Iran

Showdown um Hormus: USA und Iran vor Eskalation

USA und Iran attackieren sich erneut – Trump droht Teheran scharf und richtet eine brisante Botschaft an Irans Volk.

02.09.2026, 05:30 Uhr

Neue Angriffe zwischen USA und Iran verschärfen Konflikt um die Straße von Hormus

Im Streit um die Kontrolle der Straße von Hormus haben sich die USA und der Iran erneut militärisch angegriffen. Die Eskalation ließ auch die Ölpreise weiter steigen. Nach Darstellung des US-Militärs wurden in der Nacht Luftabwehrstellungen, Radaranlagen der iranischen Revolutionsgarden sowie Ausrüstung zum Verlegen von Seeminen attackiert. Teheran reagierte darauf mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Jordanien, Kuwait und Bahrain. Alle drei Staaten gelten als Partner Washingtons und beherbergen US-Stützpunkte.

US-Präsident Donald Trump sprach von „großen und mächtigen“ Schlägen und stellte sie als Antwort auf einen vereitelten iranischen Versuch dar, Seeminen in der Meerenge auszubringen. Zudem habe Washington damit auf jüngsten iranischen Raketenbeschuss gegen Militäranlagen in Jordanien reagiert, der laut Trump abgewehrt worden sei. Das US-Militär verwies außerdem auf iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der strategisch wichtigen Route für den weltweiten Öl- und Gashandel.

Iran meldet Tote nach Angriff auf zivile Ziele

Die Revolutionsgarden erklärten, die USA hätten mehrere Orte im Iran bombardiert, darunter auch zivile Bereiche. Demnach sei im Gebiet um Sirik eine Hochzeitsgesellschaft getroffen worden. Dabei seien vier Menschen ums Leben gekommen, darunter ein Kleinkind. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim gab es außerdem 63 Verletzte, unter ihnen viele Frauen und Kinder. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Berichte zunächst nicht.

Kampfflugzeuge der USA
Das US-Militär greift erneut Ziele im Iran an. (Archivbild) Quelle: Kendall Torres Cortés/dpa

Iranische Staatsmedien meldeten Explosionen in verschiedenen Teilen des Landes. Genannt wurden unter anderem die Insel Gheschm, Bandar Abbas an der Straße von Hormus, die Region Konarak weiter östlich, die Hafenstadt Tschabahar sowie die Insel Lavan im Persischen Golf.

Bericht über neue US-Strategie gegen iranische Tanker

Nach Informationen des US-Portals Axios sollen die Vereinigten Staaten bei dem Einsatz auch zwei Tanker der iranischen Regierung angegriffen haben. US-Beamte sagten demnach, dies sei erstmals ausdrücklich als Vergeltung für iranische Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus erfolgt – und nicht zur Durchsetzung der US-Seeblockade gegen iranische Häfen.

Dem Bericht zufolge verfolgt Washington nun eine Art „Tanker-gegen-Tanker“-Strategie, die von Trump gebilligt worden sei. Ziel sei es, weitere Angriffe des Iran auf Tanker in der Passage abzuschrecken. Teheran zeigt sich jedoch bislang unnachgiebig und beansprucht die Kontrolle über die Wasserstraße weiter für sich. Die Revolutionsgarden reagierten auf die US-Schläge rasch mit Gegenangriffen.

Iran feuert Raketen auf Jordanien, Kuwait und Bahrain

Jordanien wurde laut der Nachrichtenagentur Petra mit 13 ballistischen Raketen beschossen. Zehn davon seien abgefangen worden, die übrigen in abgelegenen Gebieten niedergegangen. Verletzte habe es nicht gegeben. Auch Kuwait und Bahrain meldeten erneut Beschuss aus dem Iran. Zudem erklärten die Revolutionsgarden, sie hätten US-Stützpunkte in Erbil in der autonomen Kurdenregion im Nordirak mit Raketen und Drohnen attackiert. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.

Bereits in der Nacht zum Montag waren erstmals seit Ende Juli wieder direkte Angriffe zwischen den USA und dem Iran gemeldet worden. Die neuen Gefechte zeigen, dass eine dauerhafte Beruhigung des seit mehr als sechs Monaten andauernden Kriegs weiterhin nicht in Sicht ist.

Ölpreis steigt deutlich

Die verschärfte Lage im Nahen Osten sorgte erneut für deutliche Aufschläge am Ölmarkt. Ein Barrel Brent-Rohöl zur Lieferung im November verteuerte sich zeitweise auf 95,44 US-Dollar – der höchste Stand seit rund zweieinhalb Monaten.

Trump droht Teheran und stellt Abkommen infrage

Trump drohte dem Iran mit noch massiveren Angriffen für den Fall weiterer Gegenreaktionen. Sollte Teheran auf den aus seiner Sicht „vollkommen gerechtfertigten“ US-Schlag antworten, werde es härter und umfassender getroffen, schrieb er. Bereits zuvor hatte der Präsident der Islamischen Republik mehrfach mit drastischen Konsequenzen gedroht.

Zugleich machte Trump deutlich, dass er keinen großen Wert mehr auf neue Verhandlungen legt. Es sei ihm gleichgültig, ob die iranische Führung ein für sie nutzloses Abkommen unterschreibe. Die derzeitige Lage gefalle ihm besser, so Trump. Die USA hätten fast vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus, während die iranische Wirtschaft zusammenbreche. In einem weiteren Beitrag fragte er provokant, wann das iranische Volk „endlich aufstehen und kämpfen“ werde.

Straße von Hormus bleibt Zentrum des Konflikts

Die strategisch bedeutende Meerenge ist im Verlauf des Kriegs zum Hauptstreitpunkt zwischen Washington und Teheran geworden. Der Iran behindert den Schiffsverkehr dort nach wie vor mit Drohungen und Angriffen weitgehend. US-Medien berichten allerdings, dass das amerikanische Militär immer wieder Handelsschiffe erfolgreich entlang der omanischen Küste durch die Passage zwischen Persischem Golf und Golf von Oman geleitet habe. Vor Kriegsbeginn war die Schifffahrt dort weitgehend ungestört.

Die Revolutionsgarden kündigten an, die iranische Blockade der Straße von Hormus werde durch die US-Angriffe noch verschärft. Laut Axios sind die neuen US-Schläge Teil eines Plans für begrenzte Einsätze in der Meerenge. Damit solle verhindert werden, dass der Iran seine Radar- und Raketenkapazitäten für weitere Angriffe auf Schiffe wieder aufbaut.

Sorge vor langem Militäreinsatz der USA

Das Wall Street Journal schrieb, die Attacken könnten den wirtschaftlichen Druck auf den Iran zwar aufrechterhalten und Teheran daran hindern, die Meerenge vollständig zu kontrollieren. Gleichzeitig bestehe jedoch das Risiko, dass sich die USA in einen langwierigen Konflikt hineinziehen lassen. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte, die mehr als 50.000 amerikanischen Soldaten in der Region seien weiterhin einsatzbereit.

Ein im Juni vereinbartes Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran hatte eigentlich zu einer Öffnung der Meerenge beitragen sollen. Wegen anhaltender Spannungen scheiterte es jedoch rasch. Fox News zitierte Trump nun mit den Worten, ein Abkommen mit Teheran sei kaum das Papier wert, auf dem es geschrieben werde. Man habe dem Iran viele Chancen gegeben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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