Popkultur zeichnet Tüpfelhyänen oft als grausam und verschlagen. Eine neue Studie mit Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin kommt jedoch zu einem ganz anderen Bild: Die Tiere sind äußerst sozial und beherrschen Konfliktvermeidung erstaunlich gut.
Den Forschenden zufolge verfügen Tüpfelhyänen über ein komplexes Sozialleben. Sie kommunizieren mit einer differenzierten Mischung aus Mimik und Lauten. Laut Studie ist diese Form der Verständigung in ihrer Genauigkeit mit der vieler Primaten vergleichbar.
Offener Fang als Friedenssignal
Für die Untersuchung wurden Tüpfelhyänen in Tansania und Südafrika in freier Wildbahn beim Spielen beobachtet. Dabei zeigte sich: Das sogenannte entspannte offene Maul („relaxed open mouth“ oder kurz ROM) ist das wichtigste Signal, um friedliche Absichten zu vermitteln.
Besonders häufig setzen die Tiere dieses Zeichen beim Spiel zu zweit ein, wenn sie sich direkt ansehen können. Sobald mehrere Hyänen beteiligt sind und nicht sicher ist, dass alle das Signal sehen, kommen zusätzliche spieltypische Laute hinzu. So können alle Tiere die friedliche Absicht wahrnehmen, erklärte Mitautor Oliver Höner vom Leibniz-IZW.
Viele Laute im Repertoire
Insgesamt dokumentierte das Forschungsteam 13 verschiedene Lautäußerungen. Fünf davon waren nach Angaben der Wissenschaft bislang noch nicht beschrieben. Zu hören waren unter anderem Bellen, Kichern, Knurren, Grunzen, leises Quietschen, Winseln, Wimmern und Fauchen.
Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Laute fehlenden Blickkontakt ausgleichen. Dass Hyänen ihre Körpersprache und Lautäußerungen je nach Situation anpassen, werten die Forschenden als Hinweis auf ausgeprägte kognitive und soziale Fähigkeiten. Obwohl das Spiel mitunter ruppig wirkte, eskalierte es in den Beobachtungen nie zu echten Kämpfen.
So leben Tüpfelhyänen
Wie das Leibniz-IZW mitteilt, spielen und rangeln Tüpfelhyänen in jedem Lebensalter. Erwachsene Tiere tun das besonders gern im Wasser. Sie leben in großen, sozial organisierten Gruppen mit bis zu 130 Mitgliedern. Diese Clans sind hierarchisch strukturiert und werden von Weibchen und deren Nachwuchs dominiert.
Tüpfelhyänen kommen in mehreren Ländern südlich der Sahara vor. Zu ihrer Beute gehören etwa Gnus, Zebras und Büffel; außerdem fressen sie Aas.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber