangriffe beschädigt worden. Wegen der israelischen Militärpräsenz sei es für viele Menschen zu gefährlich, sich ihren früher bewirtschafteten Feldern zu nähern. Zudem fehle es Bäckereien an Diesel und Ersatzteilen für ihre Öfen, da Israel deren Einfuhr nur in sehr begrenztem Umfang zulasse.
Die WHO-Vertreterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Reinhilde van de Weerdt, schilderte die Lebensbedingungen als dramatisch. Menschen versuchten zwischen Trümmern und unter schlechten hygienischen Verhältnissen zu überleben. Abwasser laufe über die Straßen, Müllberge häuften sich. Zwischen Januar und August habe sich die Zahl der Durchfallerkrankungen nahezu verdoppelt. Wasserpfützen würden zu Brutstätten für Mücken, feuchte Zelte begünstigten zudem Schimmel und Bakterien.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber