Hamburg

Block-Kinder zurück – feierte der Entführer mit?

Er steuerte wohl das Fluchtauto im Block-Fall: Jetzt packt ein Zeuge aus Israel per Video aus – und verrät sein Motiv.

29.06.2026, 11:32 Uhr

Zum ersten Mal ist im Prozess um die Rückholung zweier Block-Kinder vor dem Landgericht Hamburg ein Zeuge per Video vernommen worden. Der 42 Jahre alte Israeli, der in der Silvesternacht 2023/24 nach eigenen Angaben als Fahrer beteiligt war, sagte aus dem Büro seines Anwalts in Israel aus. Nach seiner Darstellung hielt er den Einsatz damals für eine legale Rettungsaktion.

Zeuge: Er glaubte an eine rechtmäßige Rettung

Der Mann, der sich selbst als Projektmanager aus Israel bezeichnete, erklärte, ihm sei gesagt worden, es gehe darum, die Kinder zu retten. Organisiert worden sei die Aktion demnach von David Barkay, dem Chef der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupola. Barkay habe vermittelt, die Rückholung der Kinder vom "grausamen Vater" in Dänemark zur Mutter Christina Block nach Hamburg sei nach deutschem Recht legal. Angeblich hätten mehrere Anwälte das bestätigt. Zudem sei dem Team ein Dokument gezeigt worden.

Gleichzeitig habe es aber das Gefühl gegeben, dass es eine "gewisse graue Zone" gebe, weil die Entscheidung wohl nicht in Dänemark gegolten habe, sagte der Zeuge.

"Das Gefühl war sehr gut"

Nach seiner Aussage saßen der damals zehnjährige Junge und seine 13 Jahre alte Schwester in dem Fahrzeug, das er steuerte. Die beiden Kinder seien später in Süddeutschland an ihre Mutter übergeben worden. "Christina hat sich bedankt bei uns", berichtete der Zeuge. Sie habe gesagt, dass sie ihre Kinder lange nicht gesehen habe. Das habe das Team sehr bewegt.

Anschließend sei er nach Israel zurückgeflogen. Im Flugzeug habe er eine Flasche Wein bestellt, um zu feiern, dass die Kinder gerettet worden seien. Rückblickend habe er sich damals sehr gut gefühlt. Erst später habe er erfahren, dass die Hintergründe offenbar anders gewesen seien als zuvor dargestellt.

Richterin fragt zu Ablauf und Widerstand nach

Die Staatsanwaltschaft wertet die Aktion als Entführung. Nach ihrer Darstellung wurden die Kinder beim Beobachten des Silvesterfeuerwerks in ein Auto gezwungen und nach Deutschland gebracht. Laut Anklage leisteten sowohl der Vater als auch die Kinder Widerstand. Dazu äußerte sich der Zeuge nicht näher. Er sagte, er habe aus seiner Position nicht sehen können, was mit dem Vater geschehen sei. Beim Fahren habe er zudem so konzentriert sein müssen, dass er Reaktionen der Kinder nicht wahrgenommen habe.

Der 42-Jährige erinnerte sich außerdem daran, dass er – vermutlich auf Anweisung Barkays – das Handy eines der Kinder aus dem Autofenster werfen sollte.

Stopp am Wald machte den Fahrer misstrauisch

Nach eigener Aussage wurde er stutzig, als die Fahrzeuge an einem Wald stoppen sollten, um zu Fuß weiterzugehen. "Die Kinder in einen Wald zu bringen, war mir ganz schön komisch", sagte er. Der Junge und das Mädchen sollten demnach auf deutscher Seite der Grenze in ein Wohnmobil umsteigen, das sie weiter nach Süddeutschland brachte.

Aussage zu möglichem Treffen mit Christina Block

Christina Block ist angeklagt, nach einem langen Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder entführen zu lassen. Die Unternehmerin, Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block, bestreitet die Vorwürfe. Sie beteuert, vorab nichts von konkreten Tatplänen gewusst zu haben, und erklärt, sie sei erst an Neujahr überrascht von der Nachricht gewesen, dass ihre Kinder in Deutschland seien.

Der Zeuge berichtete allerdings – wie andere Israelis zuvor – von einem kurzen Treffen mit Christina Block Ende Dezember in einem Hotel. Sie habe den maskierten Männern mit Tränen in den Augen viel Glück gewünscht. Nach seiner Erinnerung fand das Treffen am 30. Dezember statt, andere Beteiligte hatten vom 28. Dezember gesprochen. Block bestreitet, dass es ein solches Treffen gegeben hat.

Gerhard Delling und weitere Angeklagte

Neben Christina Block ist auch ihr Lebensgefährte Gerhard Delling wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator hat erklärt, nichts Unrechtes getan zu haben. Insgesamt gibt es in dem Verfahren sieben Angeklagte.

10.000 Euro versprochen, 6.000 Euro erhalten

Der Zeuge sagte weiter, Barkay habe ihm für seine Beteiligung an der Aktion mindestens 10.000 Euro versprochen. Tatsächlich habe er am Ende nur 6.000 Euro bekommen. Er und weitere in Israel lebende Beschuldigte hatten sich erst während des laufenden Prozesses gemeldet. Gegen sie könnten später ebenfalls Anklagen erhoben werden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Er habe erst deutlich später erfahren, dass alles anders gewesen sei als behauptet. Auslöser sei die Festnahme eines Teammitglieds Ende September 2024 auf Zypern gewesen. Der 36 Jahre alte Israeli ist bislang der einzige Angeklagte in Untersuchungshaft.

Hintergrund des Sorgerechtsstreits

Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter zog nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zum Vater nach Dänemark. Wenige Wochen später brachte Hensel die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch nicht wie vereinbart nach Hamburg zurück.

Hensel erhob Gewaltvorwürfe gegen Block, die diese als falsch zurückweist. Nach Darstellung der 53-Jährigen habe der Vater die Kinder manipuliert. Zu ihrem Sohn und ihren beiden Töchtern in Dänemark hat sie nach eigenen Angaben keinen Kontakt. Die zweitälteste Tochter blieb bei ihr in Hamburg.

Die Vernehmung des mutmaßlichen Fahrers soll am Dienstag fortgesetzt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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