In Teheran hat die Sorge vor Engpässen bei der Versorgung mit Treibstoff zu langen Warteschlangen an Tankstellen geführt. Nach Angaben von Bewohnern standen Autofahrer in der Millionenstadt selbst nachts an den Zapfsäulen an. Teilweise sollen sich die Schlangen über mehr als einen Kilometer gezogen haben.
Präsident Massud Peseschkian hatte in dieser Woche bei einer Kabinettssitzung Schwierigkeiten als Folge des Kriegs eingeräumt, den die USA und Israel Ende Februar gegen den Iran begonnen hatten. Wie die Wirtschaftsagentur Ilna berichtete, forderte er die Regierung dazu auf, auch bei der eigenen Fahrzeugflotte sparsamer zu sein. Zugleich appellierte er an die Bevölkerung, ebenfalls mitzuwirken.
Laut dem Nachrichtenportal Khabaronline wurde am Montag in Teheran so viel Benzin getankt wie an keinem anderen Tag in diesem Jahr. Unter Berufung auf Behörden hieß es, einige Tankstellen hätten zeitweise schließen müssen, weil ihre Vorräte erschöpft gewesen seien. Der regionale Chef der Nationalen Erdölgesellschaft, Fereydun Jasemi, machte Gerüchte in sozialen Netzwerken über angebliche Benzinknappheit für die außergewöhnlich hohe Nachfrage verantwortlich.
Während der massivsten US-israelischen Angriffe im März und zu Beginn des Aprils wurden im Iran auch Anlagen der Energieversorgung getroffen. Betroffen waren demnach unter anderem Teile der Öl- und Gasindustrie sowie Treibstofflager. Nach Darstellung der Regierung ist ein Teil der beschädigten Infrastruktur inzwischen wieder instand gesetzt worden.

Regierung: „Kein plötzlicher Schock“
Ein Sprecher des iranischen Präsidialamts erklärte auf X, die Regierung sei auf unterschiedliche Entwicklungen vorbereitet. Es werde keinen „plötzlichen Schock“ geben, schrieb Abbas Pasuki. Auch bei den geltenden Tankkontingenten solle es vorerst keine Änderungen geben. Nach seinen Angaben wurden einige Politiker verwarnt, weil sie sich in Interviews zum Thema Benzin geäußert hätten – mit dem Ziel, „die Ruhe in der Gesellschaft zu bewahren“.
Benzin ist im Iran stark staatlich subventioniert. Fahrzeughalter können mit elektronischen Karten pro Monat bis zu 60 Liter zu einem vergünstigten Tarif erwerben. Für darüber hinausgehende Mengen ist der Preis deutlich höher. Zuletzt wurde die Ausgabe an manchen Tankstellen zusätzlich begrenzt.
Schon in der Vergangenheit kursierten immer wieder Spekulationen über mögliche Preissteigerungen. Vor sieben Jahren führte eine Erhöhung der Spritpreise zu landesweiten Protesten, die vor allem von Menschen aus der Arbeiterschicht getragen wurden. Die Sicherheitskräfte gingen damals mit großer Härte gegen die Demonstrierenden vor. Dabei wurden mehrere Hundert Menschen getötet. Die Unruhen sind seither als „blutiger November“ in Erinnerung geblieben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber