Brandenburg

Sabotage am Stromnetz? Jagd nach Tätern läuft

Sabotage am Stromnetz? Nach einem Angriff mit selbstgebauten Flugkörpern in Brandenburg jagen Ermittler jetzt die Täter.

02.09.2026, 04:30 Uhr

Ermittlungen nach Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg dauern an

Nach dem Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg setzen Polizei und Sicherheitsbehörden ihre Ermittlungen rund um das Umspannwerk Turnow-Preilack an der sächsischen Grenze fort. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) machte deutlich, wie knapp die Region aus seiner Sicht an größeren Schäden vorbeigeschrammt ist: Man habe nach jetzigem Stand „verdammt Glück gehabt“.

Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte in der Nähe des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde versucht, Kurzschlüsse im Netz auszulösen. Nach aktuellen Erkenntnissen erreichte nur eines von mehr als einem Dutzend raketenähnlichen Gegenständen mit Treibsatz tatsächlich sein Ziel. Dieses Geschoss transportierte ein Kabel in eine Höchstspannungsleitung, um eine leitende Verbindung zum Erdboden herzustellen.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz erklärte, dass der Vorfall glimpflich verlaufen sei. Zu einem Stromausfall kam es demnach nicht. Dennoch betonte Redmann, dass die Tat grundsätzlich geeignet gewesen sei, erheblichen Schaden anzurichten.

Hinweise auf planmäßiges und technisch anspruchsvolles Vorgehen

Für die Ermittler steht fest, dass die Täter systematisch vorgingen. Bei den verwendeten Gegenständen handelte es sich laut Redmann nicht um handelsübliche Silvesterraketen, sie seien aber durchaus mit solchen vergleichbar. Platziert worden seien sie direkt unter den Leitungen in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack, unweit des Kraftwerks Jänschwalde.

Ein Schwerpunkt der Untersuchungen ist die Frage, wie viel Fachwissen hinter der Tat steckt. Nach Einschätzung des Innenministers setzte sowohl der Bau als auch die Installation der Vorrichtungen einiges an technischem Know-how voraus. Zudem müsse derzeit davon ausgegangen werden, dass die Täter schon mehrere Tage vor dem Angriff vor Ort gewesen seien, um die Anlagen vorzubereiten und zu installieren.

Ermittler prüfen verschiedene Hintergründe

Wer für den Angriff verantwortlich ist, bleibt bislang unklar. Laut Redmann wird in alle Richtungen ermittelt. Zugleich stellte er klar, dass sich die Tatausführung von früheren Anschlägen auf die Stromversorgung unterscheide, die der linksextremistischen Szene zugerechnet werden.

Ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht. Ebenso liegen nach Angaben des Ministers bisher keine Hinweise darauf vor, dass eine ausländische Macht hinter der Tat steckt oder geheimdienstliche Mittel eingesetzt wurden. Auch mögliche Bauanleitungen im Internet dürften bei den Ermittlungen weiter eine Rolle spielen.

Polizei bittet um Zeugenhinweise

Die Polizei ruft weiterhin Zeuginnen und Zeugen zur Mithilfe auf. Gefragt wird insbesondere:

  • Wer hat die Tat am Morgen des 1. September bemerkt?
  • Wer kann Angaben zu möglichen Verdächtigen machen oder diese beschreiben?
  • Wer hat sonstige sachdienliche Hinweise?

Im Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße wird der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom regional und überregional verteilt. Nach Angaben des Energieunternehmens Leag entstand das Kraftwerk zwischen 1976 und 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR. Spätestens Ende 2028 sollen sämtliche Blöcke stillgelegt werden.

Frühere Angriffe auf die Energieversorgung

Auch in den vergangenen Monaten hatte es bereits mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit der Stromversorgung gegeben. Im Januar setzten mutmaßlich linksextreme Täter Hochspannungsleitungen nahe eines Kraftwerks im Südwesten Berlins in Brand. Dadurch waren rund 45.000 Haushalte sowie mehr als 2.200 Unternehmen, Geschäfte, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen über Tage ohne Strom. Zu dem Anschlag bekannten sich die sogenannten „Vulkangruppen“, die ihren Kampf gegen den Kapitalismus als Motiv nannten.

Bereits im März 2024 war ein großer Strommast in Brand gesetzt worden, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide wichtig ist. Die Folge war ein mehrtägiger Produktionsstopp infolge der Sabotage.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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