Viele Beschäftigte in Deutschland ziehen einen beruflichen Wechsel ins Ausland in Betracht. Das geht aus einer Befragung des Instituts Appinio hervor, die im Auftrag des Jobportals Indeed durchgeführt wurde. Demnach kann sich rund zwei Drittel der Arbeitnehmer vorstellen, auch außerhalb Deutschlands zu arbeiten. Etwa ein Drittel hat sich dazu bereits konkret informiert. Besonders beliebt sind dabei die USA, Großbritannien und die Schweiz, wobei das Interesse an den Vereinigten Staaten zuletzt nachgelassen haben soll.
Signale ernst nehmen und Arbeitsstandort stärken
Indeed-Ökonomin Virginia Sondergeld wertete die Ergebnisse auch als Hinweis auf Unzufriedenheit mit den Bedingungen in Deutschland. Wenn zwei Drittel der Beschäftigten mit einem Weggang liebäugelten, müsse das als Warnsignal verstanden werden, sagte sie. Zugleich sei internationale Mobilität grundsätzlich positiv zu bewerten. Politik und Unternehmen müssten nun den Austausch mit Beschäftigten suchen, bessere Arbeitsbedingungen schaffen und neue Anreize setzen, damit qualifizierte Fachkräfte gute Gründe hätten, in Deutschland zu bleiben.
Besonders groß ist die Bereitschaft zu einem Auslandsjob bei Besserverdienenden. In der Gruppe mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 6.000 Euro hat etwa die Hälfte bereits Bewerbungen im Ausland eingereicht oder sondiert aktiv den dortigen Arbeitsmarkt. Allerdings plant die Mehrheit keinen dauerhaften Abschied: Viele können sich eher einen begrenzten Aufenthalt von einigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren vorstellen.
Einkommen, Lebensqualität und geringere Abgaben als Hauptgründe
Der Wunsch nach besseren Karrierechancen spielt bei den Auslandsplänen nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich rund ein Viertel der Befragten nannte Aufstiegsmöglichkeiten als Motiv. Wichtiger sind demnach eine attraktivere Bezahlung und eine höhere Lebensqualität, was jeweils von mehr als der Hälfte angegeben wurde. Zudem hoffen über 40 Prozent auf niedrigere Steuern und Abgaben.
Für die Untersuchung befragte Appinio zwischen dem 8. und 11. Mai 2026 insgesamt 1.000 Erwerbstätige in Deutschland im Alter von 16 bis 66 Jahren. Die Hälfte der Teilnehmenden war weiblich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion