Iran

Hinter den Kulissen: Iran-Gespräche gehen weiter

Showdown in 60 Tagen? USA und Iran reden weiter – doch bei Atomprogramm, Sanktionen und Waffenruhe droht neuer Streit.

22.06.2026, 03:33 Uhr

Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des Kriegs gewinnen an Tempo. Nach dem Auftakt auf Ebene der Chefunterhändler in der Schweiz sollen nun die ganze Woche über direkte Beratungen auf Arbeitsebene folgen. Nach Angaben der Vermittler Katar und Pakistan finden auch diese Gespräche im Luxusresort Bürgenstock bei Luzern statt.

Ziel bleibt, wie im Rahmenabkommen vorgesehen, innerhalb von 60 Tagen ein „finales Abkommen“ zu erreichen. Vorgesehen sind dazu unter anderem Arbeitsgruppen zu Irans Atomprogramm und zu den westlichen Sanktionen.

Die Vermittler erklärten, die Gespräche seit Sonntag hätten in einer „positiven und konstruktiven Atmosphäre“ stattgefunden. Es habe „ermutigende Fortschritte“ gegeben, darunter auch ein Mechanismus für weitere Verhandlungen. Selbst neue Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Teheran während der laufenden Gespräche hätten die Beratungen demnach nicht scheitern lassen.

Neuer Gesprächskanal zur Straße von Hormus

Zusätzlich wurde ein direkter Kommunikationskanal zwischen den Konfliktparteien eingerichtet, um Missverständnisse oder Zwischenfälle in der Straße von Hormus zu vermeiden. Ziel ist eine sichere Passage für Handelsschiffe durch die Meerenge. Die Route ist für den weltweiten Handel mit Öl, Flüssiggas und Dünger von zentraler Bedeutung.

Darüber hinaus wurde ein eigenes Forum geschaffen, das die Einhaltung der Waffenruhe im Libanon sichern soll. Dort kommt es weiterhin immer wieder zu gegenseitigen Angriffen zwischen der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz. Das Ende der Kämpfe im Libanon war bereits Teil des Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran.

Israels Regierung ist allerdings nicht an den Verhandlungen beteiligt und lehnt diesen Teil der Vereinbarungen ab. Zudem will Israel seine Truppen nicht aus dem Südlibanon abziehen, was aus iranischer Sicht inakzeptabel ist. Die neuen Gefechte im Libanon hatten das Rahmenabkommen Ende vergangener Woche deshalb zeitweise an den Rand des Scheiterns gebracht. Zuletzt beruhigte sich die Lage jedoch vorerst.

Iran meldet „große Fortschritte“ beim Libanon

Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X, bei den Bemühungen um ein Ende des Kriegs im Libanon habe es „große Fortschritte“ gegeben. Das gemeinsame Forum zur Überwachung der Waffenruhe sei der „erste wirkliche Test“ der Vereinbarungen.

Zugleich erklärte Araghtschi, die US-Seeblockade iranischer Häfen sei aufgehoben worden, erste eingefrorene iranische Guthaben würden freigegeben und ein größerer Wiederaufbauplan für den Iran sei angestoßen worden. Diese Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Von US-Seite gab es in der Nacht zunächst keine unmittelbare Stellungnahme zum Ausgang des ersten Verhandlungstags.

Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani veröffentlichte am frühen Morgen auf X zudem ein Foto mit US-Vizepräsident JD Vance und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump. Dazu schrieb er: „Live aus Luzern, die Arbeit geht weiter.“ Auf dem Bild ist Vance an einem Laptop zu sehen.

Erstes direktes Treffen dauerte gut eine Stunde

Das erste direkte Gespräch der Delegationen in der Schweiz dauerte am Sonntagnachmittag gut eine Stunde. Die US-Delegation wurde von Vance angeführt, der zuvor angedeutet hatte, voraussichtlich am Montag in die USA zurückzureisen.

Auf iranischer Seite nahmen neben Außenminister Araghtschi unter anderem auch Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf als Verhandlungsführer teil.

Trumps neue Drohungen gegen Teheran

Während der Gespräche verschärfte Trump den Ton gegenüber dem Iran erneut. Auf Truth Social forderte er Teheran auf, seine „hoch bezahlten Stellvertreter“ im Libanon unverzüglich daran zu hindern, weitere Unruhe zu stiften. Andernfalls werde man den Iran „erneut sehr hart treffen“.

Dem Sender Fox News sagte Trump zudem, er habe dem Iran wegen der Straße von Hormus eine dringende Warnung übermittelt. Sollte Teheran die Meerenge schließen, werde es „kein Land mehr“ haben. Am Samstag hatte der Iran wegen der Lage im Libanon erklärt, die Straße von Hormus sei wieder geschlossen. Das US-Militär widersprach dieser Darstellung.

Ghalibaf reagierte auf X gelassen auf die Äußerungen aus Washington. Solche Drohungen hätten die USA nicht aus ihrer Lage herausgebracht, schrieb er sinngemäß. Man nehme diese Aussagen nicht ernst, dennoch wäre mehr Zurückhaltung ratsam. Die iranischen Streitkräfte seien bereit, auf anderem Wege zu reagieren. „Unabhängig davon, wie viel sie reden, wir sind diejenigen, die handeln“, erklärte er.

Trump attackiert die „New York Times“

Parallel dazu griff Trump eine Analyse der „New York Times“ scharf an, in der der von ihm angeordnete Krieg gegen den Iran als politisch und strategisch wenig erfolgreich beschrieben wurde. Trump verwies auf Truth Social auf angebliche militärische Erfolge, die wirtschaftliche Lage im Iran und die offene Straße von Hormus. Die Berichterstattung der Zeitung nannte er „verräterisch“ und „korrupt“ und kündigte an, seine bestehende Klage gegen das Blatt auszuweiten.

Die Analyse der Zeitung argumentiert dagegen, Trump verkaufe die Öffnung der Straße von Hormus als Erfolg, obwohl die Krise dort erst durch den von ihm befohlenen Krieg ausgelöst worden sei. Auch sei das Machtsystem im Iran trotz personeller Veränderungen intakt geblieben und womöglich sogar gestärkt worden. Zudem bleibe die Zukunft des iranischen Atomprogramms unklar, während Teheran sich mit dem Rahmenabkommen Aussicht auf Sanktionserleichterungen und wirtschaftliche Hilfe gesichert habe.

Die USA und Israel hatten den Iran-Krieg Ende Februar begonnen. Anfang April trat eine Waffenruhe in Kraft, die jedoch vereinzelt verletzt wurde. Vergangene Woche vereinbarten Washington und Teheran dann ein Rahmenabkommen mit dem Ziel, innerhalb von 60 Tagen eine umfassende Einigung zur Beendigung des Kriegs zu erzielen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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