Wirtschaft

Diese 8 deutschen Familienfirmen trotzen 400 Jahren

Pleite, Nachfolge-Chaos, Aus – und dann sind da Firmen, die jede Krise überleben. Was macht diese unverwüstlichen Unternehmen aus?

02.09.2026, 05:00 Uhr

Jahrhundertealte Familienfirmen trotzen Krisen

Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten zeigen einige Traditionsunternehmen in Deutschland eine bemerkenswerte Beständigkeit: Acht deutsche Familienunternehmen sind bereits seit mehr als 400 Jahren ununterbrochen aktiv. Zwei weitere dürften diese Marke in naher Zukunft ebenfalls erreichen. Das ergibt sich aus der aktualisierten Liste der 50 ältesten deutschen Familienunternehmen, die von der Stiftung Familienunternehmen in München veröffentlicht wurde.

Nordrhein-Westfalen führt die Rangliste an

An der Spitze stehen weiterhin zwei Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, die beide auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken. Den ersten Platz belegt die 1502 gegründete Coatinc Company aus Kreuztal, ein Unternehmen der Metallverarbeitung. Dahinter folgt die Prym Group aus Stolberg, die seit 1530 besteht und einst den Druckknopf entwickelte.

Unter den 50 ältesten Firmen finden sich ausschließlich Unternehmen aus Westdeutschland. Ein Grund dafür liegt in der Geschichte der DDR, wo Familienunternehmen verstaatlicht wurden. In den Top Ten sind nur Firmen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg vertreten.

Die "jüngste" Firma ist mehr als zwei Jahrhunderte alt

Kurz vor dem 400-jährigen Jubiläum steht der Blechbearbeiter W. Albrecht aus Lindlar bei Köln, gegründet im Jahr 1634. Auf Rang zehn folgt die Tuchfabrik Mehler im bayerischen Tirschenreuth, die seit 1644 existiert.

Das jüngste Unternehmen in der Liste ist auf Platz 50 zu finden: der Maschinenbauer Kurtz Ersa aus Kreuzwertheim in Bayern. Das Unternehmen wurde 1800 gegründet und ist damit immerhin schon 226 Jahre alt.

Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, betonte, diese Firmen hätten sich über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu aufgestellt. Die Eigentümerfamilien seien dabei ein verlässlicher Stabilitätsfaktor geblieben. Gerade in Krisenzeiten trügen solche Unternehmen zur Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft bei.

Grundlage der Auswahl

Für die Rangliste nutzte die Stiftung öffentlich zugängliche Informationen. Berücksichtigt wurden Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten, die sich am längsten ohne Unterbrechung im Besitz einer oder mehrerer verwandter Familien befinden. Nicht einbezogen wurden bestimmte traditionelle Kleinbetriebe, obwohl auch sie teils auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Dazu zählen Apotheken, Gasthäuser, Mühlen und landwirtschaftliche Höfe.

Warum die Fugger nicht auftauchen

Nicht vertreten ist auch die berühmte Augsburger Familie Fugger. Dabei zählt sie historisch zu den einflussreichsten Unternehmerdynastien Deutschlands. Im 16. Jahrhundert erlangten die Fugger durch Bankgeschäfte und Bergbau großen Reichtum und politischen Einfluss. Heute führen ihre Nachfahren jedoch kein klassisches gewerbliches Familienunternehmen mehr. Stattdessen verwalten sie nach Angaben der Familie mehrere soziale Stiftungen, deren Ursprünge ebenfalls bis ins 16. Jahrhundert reichen.

Auch Nicht-Familienunternehmen sind äußerst beständig

Neben Familienunternehmen gibt es in Deutschland auch andere traditionsreiche Betriebe mit erstaunlicher Krisenfestigkeit. Ein Beispiel ist die Brauerei Weihenstephan im oberbayerischen Freising. Sie war einst kirchlich geprägt, ist heute staatlich und besitzt seit 1040 das Braurecht. Damit nähert sie sich ihrem 1000-jährigen Bestehen.

Auch das Münchner Hofbräuhaus, ebenfalls in staatlicher Hand, gehört zu den besonders traditionsreichen Unternehmen. Es wurde 1589 gegründet und hat sich über Jahrhunderte hinweg gegen Kriege, Krisen und Umbrüche behauptet.

Würde man darüber hinaus noch bestehende katholische Klöster als wirtschaftliche Einrichtungen mitrechnen, lägen diese deutlich vor allen anderen. So wurde etwa die Abtei Tholey im Saarland bereits im Jahr 634 erstmals urkundlich erwähnt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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