Im seit Wochen von israelischen Siedlern bedrängten Dorf Kusra im besetzten Westjordanland ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben der israelischen Armee verschanzten sich Dutzende israelische Randalierer in einem palästinensischen Wohnhaus, während sich dort auch palästinensische Bewohner aufhielten. Zudem habe es Berichte über gewaltsame Zusammenstöße gegeben, darunter Steinwürfe auf Palästinenser.
Laut Militär griffen die alarmierten Sicherheitskräfte zunächst gegen die Angreifer durch, um diese aus dem Haus zu holen und beide Seiten voneinander zu trennen. Ziel sei es gewesen, die Menschen im Gebäude zu schützen. Außerdem seien Fahrzeuge der israelischen Randalierer beschlagnahmt und zusammen mit weiterem Beweismaterial an die israelische Polizei übergeben worden. Diese solle die Gegenstände im Rahmen von Ermittlungen gegen Verdächtige untersuchen.
Palästinensische Medien schilderten den Vorfall jedoch anders. Demnach seien die Siedler bei ihren Angriffen von israelischen Soldaten geschützt worden. Mehrere Palästinenser hätten Verletzungen durch Pfefferspray erlitten, das von Siedlern gegen sie eingesetzt worden sei. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete zudem, dass weitere Siedler hinzugekommen seien und nahegelegene Felder palästinensischer Eigentümer in Brand gesetzt hätten.
In Kusra werden nach Angaben von Bewohnern und Aktivisten seit rund drei Wochen mehrere Häuser palästinensischer Familien von radikalen Siedlern belagert. Sie werfen der israelischen Armee vor, bislang nicht wirksam gegen diese Übergriffe vorzugehen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte den neuen Vorfall nach eigenen Angaben scharf. Die kriminellen Gewalttaten einer kleinen Gruppe von Gesetzesbrechern schadeten der gesetzestreuen Siedlerbevölkerung, behinderten die Armee bei ihren Aufgaben und beschädigten das Ansehen Israels in der Welt, erklärte er. Von den zuständigen Behörden erwarte er, dass die Randalierer so schnell wie möglich zur Rechenschaft gezogen werden.
Auch die USA hatten die Siedlergewalt in den vergangenen Wochen, insbesondere im Zusammenhang mit Kusra, deutlich kritisiert. Medienberichten zufolge drängte Washington Israel zu einem entschlosseneren Vorgehen gegen solche Übergriffe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber