Erneut gegenseitige Angriffe zwischen den USA und dem Iran
Im festgefahrenen Konflikt zwischen Washington und Teheran ist es in der Nacht erstmals seit Ende Juli wieder zu direkten militärischen Aktionen auf beiden Seiten gekommen. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte auf X, man habe „begrenzte und gezielte Maßnahmen“ gegen Minenlege-Einheiten der iranischen Revolutionsgarden ergriffen. Diese hätten nach US-Darstellung in der Straße von Hormus eine akute Gefahr dargestellt. Der Iran reagierte kurz darauf mit Gegenangriffen auf zwei US-Stützpunkte in Jordanien. Nach jordanischen Angaben wurden die Raketen jedoch abgefangen.
US-Medien wie Axios, Fox News und CBS News berichteten unter Berufung auf einen US-Beamten, Ziel des amerikanischen Angriffs seien zwei Raketenabschussrampen auf der Insel Larak gewesen. Ein Centcom-Sprecher sagte demnach, Mitglieder der Revolutionsgarden seien dabei beobachtet worden, Raketen mit Seeminen in Richtung der wichtigen Wasserstraße zu feuern.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim widersprach dieser Darstellung. Demnach hätten die USA keine Minenlege-Einheiten getroffen. Vielmehr sei ein amerikanischer Versuch gescheitert, eine iranische Militäraktion gegen aus Sicht Teherans „nicht konforme“ Schiffe zu stoppen. Larak liegt an einer strategisch wichtigen Stelle in der Straße von Hormus, um deren Kontrolle beide Länder seit Monaten ringen.
Jordanien meldet abgefangene Raketen
Das iranische Außenministerium verurteilte die US-Angriffe scharf. In einer auf Telegram verbreiteten Erklärung hieß es, bei den Luftschlägen auf Larak seien mehrere Angehörige der iranischen Streitkräfte getötet worden.

Die Revolutionsgarden teilten außerdem mit, die kombinierte Drohnen- und Raketenattacke auf zwei US-Basen in Jordanien sei eine Vergeltung für den amerikanischen Angriff gewesen. Zusätzlich erklärte die iranische Armee, auch ein Militärstützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten sei attackiert worden. Die Emirate bestritten dies jedoch und erklärten, eine aus iranischer Richtung kommende Drohne sei über den eigenen Hoheitsgewässern abgefangen worden.
Auch aus Jordanien kam Widerspruch zu den iranischen Angaben. Die staatliche Nachrichtenagentur Petra meldete unter Berufung auf das Militär, acht in den jordanischen Luftraum eingedrungene Raketen seien zerstört worden.
Bereits am Sonntagabend hatte die britische Seefahrtsicherheitsbehörde UKMTO mitgeteilt, dass in der Straße von Hormus erneut ein Tanker angegriffen worden sei. Das Schiff sei vor der Küste Omans von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Wer dahintersteckt, ist bislang unklar.
Warum die Lage wieder eskaliert
Der Iran behindert den Schiffsverkehr durch die Meerenge weiterhin massiv mit Drohungen und Angriffen. Gleichzeitig häufen sich Berichte in US-Medien, wonach amerikanische Streitkräfte immer wieder erfolgreich Schiffe entlang der omanischen Küste durch die Straße von Hormus begleiten.
Die Windward-Analystin Michelle Wiese Bockmann beschreibt dieses Vorgehen als eine Art „Shuttle-Service“. Begleitete Öltanker liefen demnach Terminals im Persischen Golf an und entluden nach der Rückfahrt ihre Fracht bei Schiff-zu-Schiff-Transfers auf andere Tanker, die vor Oman warteten. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte sie, diese Vorgänge fänden „im Dunkeln“ statt: Die Schiffe schalteten ihre Transponder aus, weshalb genaue Messungen der Durchfahrten schwierig seien.
Daten von Lloyd’s List Intelligence weisen für die vergangene Woche rund 15 Durchfahrten durch die Meerenge aus. Nach UKMTO-Angaben vom Freitag waren es etwa 29. Damit liegt das Verkehrsaufkommen laut UKMTO nur bei rund 22 Prozent des Niveaus vor Kriegsbeginn.
Für Juli verzeichnet Wiese Bockmann täglich etwa fünf Millionen Barrel Öl, die durch die Straße von Hormus transportiert wurden. Die Auswertung für August sei noch nicht abgeschlossen, das Volumen liege aber auf einem ähnlichen oder sogar höheren Niveau. Vor dem Konflikt wurden dort täglich rund 20 Millionen Barrel Öl befördert. Windward unterhält Geschäftsbeziehungen zur US-Regierung und zum amerikanischen Verteidigungsministerium.
Der Iran-Experte Hamidreza Azizi sieht in den unter US-Schutz steigenden Ölexporten aus dem Persischen Golf einen möglichen Auslöser für das jüngste Eingreifen Teherans. Auf X schrieb er, Washington scheine zu glauben, mit einem begrenzten und geschützten Schifffahrtskorridor wieder die Initiative übernommen zu haben. Der Iran wolle verhindern, dass sich diese Regelung dauerhaft etabliere.
Wochen der Ruhe ohne politische Fortschritte
Zuletzt war es im Konflikt zwischen den USA und dem Iran über Wochen vergleichsweise ruhig geblieben. Weder militärisch noch diplomatisch wurden nennenswerte Fortschritte bekannt. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt einen „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran ausgerufen und sein Finanzministerium weitere einzelne Sanktionen gegen Personen und Firmen verhängen lassen.
Tiefgreifende Maßnahmen, die die finanziellen Grundlagen des Machtapparats in Teheran dauerhaft schwächen würden, sind bislang jedoch weiterhin ausgeblieben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber