Wirtschaft

Darum fehlen plötzlich Sardinen im Laden

Sardinen werden knapp: Warum Regale in Supermärkten leer bleiben – und wieso Experten so schnell keine Entwarnung geben

02.09.2026, 04:30 Uhr

Sardinen in vielen Märkten derzeit nur eingeschränkt verfügbar

Wer aktuell Sardinen kaufen möchte, muss in Supermärkten und Discountern teils länger suchen. Nach Angaben mehrerer Handelsunternehmen ist das Angebot momentan spürbar knapper.

Aldi Nord erklärte, dass einzelne Produkte vorübergehend fehlen könnten. Als Grund nannte das Unternehmen schwierige Bedingungen beim Fischfang, die die Verfügbarkeit einschränkten. Rewe sprach von einer europaweit angespannten Lage bei der Rohware. Davon seien sowohl Produkte der Eigenmarken als auch Markenartikel betroffen.

Auch Lidl verwies auf Probleme bei der Warenverfügbarkeit. Dort hieß es, die zuletzt gestiegene Nachfrage nach Sardinen könne regional zu Engpässen führen. Gemeinsam mit den Lieferanten arbeite man daran, das Angebot möglichst rasch wieder zu stabilisieren. Kaufland räumte ebenfalls vereinzelte Engpässe ein. Der Lieferdienst Picnic meldete zudem, dass auch sein Sortiment betroffen sei. Zunächst hatte die Welt über das Thema berichtet.

Deutlich weniger Fänge

Hintergrund der Knappheit ist vor allem die Entwicklung in Nordwestafrika. Stefan Meyer, Geschäftsführer des Fisch-Informationszentrums in Hamburg, erklärte, dass die für Europa besonders wichtige Sardinenfischerei vor Marokko und der Westsahara seit Jahren unter sinkenden Beständen leide. Nach Zahlen der marokkanischen Fischereibehörde wurden 2022 noch 965.000 Tonnen angelandet, 2024 waren es nur noch 525.000 Tonnen.

Nach Einschätzung des Experten hat sich die Lage auch im vergangenen Jahr nicht verbessert. Als Ursachen nennt er Folgen des Klimawandels, veränderte Bedingungen im Meer sowie einen hohen Fischereidruck. Die Regierung in Marokko habe deshalb strengere Regeln für die Bewirtschaftung eingeführt. Zudem seien seit Februar 2026 die Ausfuhren von gefrorenen Sardinen stark begrenzt oder ganz gestoppt worden, um die Versorgung im eigenen Land zu sichern.

Für europäische Verarbeiter sei das besonders problematisch, da Marokko bislang als wichtigster Lieferant galt. Eine rasche Erholung der Bestände vor Nordwestafrika sei derzeit nicht in Sicht.

Andere Fanggebiete können Lücke nicht schließen

Zwar lebt die echte Sardine (Sardina pilchardus) auch im Nordostatlantik, etwa vor Spanien und Portugal. Dort hätten sich die Bestände in den vergangenen Jahren laut Meyer zwar deutlich erholt. Die Fangmengen seien jedoch zu gering, um die fehlende Ware aus Nordwestafrika auszugleichen. Deshalb rechnet der Experte nicht mit einer schnellen Entspannung auf dem Markt.

Auch steigende Preise hält Meyer für möglich. Weil Alternativen fehlen, weichen Hersteller zunehmend auf sardinenähnliche Arten wie Sardinellen aus. Diese stammen vor allem aus dem Indischen Ozean, dem westlichen Pazifik und tropischen Regionen des Atlantiks.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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