Polizeieinsatz am Frankfurter Hauptbahnhof: Mann nach Schuss verletzt
Nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs hat die Polizei auf einen Mann geschossen und ihn dabei verletzt. Nach Angaben eines Polizeisprechers war dem Schusswaffengebrauch ein Angriff auf einen Beamten vorausgegangen. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) erklärte, der Mann habe zuvor einen Polizisten attackiert und dabei verletzt.
Zeugen berichteten am Nachmittag gegen 16 Uhr von mehreren Schussgeräuschen. Kurz darauf sei ein Mann am Boden medizinisch versorgt worden. Der Vorfall spielte sich am Kaisertor ab, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Der Verletzte war ansprechbar und wurde später mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.
Angriff bei Polizeikontrolle
Nach Angaben des LKA kam es während einer Polizeikontrolle im Bereich des Kaisertors zu dem Angriff. Demnach soll der Mann einen Beamten mit einem spitzen Gegenstand angegriffen und verletzt haben. Daraufhin habe der Polizist seine Dienstwaffe eingesetzt.
Der mutmaßliche Angreifer wurde anschließend von weiteren Einsatzkräften erstversorgt. Angaben zu seiner Identität machten die Behörden zunächst nicht. Die Ermittlungen übernahm das Landeskriminalamt, was in Fällen mit Schussabgaben durch Polizeibeamte üblich ist.
Bereich abgesperrt, Straßenbahnverkehr unterbrochen
Zum Zeitpunkt des Vorfalls lief im Bahnhofsviertel eine weitere der inzwischen regelmäßigen Kontrollaktionen der Polizei. Der Bereich um den Einsatzort wurde abgesperrt. Auch der Straßenbahnverkehr über den Bahnhofsvorplatz war vorübergehend eingestellt. Zu den genauen Hintergründen des Geschehens lagen zunächst noch keine abschließenden Informationen vor.
Bahnhofsviertel weiter im Fokus
Das Frankfurter Bahnhofsviertel steht seit Längerem wegen der offenen Drogenszene im Mittelpunkt verstärkter Polizeimaßnahmen. Seit dem Start der sogenannten Innenstadtoffensive im Februar 2024 gab es dort bereits mehr als 50 Kontrollaktionen. Ziel der Landesregierung ist es, die Sicherheitslage in dem Viertel zu verbessern.
Anwohner und Geschäftsleute beklagen die Zustände dort seit geraumer Zeit. Für Freitag ist ein hochrangiges Gespräch zwischen Vertretern des Landes und der Stadt angesetzt, um über die Situation im Viertel zu beraten.
Poseck verteidigt Vorgehen der Polizei
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) äußerte sich am Abend zu dem Einsatz und erklärte, nach seiner ersten Einschätzung habe die Polizei ruhig und professionell gehandelt. Der Einsatz von Schusswaffen durch Polizeibeamte könne in besonderen Lagen notwendig sein, auch zum Schutz der Einsatzkräfte selbst.
Bereits im Mai hatte Poseck die Zustände im Bahnhofsviertel als alarmierend und nicht hinnehmbar bezeichnet. Zudem hatte er der Stadt Frankfurt einen widersprüchlichen Kurs vorgeworfen und kritisiert, dass die bisherige Drogenpolitik die Anziehungskraft des Viertels auf Crack-Abhängige verstärkt habe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber