EU schränkt Bezeichnungen für pflanzliche Fleischalternativen ein
Pflanzliche Alternativen zu Fleisch dürfen in der EU künftig nicht mehr mit bestimmten fleischtypischen Begriffen beworben werden. Die Mitgliedstaaten beschlossen die Regelung in Luxemburg endgültig und folgten damit einer Einigung mit dem Europäischen Parlament. Hersteller und Händler haben nun drei Jahre Zeit, ihre Produktnamen und Vermarktungsstrategien anzupassen. Bereits produzierte Waren dürfen in dieser Übergangszeit weiter abverkauft werden.
Grundsätzlich bleiben bekannte Bezeichnungen für Fleischersatzprodukte zwar weiterhin möglich. Künftig tabu sind jedoch Namen, die sich direkt auf Tierarten, Fleischsorten oder einzelne Teilstücke beziehen. Genannt werden unter anderem Begriffe wie Steak, Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Leber, Kotelett oder Speck. Die Regel gilt auch für im Labor gezüchtete beziehungsweise zellbasierte Produkte. In dem beschlossenen Text wird Fleisch als „genießbare Teile von Tieren“ definiert.
Name „Veggie-Burger“ sollte ursprünglich weg
Im vergangenen Jahr hatten Abgeordnete des Europaparlaments noch deutlich strengere Vorgaben vorgeschlagen. Damals stand im Raum, dass auch Begriffe wie „Tofu-Wurst“, „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Burger“ nicht mehr für vegetarische oder vegane Produkte verwendet werden dürfen. Nach diesen Plänen wären Wörter wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ ausschließlich tierischen Erzeugnissen vorbehalten gewesen. Als Begründung wurden der Schutz von Verbrauchern und Landwirten angeführt.
Vor allem in Deutschland stieß der Vorstoß auf deutliche Kritik. Auch Bundesernährungsminister Alois Rainer hatte bereits im März Vorbehalte gegen die nun beschlossene, abgeschwächte Variante geäußert. Der CSU-Politiker sprach von unnötigem Mehraufwand für die Branche und betonte, Verbraucher seien schlau und mündig. Bei der endgültigen Abstimmung im Rat enthielt sich Deutschland.
Viele Menschen in Deutschland essen die Produkte
Pflanzliche Fleischersatzprodukte gehören inzwischen in vielen deutschen Haushalten fest zum Speiseplan. Das geht aus einer neuen Nachhaltigkeitsstudie des Marktforschungsunternehmens YouGov hervor, die im Auftrag von Rewe erstellt wurde. Besonders häufig greifen jüngere Menschen zu diesen Produkten. Studienautor Robert Kecskes erwartet, dass ihre Bedeutung weiter zunimmt und sie sich noch stärker im Mainstream etablieren. Ein wichtiges Motiv beim Kauf ist oft der Wunsch, weniger Fleisch zu essen.
Nach YouGov-Angaben nahm die Zahl der Haushalte, die sich um eine vegane Ernährung bemühen, bis 2022 deutlich zu. Danach verlor die Entwicklung etwas an Schwung. Kecskes nennt dafür unter anderem den Begriff „Ersatz“, fehlendes Vertrauen in das Versprechen „Gesundheit“ sowie die angestrebte Geschmacksparität mit Fleisch.
Die wichtigste Kundengruppe sind der Studie zufolge Flexitarier, also Menschen, die ihren Fleischkonsum einschränken, aber nicht vollständig darauf verzichten wollen. Wer sich bereits seit langer Zeit vegan ernährt, verspürt dagegen oft weniger Verlangen nach Fleischgeschmack und braucht daher seltener entsprechende Ersatzprodukte.
Deutschland gilt nach Angaben von Wirtschaftsvertretern als größter Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber