Iran

Hormus: Schiffsverkehr bleibt auffällig verhalten

Nach dem Hormus-Stillstand wegen Irans Drohungen: Bringt der Deal mit den USA jetzt die große Rückkehr der Schiffe?

18.06.2026, 14:47 Uhr

Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bleibt vorerst gering

Trotz des inzwischen unterzeichneten Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran ist auf der Straße von Hormus bislang keine deutliche Belebung des Schiffsverkehrs zu erkennen. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) bleibt die Zahl der registrierten Passagen weiterhin ungewöhnlich niedrig. Ein Sprecher erklärte, dass normalerweise pro Tag mehr als 100 Schiffe die wichtige Meerenge passieren, zuletzt seien jedoch meist nur einstellige oder niedrige zweistellige Transitwerte erfasst worden.

Der maritime Datendienst Windward berichtete am Vormittag auf X, aktuell befänden sich sieben Frachtschiffe in der Passage, weitere näherten sich aus dem Persischen Golf. Auch der Datenanbieter Kpler meldete bis zum frühen Donnerstagnachmittag lediglich vier Durchfahrten.

Zahlen der UN-Schifffahrtsorganisation IMO deuten immerhin auf einen vorsichtigen Anstieg hin. Laut einer bis Dienstag reichenden Übersicht wurden an diesem Tag etwa 15 Passagen geschätzt. Kpler registrierte für Dienstag 14 Durchfahrten, am Mittwoch dann noch sechs.

Dass die Zahl der erfassten Transite weiter niedrig ausfällt, hängt Fachleuten zufolge auch mit der Erfassung selbst zusammen. Phillip Belcher vom internationalen Tankerverband Intertanko sagte, dass Schiffe die Straße von Hormus aus Sicherheitsgründen vor allem nachts im Norden und Süden der Meerenge passieren, also abseits der üblichen, autobahnähnlichen Route. Zudem würden dabei Positionsdaten teils nicht mehr übermittelt.

Das Abkommen zwischen Washington und Teheran sieht vor, die wechselseitigen Sperren der Meerenge für die Schifffahrt aufzuheben. Wie genau die Vereinbarung umgesetzt werden soll, ist bislang jedoch noch offen.

Hapag-Lloyd wartet auf sichere Bedingungen

Der Hamburger Containerreeder Hapag-Lloyd teilte mit, dass vier Charterschiffe im Persischen Golf derzeit auf eine mögliche Passage vorbereitet würden. Das Unternehmen betonte jedoch, man werde die Meerenge erst dann befahren, wenn die Sicherheitslage dies zulasse. Einen konkreten Zeitpunkt nannte Hapag-Lloyd nicht. Zunächst solle geprüft und beobachtet werden, wie das Abkommen zwischen den USA und dem Iran praktisch umgesetzt werde.

Rückkehr zur Normalität könnte Zeit brauchen

Fachleute gehen davon aus, dass sich die Lieferketten für Energieprodukte aus der Golfregion nicht sofort normalisieren werden. Auch bei einer Öffnung der Route könnten beschädigte Produktionsanlagen sowie eine zunächst abwartende Haltung der Versicherer die Lage weiter belasten.

Zu Beginn des Kriegs mit Israel und den USA hatte der Iran die Straße von Hormus durch Angriffe und Drohungen für die internationale Schifffahrt faktisch blockiert. Die USA reagierten später mit einer eigenen Seeblockade gegen Schiffe mit Verbindung zu iranischen Häfen. Da China als wichtigster Abnehmer iranischen Öls gilt, könnte eine Aufhebung der US-Blockade dem Iran rasch wieder bedeutende Einnahmen verschaffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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