Erneute gegenseitige Militärschläge zwischen den USA und dem Iran haben die diplomatischen Bemühungen der vergangenen Woche weiter in den Hintergrund gedrängt. Nach Angaben des US-Militärs wurden in der Nacht Einrichtungen der iranischen Streitkräfte angegriffen. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Ziele im Irak sowie in Jordanien, Kuwait und Bahrain. Der Konflikt konzentriert sich damit weiter auf die Straße von Hormus und die iranischen Südprovinzen.
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Angriffe des eigenen Militärs als „große und gewaltige“ Vergeltungsaktion. Washington habe damit auf einen gescheiterten iranischen Versuch reagiert, Seeminen in der Straße von Hormus zu verlegen, sagte er. Das US-Militär nannte darüber hinaus iranische Attacken auf Handelsschiffe in der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Meerenge als Grund für das Vorgehen.
Iran meldet mindestens 18 Tote nach den Angriffen
Iranischen Medien zufolge kamen bei den Luftangriffen mindestens 18 Menschen ums Leben. Auf der Insel Lawan starben demnach drei Mitglieder einer paramilitärischen Einheit. In der Provinz Kermanschah wurden sieben Soldaten der Luftstreitkräfte der Revolutionsgarden getötet.
Bei Sirik nahe der iranischen Küste sei zudem ein Gebäude getroffen worden, in dem eine Hochzeitsfeier stattfand. Dabei kamen nach iranischen Angaben mindestens vier Menschen ums Leben, darunter ein kleines Kind. Andere Medienberichte sprachen von fünf Todesopfern. Aus der Industrieprovinz Chusestan wurden außerdem sieben Tote gemeldet.
Der Leiter der iranischen Rothalbmond-Gesellschaft, Pirhussein Koliwand, verurteilte besonders den Angriff auf die Hochzeitsfeier. In einem Brief an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag forderte er nach Angaben der Hilfsorganisation eine Untersuchung des Vorfalls. Das Außenministerium in Teheran warf den USA Kriegsverbrechen vor. Außenamtssprecher Ismail Baghai sprach von einem „verzweifelten Versuch“ Washingtons, eigenes Scheitern zu verbergen.
Centcom: US-Militär nehme keine Zivilisten ins Visier
Vom US-Militär gab es zu dem gemeldeten Angriff auf die Hochzeitsfeier zunächst weder eine öffentliche Bestätigung noch ein Dementi. Centcom-Sprecher Tim Hawkins erklärte auf Anfrage, man kenne die Berichte aus iranischen Staatsmedien. Zugleich betonte er, das US-Militär nehme „niemals Zivilisten ins Visier“ und grenzte das Vorgehen damit von dem der iranischen Revolutionsgarden ab.
Iran meldet Zwischenfälle mit zwei Öltankern in der Meerenge
Nach iranischen Angaben liefen in der Nacht zwei Öltanker in der Straße von Hormus auf Seeminen. Die Revolutionsgarden erklärten laut iranischen Medien, Explosionen und Brände hätten die Besatzungen gezwungen, ihre Schiffe zu verlassen. Zugleich kündigten sie „Strafmaßnahmen“ gegen Reedereien an, die angeblich „illegale Routen“ nutzten. Unabhängig bestätigen ließen sich die Angaben zunächst nicht.
Die Straße von Hormus hat sich im Verlauf des Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt. Der Iran behindert mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die strategisch wichtige Passage für Öl, Erdgas und Dünger weiterhin weitgehend. Vor Kriegsbeginn war die Meerenge für den Schiffsverkehr offen. Teheran verlangt Zugeständnisse aus Washington, während Trump die iranische Führung mit einem „Wirtschaftskrieg“ unter Druck setzen will.
Iran greift Ziele in mehreren Staaten an
Als Reaktion auf die US-Schläge meldete der Iran Raketen- und Drohnenangriffe auf US-Ziele im Irak sowie auf Ziele in Jordanien, Kuwait und Bahrain. Damit weitete sich die Auseinandersetzung erneut über das unmittelbare Kriegsgebiet hinaus auf mehrere Staaten in der Region aus.
Experten bezweifeln militärische Lösung
Fachleute äußern Zweifel, dass sich der Konflikt allein mit militärischen Mitteln beenden lässt. Der Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, die USA könnten Irans Fähigkeiten zwar deutlich schwächen, aber nicht vollständig ausschalten. Es sei unwahrscheinlich, dass Teheran seine Bemühungen einstelle, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu stören. Ohne ein diplomatisches Endspiel lasse sich kein stabiler Zustand „herbeibomben“, so seine Einschätzung.
Auch das Wall Street Journal warnte, die Angriffe könnten den USA zwar helfen, den wirtschaftlichen Druck auf den Iran aufrechtzuerhalten und Teheran daran zu hindern, die Meerenge zu kontrollieren. Gleichzeitig drohe der gegenseitige Beschuss das US-Militär in einen langwierigen Konflikt hineinzuziehen. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte, die mehr als 50.000 amerikanischen Soldaten in der Region seien weiterhin bereit, Angriffe auszuführen.
Bericht über geheime Zusammenarbeit zwischen Russland und Iran
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch einen Bericht der Financial Times. Demnach soll Russland bereits vor Jahren damit begonnen haben, den Iran bei der Entwicklung fortschrittlicher Marschflugkörper mit Überschallgeschwindigkeit zu unterstützen. Das geheime Programm mit dem Codenamen „C430L“ wurde demnach 2023 gestartet.
Der Militärexperte Fabian Hinz sagte der Zeitung, dabei handle es sich um die Weitergabe einer militärischen Technologie von hoher strategischer Bedeutung, an der Teheran seit Jahrzehnten interessiert sei. Laut Bericht wurde das Antriebssystem bereits getestet. Hinweise darauf, dass eine solche Waffe schon eingesetzt wird, gibt es demnach bislang nicht.
Teheran und Moskau hatten im Januar 2025 ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, das ihre Zusammenarbeit unter anderem in Wirtschaft und Militär vertiefen soll. Am Dienstag sicherte Kremlchef Wladimir Putin dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian bei einem Treffen am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek erneut Unterstützung zu.
Diplomatische Bemühungen treten in den Hintergrund
Peseschkian sprach sich am Dienstag dennoch weiter für eine diplomatische Lösung aus. „Sollten die USA zu ihren Verpflichtungen zurückkehren, wird auch die Islamische Republik Iran unverzüglich entsprechend handeln“, sagte er beim SOZ-Gipfel in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek.
Bereits vergangene Woche hatten regionale Vermittlerstaaten eine neue Runde diplomatischer Bemühungen begonnen. Delegationen aus Pakistan, Katar und Oman reisten dazu nach Teheran. Die jüngsten gegenseitigen Angriffe haben diese Anläufe nun jedoch erneut deutlich überschattet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber