Iran

Iran-USA-Gespräche starten: Darauf hofft Vance

Showdown in der Schweiz: USA und Iran ringen heute um Atomdeal und Libanon-Waffenruhe – kommt jetzt der Durchbruch?

21.06.2026, 04:59 Uhr

Überschattet von den anhaltenden Kämpfen zwischen Israels Armee und der libanesischen Hisbollah beginnen heute in der Schweiz hochrangige Gespräche zwischen den Kriegsgegnern USA und Iran. Im Mittelpunkt steht die Konkretisierung des in der vergangenen Woche vereinbarten Rahmenabkommens zur Beendigung des Iran-Kriegs. Eine endgültige Vereinbarung, die auch den Umgang mit dem umstrittenen iranischen Atomprogramm regeln soll, muss dem Abkommen zufolge innerhalb von 60 Tagen ausgehandelt werden.

Spannungen wegen der Lage im Libanon

Vor allem die jüngsten Gefechte im Libanon hatten das Verhältnis zwischen Washington und Teheran zuletzt erneut belastet. Der Iran kündigte deshalb am Samstag die Schließung der Straße von Hormus an. Die strategisch wichtige Meerenge war nach dem Rahmenabkommen gerade erst schrittweise wieder für den Schiffsverkehr geöffnet worden.

Vance erwartet Fortschritte

Zu den Verhandlungen im Luxusresort Bürgenstock bei Luzern werden neben Delegationen aus den USA und dem Iran auch Vertreter der Vermittlerstaaten Pakistan und Katar erwartet. Für die Vereinigten Staaten ist Vizepräsident JD Vance angereist. Vor seinem Abflug zeigte er sich vorsichtig optimistisch. Er hoffe auf Fortschritte sowohl in der Atomfrage als auch bei einer Waffenruhe im Libanon, sagte Vance.

Nach seinen Angaben halten sich zudem Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, und der US-Sondergesandte Steve Witkoff bereits in der Schweiz auf. Beide kümmerten sich um technische Details der Gespräche. Vance sagte außerdem, nach seinem Eindruck liefen die Dinge gut. Er werde jedoch nur kurz vor Ort sein und könne lediglich ein oder zwei Tage in der Schweiz bleiben.

Auf iranischer Seite sollen unter anderem Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf als Verhandlungsführer und Außenminister Abbas Araghtschi teilnehmen. Aus Pakistan wird unter anderem Premierminister Shehbaz Sharif erwartet. Wie lange die Gespräche auf Ebene der Spitzenvertreter dauern, war zunächst offen. Denkbar ist, dass nach einem ersten Auftakt Arbeitsgruppen für einzelne Themen eingesetzt werden, die anschließend auf niedrigerer Ebene weiterverhandeln.

Eigentlich war bereits für Freitag eine erste Gesprächsrunde in der Schweiz vorgesehen. Diese kam jedoch wegen der wechselseitigen Angriffe zwischen Israels Armee und der proiranischen Hisbollah nicht zustande.

Trump droht mit US-Maut in der Straße von Hormus

Das separat am Mittwochabend unterzeichnete Abkommen sieht unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus und das Ende der US-Seeblockade vor. Außerdem darf der Iran während der 60-tägigen Verhandlungsphase keine zuvor angedrohten Durchfahrtsgebühren erheben. Nach Angaben aus Pakistan trat die Vereinbarung mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Nach der erneuten Sperrung der Meerenge drohte Trump am Abend seinerseits mit einer US-Maut. Sollte kein endgültiges Friedensabkommen zustande kommen, könnten sich die Vereinigten Staaten ihre Rolle als „Schutzengel“ der Region bezahlen lassen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.

Die USA hatten den Iran Ende Februar gemeinsam mit Israel angegriffen und damit den Krieg begonnen. Seit Anfang April galt zuletzt eine Waffenruhe, in deren Verlauf es nur noch vereinzelt zu Angriffen kam. Israel ist an den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran nicht beteiligt.

Kämpfe im Libanon gehen trotz Feuerpause weiter

Trotz einer erneuten Waffenruhe im Libanon, die seit Freitagnachmittag gilt, dauerten die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah auch am Wochenende an. Das verschärfte die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zusätzlich. Teheran erklärte daraufhin, die Straße von Hormus erneut für sämtliche Schiffe geschlossen zu haben. Der Iran fordert die Einhaltung der Waffenruhe sowie den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon.

Das US-Militär widersprach dieser Darstellung und erklärte, der Schiffsverkehr durch die Meerenge laufe weiter. Demnach hätten 55 Schiffe, darunter Transporte mit insgesamt 17 Millionen Barrel Öl, die Passage passiert. Laut einem Bericht der „New York Times“ war dies die höchste Zahl an Schiffen seit der Sperrung kurz nach Kriegsbeginn.

Libanesische Medien meldeten am Samstag zahlreiche israelische Luftangriffe mit mindestens 35 Todesopfern. Am Sonntagmorgen berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA zudem von sieben weiteren Toten bei erneuten israelischen Luftangriffen im Südlibanon. Israel und die Hisbollah geben sich gegenseitig die Schuld an den Gefechten und an Verstößen gegen die Feuerpause.

Bereits am Freitag waren nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 83 Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen.

Gegenseitige Vorwürfe der Konfliktparteien

Die israelische Armee wirft der Hisbollah vor, die Feuerpause wiederholt verletzt zu haben. Als Reaktion seien Raketenstellungen, Waffenlager und Kommandozentralen der Miliz angegriffen worden. Die Hisbollah erklärte dagegen, sie habe auf ein Vorrücken israelischer Truppen reagiert. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Der Iran fordert von den USA, Druck auf die israelische Führung auszuüben. Die israelische Armee betonte hingegen, sie werde weiterhin gegen jede Bedrohung für Israel und seine Soldaten vorgehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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