Iran

Allianz warnt: 1.000 Schiffe im Persischen Golf blockiert

Deal zwischen USA und Iran – und trotzdem kein Ausweg: Warum für Hunderte Schiffe im Persischen Golf der Albtraum weitergeht

24.06.2026, 00:01 Uhr

Rund 1.150 Schiffe sitzen weiter im Persischen Golf fest

Trotz des Rahmenabkommens zur Beendigung des Iran-Kriegs steckt der Schiffsverkehr im Persischen Golf nach Einschätzung der Allianz weiter fest. Der Versicherungskonzern geht davon aus, dass noch immer etwa 1.150 Schiffe in der Region blockiert sind. Den Wert von Schiffen und Ladung beziffert der größte deutsche Versicherer auf rund 125 Milliarden US-Dollar. Selbst wenn sich die Lage entspannen sollte, dürfte es Wochen dauern, bis sich der Rückstau vollständig aufgelöst hat.

„Die Schifffahrt ist in diesem Konflikt faktisch zur Geisel geworden“, sagte Justus Heinrich, leitender Experte für Schiffsversicherungen bei Allianz Commercial.

Abkommen zwischen USA und Iran beseitigt die Unsicherheit nicht

Der Iran hatte am Wochenende erneut mit einer Sperrung der Straße von Hormus gedroht. Als Begründung verwies Teheran auf aus seiner Sicht gebrochene Zusagen zur Waffenruhe im Südlibanon. Nach Angaben von Allianz sorgt das weiterhin für erhebliche Unsicherheit in der Seeschifffahrt.

Heinrich sagte, weder die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) noch deutsche Reeder könnten das Risiko für Besatzungen und Schiffe derzeit verlässlich einschätzen. Solange das so sei, bleibe der Verkehr stark eingeschränkt.

Iran behält großen Einfluss auf die Lage

Besonders brisant ist die Bedeutung der Straße von Hormus für den Welthandel: Nach Allianz-Angaben laufen dort zwischen 20 und 25 Prozent des globalen Handels mit Öl und Flüssiggas durch. Damit habe der Iran einen erheblichen Hebel, sagte Heinrich. Letztlich liege die Kontrolle über die Lage für die Schifffahrt in weiten Teilen in Teheran.

Er verwies zudem auf die neue iranische Verwaltungsbehörde für den Persischen Golf und die Straße von Hormus (PGSA). Diese soll demnach die Versicherung von Schiffen in der Meerenge überwachen oder bestätigen. Die von den USA empfohlene Route entlang der omanischen Küste könnte nach derzeitiger iranischer Lesart als Regelverstoß gewertet werden – mit unabsehbaren Folgen.

Abbau des Rückstaus dürfte lange dauern

Auch bei einer Stabilisierung der Lage wäre die Blockade nicht rasch beendet. Heinrich zufolge würde es sicher mehrere Wochen dauern, bis alle festsitzenden Schiffe die Straße von Hormus passiert hätten. Laut einem BBC-Bericht haben seit dem 18. Juni, also seit dem Tag nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens, nur 170 Schiffe die Meerenge durchquert.

Vor den Angriffen der USA und Israels auf den Iran fuhren nach Allianz-Angaben täglich rund 140 Schiffe durch die Straße von Hormus. Hinzu kommen praktische Probleme: Viele Schiffe müssten zunächst technisch überprüft werden, weil Hauptmaschinen länger stillstanden oder Ersatzteile fehlen könnten. Zudem müssten zahlreiche Einheiten erst wieder mit Treibstoff versorgt werden.

Auch im Suezkanal bleibt der Verkehr deutlich reduziert

Nicht nur im Persischen Golf, auch auf der wichtigen Route durch das Rote Meer und den Suezkanal bleibt die Lage angespannt. Nach Angaben des Allianz-Experten ist der Verkehr auf der kürzesten Verbindung zwischen Ostasien und Europa weiterhin stark gestört.

Grund dafür sind die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen, die seit Beginn des Gaza-Kriegs im Herbst 2023 immer wieder Schiffe bedrohen. Viele Reedereien weichen deshalb weiterhin auf den deutlich längeren Weg rund um Afrika aus. Nach den Worten von Heinrich passieren derzeit rund 80 Prozent weniger Schiffe den Suezkanal.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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