Iran

US-Militär schlägt erneut im Iran zu

Nach der brisanten Eskalation am Wochenende legen die USA nach: Warum der Iran-Konflikt jetzt noch gefährlicher wird.

01.09.2026, 18:59 Uhr

Die USA und der Iran haben neue gegenseitige Angriffe gemeldet. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump nahmen die Vereinigten Staaten erneut iranische Ziele nahe der Straße von Hormus ins Visier. Kurz darauf erklärten die iranischen Revolutionsgarden laut mehreren Staatsmedien, eine Vergeltungsaktion habe begonnen. Demnach sollten US-Stützpunkte in der Region mit Raketen und Drohnen angegriffen werden.

Mehrere iranische Staatsmedien berichteten, Ziel der Gegenangriffe seien erneut US-Stützpunkte in Jordanien gewesen. Zusätzlich sei auch eine US-Basis in Bahrain attackiert worden.

Damit setzt sich die militärische Eskalation fort. Nachdem es in der Nacht zum Montag erstmals seit Ende Juli wieder direkte gegenseitige Angriffe gegeben hatte, rückt eine dauerhafte Beilegung des Kriegs auch mehr als sechs Monate nach dessen Beginn in weite Ferne.

Die Zuspitzung der Lage wirkte sich auch auf die Energiemärkte aus: Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl stieg zwischenzeitlich auf 95,44 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit rund zweieinhalb Monaten.

Trump spricht von "großen und gewaltigen" Attacken

Trump bezeichnete die jüngsten US-Angriffe auf seiner Plattform Truth Social als "groß und gewaltig". Sie seien eine Vergeltung für den aus US-Sicht gescheiterten Versuch des Iran gewesen, Seeminen in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu verlegen.

Zugleich bekräftigte der Präsident die Darstellung Washingtons, wonach sich derzeit keine Seeminen in der für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Dünger zentralen Wasserstraße befänden. Außerdem stellte Trump die Schläge als Reaktion auf den jüngsten iranischen Raketenbeschuss auf US-Stützpunkte in Jordanien dar, der nach US- und jordanischen Angaben abgewehrt worden sei.

Trump warnte Teheran eindringlich vor Gegenangriffen. Sollte der Iran auf den aus seiner Sicht "völlig gerechtfertigten" Schlag reagieren, werde er noch härter und in größerem Umfang getroffen, drohte er. Zugleich erklärte er, dies wäre dann noch nicht "der größte Angriff von allen". Fox News zitierte ihn zudem mit der Drohung, den Iran im Fall weiterer Attacken vollständig auszulöschen.

Centcom: Angriff begann am Mittag US-Ostküstenzeit

Bereits vor Trumps Stellungnahme hatte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom mitgeteilt, dass der Einsatz um 12.00 Uhr US-Ostküstenzeit begonnen habe, entsprechend 19.30 Uhr in Teheran. Ziel seien Einrichtungen der iranischen Revolutionsgarden gewesen. Nähere Angaben zu den exakten Angriffszielen machten die US-Streitkräfte zunächst nicht.

Washington stellt die Operation als Antwort auf jüngste Angriffsversuche der Revolutionsgarden gegen die internationale Schifffahrt in der Straße von Hormus sowie gegen in der Region stationierte US-Soldaten dar.

Iran meldet Explosionen und spricht von zivilen Opfern

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, die USA hätten mehrere Orte bombardiert, darunter auch zivile Gebiete. Durch diese Angriffe werde die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran weiter verschärft.

Iranische Staatsmedien berichteten über Explosionen in mehreren Regionen des Landes. Genannt wurden die Insel Gheschm und die Großstadt Bandar Abbas an der Straße von Hormus, außerdem der Raum Konarak, die Hafenstadt Tschabahar sowie die Insel Lavan im Persischen Golf.

Besonders schwer wiegt ein iranischer Medienbericht über einen Angriff auf eine Hochzeitsfeier im Raum Sirik. Dabei sollen vier Menschen ums Leben gekommen sein, darunter ein vierjähriges Kind. Mehr als 50 weitere Menschen seien verletzt worden. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht.

Neue Vergeltung und Drohnenalarm in den VAE

Nach Darstellung der Revolutionsgarden läuft inzwischen eine neue Vergeltungsoperation gegen US-Ziele. Mehrere iranische Staatsmedien meldeten, erneut seien US-Stützpunkte in Jordanien Ziel gewesen. Hinzu kam laut diesen Berichten ein Angriff auf eine US-Basis in Bahrain.

Zudem reagierte die Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate nach Angaben des dortigen Verteidigungsministeriums auf eine Drohne über den Hoheitsgewässern des Landes. Das unbemannte Fluggerät sei aus Richtung Iran gekommen.

Angriffe Teil eines vorbereiteten US-Plans

US-Medien berichten, dass die Angriffe Teil eines bereits seit Tagen diskutierten Plans gewesen sein sollen. Das Nachrichtenportal Axios schrieb unter Berufung auf US-Beamte, Trump und seine Berater hätten begrenzte Schläge im Bereich der Straße von Hormus erwogen. Ziel sei es gewesen, den Iran daran zu hindern, Radar- und Raketenkapazitäten für Angriffe auf Schiffe wieder aufzubauen.

Der Plan sei demnach in der vergangenen Woche von Centcom ausgearbeitet worden. Damit solle das Risiko iranischer Attacken auf Öltanker sowie auf Schiffe und Flugzeuge des US-Militärs verringert werden.

Die Straße von Hormus hat sich im Verlauf des Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt. Der Iran behindert nach US-Darstellung mit Drohungen und Angriffen den Verkehr durch die wichtige Meerenge weitgehend. US-Medien zufolge eskortiert das US-Militär jedoch immer wieder erfolgreich Schiffe entlang der omanischen Küste durch die Passage zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

Erste Eskalation seit längerem hatte am Montag begonnen

In der Nacht zum Montag war es erstmals seit etwa einem Monat wieder zu direkten gegenseitigen Angriffen gekommen. Das US-Militär hatte nach eigenen Angaben Einheiten der Revolutionsgarden attackiert, die Minen in der Straße von Hormus legen wollten. Der Iran reagierte darauf mit Raketenbeschuss auf US-Militärstützpunkte in Jordanien. Nach jordanischen Angaben wurden die Geschosse abgefangen.

Trump zeigt sich auch bei Diplomatie pessimistisch

Ein im Juni vereinbartes Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, das auf eine Öffnung der Straße von Hormus hinwirken sollte, war angesichts anhaltender Spannungen rasch gescheitert. US-Finanzminister Scott Bessent sagte am Rande eines G20-Ministertreffens in Asheville, das Abkommen habe nicht funktioniert, weil der Iran nicht bereit für einen Deal gewesen sei. Seine Aufgabe sei es nun, dafür zu sorgen, dass Teheran ein Abkommen wolle.

Washington hatte zuletzt erklärt, den Druck auf den Iran auch wirtschaftlich weiter erhöhen zu wollen. Trump äußerte sich zugleich sehr skeptisch über eine diplomatische Lösung. Nach Angaben von Fox News sagte er, ein Abkommen mit dem Iran sei "das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht". Man habe Teheran viele Chancen gegeben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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