Der Zugverkehr der Deutschen Bahn ist nach der bundesweiten Störung am Dienstagabend inzwischen wieder weitgehend angelaufen. Ausgelöst wurde der vorübergehende Stillstand nach Informationen aus Sicherheitskreisen vermutlich durch ein fehlerhaftes Software-Update im digitalen Bahnfunk GSM-R. Hinweise auf einen Cyberangriff gibt es nach dpa-Informationen nicht.
Die Deutsche Bahn hatte den Verkehr im gesamten Bundesgebiet aus Sicherheitsgründen zeitweise gestoppt. Die Störung im Bahnfunk sorgte am Dienstagabend für rund zwei Stunden Stillstand. Betroffen waren nicht nur Fern- und Regionalzüge der DB, sondern in mehreren Städten auch S-Bahnen, Privatbahnen sowie der Güterverkehr. In Berlin wurde das komplette S-Bahn-Netz vorübergehend eingestellt, in Stuttgart standen alle S-Bahnen zunächst an den Bahnsteigen. Auch der Nahverkehrsanbieter Metronom meldete Auswirkungen auf sämtliche Strecken.
Nach Angaben des bundeseigenen Konzerns war die Störung kurz nach Mitternacht behoben. IT-Experten der Bahn arbeiteten demnach pausenlos an der Entstörung. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder, am frühen Morgen lief der Verkehr dann Schritt für Schritt an. Die Bahn dankte den Reisenden für ihre Geduld.
Für manche Reisende wurde es eine sehr lange Nacht
Für zahlreiche Fahrgäste bedeutete die Störung zunächst vor allem: warten. Viele Züge konnten unterwegs nicht weiterfahren. DB-Chefin Evelyn Palla hatte in der Nacht erklärt, man bemühe sich, betroffene Züge in Bahnhöfe zu bringen, damit Reisende aussteigen können.
Wie lang die Folgen im Einzelfall spürbar waren, zeigte sich am Morgen in Berlin: Ein Fahrgast namens Cziczi berichtete am Hauptbahnhof, er und seine Freunde hätten mehr als elf Stunden im ICE verbracht. Sie seien am Dienstagabend in Mannheim eingestiegen, hätten eigentlich um 1.54 Uhr in Berlin ankommen sollen und seien erst um 7.38 Uhr angekommen. Das Zugpersonal habe die Reisenden zwar informiert, was genau hinter der Störung steckte, hätten sie aber letztlich erst über eine kurze Google-Suche erfahren.
Für Cziczi und seine Freunde ging es nach der Ankunft direkt weiter zum Fusion-Festival an die Mecklenburgische Seenplatte. Trotz der strapaziösen Nacht zog der 29-Jährige ein gelassenes Fazit: Es sei „interessant auf jeden Fall“ gewesen.
Am Morgen vielerorts nur noch begrenzte Auswirkungen
An vielen großen Bahnhöfen war am Mittwochmorgen von der massiven Störung schon nicht mehr viel zu spüren. Am Berliner Hauptbahnhof blieb die Lage nach Reporterbeobachtungen vergleichsweise entspannt, überfüllte Bahnsteige oder chaotische Szenen blieben aus. Gegen 7 Uhr gab es dort nur noch einzelne Ausfälle. Ein Reisender, der von Berlin nach Baden-Württemberg wollte, sagte, er habe von dem nächtlichen Ausfall gar nichts mitbekommen.
Ein Mitarbeiter am Serviceschalter berichtete zwar von viel Betrieb in der Nacht. Seit Beginn seiner Schicht um 5.30 Uhr sei es aber relativ ruhig gewesen, auch wenn sich einzelne Reisende weiter nach Ausfällen und Verspätungen erkundigt hätten.
Auch in Karlsruhe zeigte sich am Morgen ein weitgehend normaler Betrieb. Vor dem DB-Infocenter bildeten sich keine langen Schlangen, stattdessen standen mehr Menschen an den Bäckerei-Ständen. Laut Anzeigetafel hatte dort nur ein Zug größere Verspätung.
In Nordrhein-Westfalen lief der Bahnverkehr ebenfalls wieder weitgehend normal. Am Duisburger Hauptbahnhof waren einige Züge leicht verspätet, nennenswerte Ausfälle gab es aber kaum. Eine Pendlerin sagte, es laufe „wie immer“ – von der nächtlichen Störung habe sie zunächst gar nichts gewusst.
In Köln und Düsseldorf lief der Betrieb laut dpa-Reportern normal. In Köln gab es lediglich vereinzelt Verspätungen von bis zu 15 Minuten und nur sehr wenige Zugausfälle. In Dortmund waren am Morgen noch einzelne ICE aus der Nacht mit mehreren Stunden Verspätung unterwegs, der Regionalverkehr startete dort jedoch ohne größere Probleme.
Angriff gilt weiter als sehr unwahrscheinlich
Die Deutsche Bahn hatte die Ursache der Störung zwischenzeitlich nach eigenen Angaben identifiziert, zunächst aber keine Details genannt. Inzwischen heißt es aus Sicherheitskreisen, ein fehlerhaftes Software-Update gelte als wahrscheinlicher Auslöser. Einen gezielten Angriff hatte die Bahn demnach schon früh für sehr unwahrscheinlich gehalten.
Trotz der inzwischen behobenen Störung kann es weiterhin vereinzelt zu Folgeverspätungen und kurzfristigen Ausfällen kommen. Insgesamt hat sich der Bahnverkehr am Morgen nach dem bundesweiten Ausfall jedoch in vielen Regionen deutlich stabilisiert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber