US-Medien zufolge wollen Washington und Teheran ihre Gespräche über ein mögliches Ende des Konflikts mit dem Iran wieder aufnehmen. Wie Axios und CNN unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter berichten, reist der amerikanische Unterhändler Steve Witkoff in die Schweiz. Dort soll eine erste Verhandlungsrunde über ein mögliches Atomabkommen stattfinden.
Das Treffen war demnach ursprünglich bereits für Freitag vorgesehen. Wegen neuer gegenseitiger Angriffe zwischen der israelischen Armee und der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon kam es jedoch nicht dazu.
Laut Axios hält sich der US-Unterhändler Jared Kushner bereits in der Schweiz auf. Auch Irans Außenminister Abbas Araghtschi soll nach Angaben einer informierten Quelle noch heute dorthin reisen. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist aber weiter offen. Dem Bericht zufolge will die iranische Seite zunächst abwarten, ob eine erneute Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah Bestand hat.
Nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise soll es trotz der Vereinbarung erneut israelische Angriffe gegeben haben. Israel und die Hisbollah beschuldigen sich gegenseitig, die im Zuge des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Feuerpause verletzt zu haben. Seit Freitag 16.00 Uhr Ortszeit im Libanon (15.00 Uhr MESZ) sollte nach Angaben eines US-Regierungsbeamten eigentlich eine Waffenruhe gelten.
Neu hinzu kommt, dass der Iran die Straße von Hormus wieder für die Durchfahrt aller Schiffe sperren will. Das zentrale Militärkommando des Landes begründete den Schritt mit der aus iranischer Sicht ausbleibenden Einhaltung der Waffenruhe im Südlibanon, die Teil des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran gewesen sein soll.
Nach iranischer Darstellung ist zudem die anhaltende israelische Militärpräsenz im Südlibanon ein weiterer Grund für die Blockade. Dieser Punkt wird im Rahmenabkommen zwar nicht ausdrücklich genannt. In dem Text ist jedoch von der Wahrung der territorialen Integrität und der Souveränität des Libanons die Rede. Das iranische Militärkommando drohte darüber hinaus mit weiteren Maßnahmen, falls Israels Armee ihre Einsätze im Libanon fortsetzt.
US-Militär: Freiheit der Schifffahrt wird durchgesetzt
Das US-Militär reagierte wenig später und erklärte, der Schiffsverkehr durch die Meerenge habe am Samstag sogar zugenommen. Nach Angaben des zuständigen Regionalkommandos Centcom passierten 55 Schiffe die Straße von Hormus, darunter Transporte mit insgesamt 17 Millionen Barrel Öl. Die US-Streitkräfte seien weiterhin in dem Gebiet im Einsatz, um die Freiheit der Schifffahrt zu wahren.
Zugleich betonte Centcom, das Militär bleibe vor Ort, um sicherzustellen, dass sämtliche Vereinbarungen des Rahmenabkommens eingehalten, befolgt und vollständig umgesetzt werden.
Teheran verlangt von den USA, Druck auf die israelische Führung auszuüben. Die israelische Armee erklärte hingegen, sie werde auch künftig gegen jede Bedrohung für den Staat Israel und seine Soldaten vorgehen. Die Hisbollah teilte mit, sie halte zwar an der Waffenruhe fest, werde aber jedem Versuch entgegentreten, weiteres Gebiet einzunehmen.
Wichtige Handelsroute
Für Teheran ist die Einbeziehung des Libanons in die Einigung mit den USA Teil einer neuen Sicherheitsdoktrin. Das sagte der Nahost-Experte und Professor für Islamwissenschaft an der Hebräischen Universität Jerusalem, Simon Wolfgang Fuchs, der dpa. Demnach sollen die Schicksale Teherans und Beiruts strategisch enger miteinander verknüpft werden. Iran habe demnach auch angedroht, ein endgültiges Abkommen erst dann zu unterzeichnen, wenn Israel sich aus dem Südlibanon zurückzieht.
Der Iran hatte die Straße von Hormus nach Kriegsbeginn am 28. Februar bereits weitgehend blockiert. Durch die Meerenge werden rund 20 Prozent des weltweiten Energiehandels abgewickelt. Weil sie der einzige Zugang zum Persischen Golf und damit zu mehreren arabischen Golfstaaten ist, verfügt Teheran dort über erheblichen geopolitischen Druck. Die frühere Schließung machte die Verwundbarkeit globaler Lieferketten sichtbar und hatte deutliche Folgen für die internationalen Energiemärkte.
Wann die erste offizielle Gesprächsrunde nach dem Rahmenabkommen tatsächlich beginnt, ist den Berichten zufolge weiterhin unklar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion