Israel

Marine gelingt Coup mit Lora-Raketensystem

Geheimer Test im Nordatlantik: Die Marine erprobt Israels Lora-System – seine Reichweite soll alles Bisherige übertreffen.

02.09.2026, 01:42 Uhr

Die deutsche Marine will ihre Fähigkeiten bei weitreichenden Raketen deutlich ausbauen. Im Nordatlantik hat eine deutsche Fregatte einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen Raketensystems Lora erfolgreich absolviert. Das bestätigte ein Sprecher. Nach dem Nachweis, dass sich das System von deutschen Kriegsschiffen aus einsetzen lässt, sollen die Pläne für eine Beschaffung der Waffen nun vorangetrieben werden.

Für die Erprobung waren zwei deutsche Fregatten in das Seegebiet zwischen Irland und Island verlegt worden. Die Vorbereitungen liefen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, allerdings waren Schiffs- und Luftverkehr bereits 45 Tage vor dem Test öffentlich gewarnt worden.

Kaack: Neues Kapitel für Abschreckung auf See

Marineinspekteur Jan Christian Kaack sprach nach dem Test von einem historischen Moment. Mit dem erfolgreichen Schuss einer ballistischen Rakete in der Nacht im Nordatlantik habe die Marine „Geschichte geschrieben“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er zeigte sich mit dem Verlauf der Erprobung hochzufrieden.

Nach seinen Worten lässt sich das System erfolgreich von deutschen Schiffen aus einsetzen, zudem übersteige die mögliche Reichweite alles, was die Marine bislang kannte. Für den Schutz Deutschlands und seiner Verbündeten eröffne der Test ein neues Kapitel bei Abschreckung und Verteidigungsbereitschaft auf See.

Nach Militärangaben feuerte die Fregatte bei dem Test zwei Raketen auf einen geografischen Punkt im Meer ab. Dabei wurden umfangreiche Daten gesammelt, die nun ausgewertet werden. Im Fokus stehen demnach das gesamte Flugverhalten der Raketen sowie die Frage, wie gut das System auf dem Radar erkennbar ist.

Deutlicher Fähigkeitszuwachs für die Marine

Lora steht für „Long Range Attack“. Es handelt sich um eine in Israel entwickelte und produzierte ballistische Rakete, die dort auch wiederholt eingesetzt worden sein soll. Das System wird in einem Startcontainer bereitgehalten und kann dadurch vergleichsweise schnell an Bord von Schiffen einsatzbereit gemacht werden.

Ein möglicher Kauf wäre Teil der deutschen Rüstungsprogramme, die seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beschleunigt wurden. Ziel ist es, die Abschreckungsfähigkeit gegenüber Russland zu stärken.

Unter den Bündnispartnern wächst die Sorge vor einer möglichen russischen Aggression. Zusätzliche Unruhe verursachten zuletzt jüngste Angriffe wie der misslungene Vorfall am Flughafen Leipzig, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich gemacht hatte.

Nach den Kategorien der Rüstungskontrolle zählt Lora trotz ihrer Reichweite von mehr als 500 Kilometern zu den ballistischen Kurzstreckenraketen. Mit dem System hätte die Bundeswehr neben dem Marschflugkörper Taurus eine zweite, schnell verfügbare Präzisionswaffe gegen weiter entfernte Landziele.

Auch Taurus erreicht offiziell mehr als 500 Kilometer Reichweite, wird jedoch von Tornado- und Eurofighter-Kampfjets eingesetzt. Beide Waffen unterscheiden sich deutlich im Flugprofil: Während Taurus im Konturenflug dicht über dem Boden anfliegen kann, steigt Lora steil auf, folgt einer ballistischen Bahn und trifft das Ziel anschließend mit hoher Geschwindigkeit aus steilem Winkel.

Hersteller wirbt mit Schlägen tief im feindlichen Gebiet

Der Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI) beschreibt Lora als taktische Rakete für Präzisionsschläge. Nach Unternehmensangaben kann sie „strategische Ziele tief in feindlichem Gebiet“ von mobilen oder maritimen Plattformen aus treffen. Jedes erkannte Ziel in Reichweite solle binnen zehn Minuten bekämpft werden können.

Berichten zufolge wurden Lora-Raketen von den israelischen Streitkräften mehrfach bei Angriffen im Libanon eingesetzt, in einer luftgestützten Version auch gegen den Iran.

Größere Lücke bei weitreichenden Waffen

Der Test unterstreicht zugleich eine Fähigkeitslücke der Bundeswehr bei weitreichenden Präzisionswaffen. Zur Abschreckung Russlands will die Bundesregierung deshalb zusätzlich US-Mittelstreckenwaffen vom Typ Tomahawk erwerben und in Deutschland stationieren.

Die Vereinbarung dazu war am Rande des Nato-Gipfels in Ankara mit den USA besiegelt worden. Tomahawk-Systeme erreichen nach offiziellen Angaben bis zu 2.500 Kilometer und könnten damit von Deutschland aus weit nach Russland hinein wirken. Zum Vergleich: Moskau liegt von Berlin aus rund 1.600 Kilometer Luftlinie entfernt.

Parallel arbeitet Deutschland gemeinsam mit europäischen Partnern an der Entwicklung und Stationierung eigener europäischer Systeme.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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