Nach der Ankunft Dutzender geretteter Bootsmigranten in der südenglischen Hafenstadt Portsmouth ist es am Ärmelkanal zu Konfrontationen zwischen rechten Demonstranten und der Polizei gekommen. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA blockierten in der Nacht Hunderte Menschen, teils vermummt, stundenlang die Zufahrten zum Hafen.
Polizisten in Schutzausrüstung versuchten, die Menge zurückzudrängen und mehrere Reisebusse abzusichern, mit denen die Migranten weitertransportiert werden sollten. Auf Fernsehbildern britischer Sender waren dabei auch Rangeleien zwischen Einsatzkräften und Demonstranten zu sehen.
Mehrere Polizisten wurden nach Angaben der Polizei von Hampshire und der Isle of Wight verletzt. Außerdem sollen unter anderem Behördenfahrzeuge beschädigt worden sein. Festnahmen gab es zunächst nicht, die Polizei leitete aber Ermittlungen ein.
Ankunft in Portsmouth ist ungewöhnlich
Ein Sprecher der Regierung bezeichnete das Auftreten der Migrationsgegner laut PA als bedrohlich und aggressiv. Er betonte, friedlicher Protest sei ein grundlegendes demokratisches Recht, dürfe aber niemals in Krawalle umschlagen.
Zuvor hatten Rettungskräfte bei einem größeren Einsatz Migranten von einem kleinen Boot vor der Küste aufgenommen und nach Portsmouth gebracht. Berichten zufolge sollen sich mehr als 140 Menschen an Bord befunden haben.
Dass Bootsmigranten in Portsmouth ankommen, gilt als eher selten. Die Überfahrt von der französischen Küste dorthin ist deutlich länger als die Route nach Dover, das gewöhnlich das Ziel der meisten Migranten ist. Bereits am Samstag hatte sich am Fährhafen von Dover eine größere Gruppe maskierter und schwarz gekleideter Migrationsgegner versammelt und den Verkehr über Stunden lahmgelegt.
Jedes Jahr setzen Zehntausende Menschen in kleinen Booten von Frankreich nach England über den Ärmelkanal über. Diese Überfahrten gelten als äußerst gefährlich. Zuletzt ist die Zahl solcher Überquerungen jedoch spürbar zurückgegangen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber