Pistorius sichert volle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr-Brigade in Litauen bis Ende 2027 zu
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat zugesichert, dass die dauerhaft in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 mit 4.800 Soldatinnen und Soldaten bis Ende 2027 voll einsatzfähig sein wird. Bei seinem Besuch der ersten Übung des Großverbandes in Pabrade nahe der Grenze zu Belarus stellte er klar, dass für ihn die Einsatzbereitschaft höchste Priorität hat.
Zugleich kündigte Pistorius an, notfalls auch Soldaten für den Dienst an der Nato-Ostflanke zu verpflichten, falls sich in bestimmten Spezialverwendungen nicht genug Freiwillige melden. Vor seiner Reise hatte er im ARD-Interview erklärt, man gehe derzeit davon aus, dass 90 bis 95 Prozent des Personals wahrscheinlich freiwillig nach Litauen gehen werden.
Erste Brigade-Übung auf litauischem Boden
Anlass der Reise war die erste Übung der Panzerbrigade 45 auf litauischem Boden. An der Nato-Übung „Freedom Shield 2026“ auf dem Truppenübungsplatz Pabrade nehmen rund 2.900 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 800 Fahrzeuge aus acht Bündnisstaaten teil. 2.300 Militärangehörige kommen aus Deutschland. Das Übungsgelände liegt nur rund 20 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt.
Pistorius verfolgte die Übung gemeinsam mit dem Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, von einem Boxer-Radpanzer aus. Dabei trug er Flecktarn-Jacke, Sonnenbrille und Kopfhörer. Geübt wurde der Kampf gegen feindliche Kräfte unter anderem mit Kampfpanzern, Kampfjets und Hubschraubern. Der Minister zeigte sich beeindruckt und sprach von einem klaren Signal der Stärke und Entschlossenheit des Bündnisses.
Stationierung als Antwort auf die Bedrohung durch Russland
Die Bundesregierung hatte die Verlegung der Brigade nach Litauen als Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch Russland zugesagt. Das Vorhaben gilt als zentraler Beitrag zur Stärkung der Nato-Ostflanke und soll der Abschreckung und Verteidigung des Bündnisgebiets dienen.
Die Brigade soll künftig aus 4.800 Soldaten bestehen und von 200 zivilen Beschäftigten unterstützt werden. Derzeit sind rund 1.800 Angehörige der Bundeswehr in Litauen stationiert.
Dauerhafte Auslandsstationierung ist ein Novum
Mit dem Aufbau der Brigade betritt die Bundeswehr Neuland. Anders als bei bisherigen Auslandseinsätzen geht es diesmal um die dauerhafte Stationierung eines Großverbandes im Ausland.
Bislang seien nach Angaben von Pistorius alle Kräfte freiwillig an die Nato-Ostflanke gegangen. Engpässe erwartet der Minister jedoch vor allem in Spezialbereichen wie Technik, Logistik und der ABC-Abwehr. Dort sei der Kreis möglicher Kandidatinnen und Kandidaten deutlich kleiner als bei Kampftruppen.
Wenn Freiwillige in diesen Bereichen nicht ausreichen, sollen zunächst Personalgespräche geführt werden. Reicht auch das nicht aus, könne am Ende eine Verpflichtung ausgesprochen werden.
Freuding: Ende 2027 einsatzbereit, Punkt
Heeresinspekteur Christian Freuding machte in Pabrade ebenfalls deutlich, dass eine Armee nicht allein auf Freiwilligkeit beruhe und Soldaten solche Verpflichtungen kennen. Die Bundeswehr werde sicherstellen, dass die benötigten Kräfte ihre Mission zur richtigen Zeit am richtigen Ort erfüllten. Litauen könne sich darauf verlassen, dass die Brigade Ende 2027 einsatzbereit sei.
Militärstandort Rudninkai wird im Eiltempo ausgebaut
Hauptstandort der Brigade wird Rudninkai nahe der Grenze zu Belarus. Die Kaserne entsteht in einem Waldgebiet, das Litauen im Mai 2022, kurz nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine, per Sondergesetz zum Truppenübungsplatz erklärt hatte. Rund 35 Kilometer von Vilnius entfernt wächst dort nahe einem kleinen Dorf eine komplette Militärstadt für die deutschen Kräfte heran.
Nur etwa 1,5 Kilometer vom Ortszentrum der rund 500 Einwohner zählenden Gemeinde entfernt entstehen Kasernen, Waffen- und Munitionsdepots, Logistikflächen sowie Hallen für Unterbringung und Wartung von Panzern und anderen Gefechtsfahrzeugen.
Beim größten Militärinfrastrukturprojekt in der Geschichte Litauens laufen die Arbeiten auf Hochtouren, erste Bauten stehen bereits. Die Regierung in Vilnius versichert, dass die von litauischer Seite finanzierte militärische und zivile Infrastruktur rechtzeitig bereitstehen werde. Nach litauischen Angaben liegt das Projekt sogar mehrere Monate vor dem Zeitplan. Verteidigungsminister Robertas Kaunas betonte nach seinem Treffen mit Pistorius erneut, Litauen werde alles Notwendige für die deutschen Soldaten schaffen.
Große Zustimmung in Litauen
Dass künftig voraussichtlich rund 5.000 Bundeswehrangehörige dauerhaft mit ihren Familien nach Litauen kommen, wird in dem Ostseestaat mit großer Zustimmung aufgenommen. Die deutsche Brigade genießt dort nicht nur laut Umfragen breite Sympathie. Selbst in einem litauischen Schulbuch wird ihr Beitrag zur Sicherheit des Landes bereits erwähnt.
Wie groß die Wertschätzung ist, zeigte sich auch beim Aufstellungsappell im Mai 2025 auf dem Kathedralenplatz in Vilnius. Tausende Menschen verfolgten die Zeremonie, die auch live im litauischen Fernsehen übertragen wurde. Daran nahm auch Bundeskanzler Friedrich Merz teil. Seine Worte zu den gemeinsamen Sicherheitsinteressen beider Länder wurden im Dezember 2025 an der Fassade des historischen Rathauses verewigt:
„Die Sicherheit Litauens ist auch unsere Sicherheit. Der Schutz von Vilnius ist der Schutz von Berlin.“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion