Hamburg

Polizistin soll schweigen? Zoff im Block-Prozess

Im Block-Prozess eskaliert die Befragung der Hauptermittlerin – warum die Zeugin zu brisanten Nebenfällen schweigen muss.

25.06.2026, 11:28 Uhr

Die Hauptermittlerin im Prozess gegen Christina Block hat die Aussagen der beiden betroffenen Kinder zur mutmaßlichen Entführung in der Silvesternacht 2023/24 vor dem Landgericht Hamburg als glaubhaft bewertet. „Es wirkte glaubhaft, was die Kinder erzählt haben“, sagte die 44-jährige Kriminalbeamtin mit Blick auf die polizeilichen Vernehmungen.

Zuvor hatte die Verteidigung wissen wollen, ob der Ermittlerin bewusst gewesen sei, dass sich die Kinder möglicherweise in einem Loyalitätskonflikt befunden hätten. Die Beamtin entgegnete, das sei bei Kinderzeugen grundsätzlich ein Thema. Sie habe die Kinder jedoch nicht gefragt, ob sie nach ihrer Rückkehr nach Dänemark von der Seite des Vaters beeinflusst worden seien. Das würde Kinder enorm unter Druck setzen, erklärte sie. Stattdessen habe sie den damals zehnjährigen Jungen und seine 13 Jahre alte Schwester darauf hingewiesen, nur das zu schildern, woran sie sich selbst erinnern. Dem Vater und dessen neuer Ehefrau habe sie zudem gesagt, den Kindern etwa keine Lichtbilder aus den Akten zu zeigen.

Aussage des Sohnes sorgt für Nachfragen

Ein Punkt der Vernehmungen spielte im Gericht besonders eine Rolle: Der Anwalt von Blocks Lebensgefährten Gerhard Delling, David Rieks, verwies auf Unterschiede in den Aussagen des Jungen. Anfang Januar 2024 habe dieser noch nicht sagen können, welche Sprache die mutmaßlichen Entführer gesprochen hätten. In einer späteren, längeren Vernehmung im Oktober 2024 soll er dann gesagt haben, die Männer hätten „Israelisch“ gesprochen. Außerdem habe der Junge geäußert, die Männer hätten alle denselben „Entführungsjob“ gehabt und gehörten zu einer Firma, die seine Mutter engagiert habe.

Ob ihr diese Veränderung aufgefallen sei, wurde die Ermittlerin gefragt. Sie verwies darauf, dass die vielen Nachfragen der Polizei genau zeigten, dass dieser Aspekt aufgefallen sei. Woher der Junge diese Informationen habe, sei aber unklar. Solche Inhalte könnten auf verschiedenen Wegen an ein Kind gelangen, etwa auch über das Fernsehen.

Angeklagte Block beteuert ihre Unschuld

Der Unternehmerin Christina Block wird vorgeworfen, nach einem eskalierten Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder aus dem dänischen Wohnumfeld ihres Ex-Mannes Stephan Hensel entführen zu lassen. Die 53-Jährige, Tochter des „Block House“-Gründers Eugen Block, weist die Anschuldigungen zurück.

In dem Verfahren gibt es insgesamt sieben Angeklagte. Dazu zählt auch Blocks Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling. Nach Darstellung der Anklage wurden die Kinder in der Silvesternacht 2023/24 in ein Auto gezerrt und anschließend zunächst nach Süddeutschland und später nach Hamburg gebracht. Gegen weitere Beschuldigte wird noch ermittelt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Streit um Aussagegenehmigung der Zeugin

Der 59. Verhandlungstag war am Vormittag erneut von einem heftigen Streit um die Aussagegenehmigung der Hauptermittlerin geprägt. Die Verteidigung dringt weiter darauf, dass die Beamtin auch zu parallel laufenden Verfahren in dem gesamten Komplex aussagen darf. An früheren Prozesstagen hatte die Zeugin zahlreiche Fragen mit dem Hinweis nicht beantwortet, dass ihr dafür keine Aussagegenehmigung vorliege.

Man brauche die „Erkenntnisse aus dem Gesamtkomplex“, sagte Rechtsanwältin Gül Pinar, die einen deutschen Sicherheitsunternehmer vertritt. Die Ermittlerin habe den Fall über Jahre begleitet und kenne deshalb auch Ermittlungen gegen weitere Personen, die im aktuellen Verfahren vor dem Landgericht Hamburg nicht angeklagt sind.

Die Strafkammer lehnte es erneut ab, sich bei der zuständigen Behörde für eine Ausweitung der Aussagegenehmigung einzusetzen. Das führte im Gerichtssaal mehrfach zu teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Verfahrensbeteiligten.

Fall mit langer Vorgeschichte

Der Fall reicht deutlich weiter zurück. Im August 2021 soll der Vater die damals bei ihrer Mutter in Hamburg lebenden Kinder nach einem Umgang nicht wie vereinbart zurückgebracht haben. Hensel erhob Gewaltvorwürfe, die Christina Block als unzutreffend zurückweist. Sie wiederum wirft ihrem Ex-Mann vor, die Kinder manipuliert zu haben.

Auch gegen Hensel und seine neue Ehefrau laufen Verfahren – gegen ihn wegen Kindesentziehung, gegen sie wegen Beihilfe. Genau zu diesem Themenbereich darf die Kriminalbeamtin nach bisherigem Stand nicht aussagen. „Zu diesem Verfahren darf ich nichts sagen“, erklärte die Zeugin wiederholt. Blocks Verteidiger Ingo Bott kritisierte das im Gericht scharf und nannte die Situation „völlig absurd“.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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