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Weltbevölkerung: Wann endet das Wachstum?

Von 5 auf über 8 Milliarden: Am Weltbevölkerungstag drängt sich die große Frage auf – wie viele Menschen verkraftet die Erde noch?

11.07.2026, 04:00 Uhr

Weltbevölkerung steuert laut UN auf ihren Höchststand zu

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen leben derzeit rund 8,3 Milliarden Menschen auf der Erde. Die Zahl steigt zwar noch, doch auf längere Sicht zeichnet sich ein Wendepunkt ab: Nach aktueller UN-Prognose dürfte die Weltbevölkerung Mitte der 2080er Jahre mit etwa 10,3 Milliarden ihren Höchststand erreichen.

In Deutschland ist das Wachstum bereits gestoppt. Ende 2025 lebten hierzulande 83,5 Millionen Menschen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Das waren 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Nettozuwanderung reicht demnach nicht aus, um das Geburtendefizit auszugleichen.

Ein wichtiger Grund für die langfristige Entwicklung ist der Rückgang der Geburtenrate. Nach Angaben von Frank Swiaczny vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung sank die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau weltweit von etwa vier Mitte der 1970er Jahre auf derzeit rund 2,2. Dass die Weltbevölkerung dennoch noch wächst, hängt damit zusammen, dass besonders starke Jahrgänge nun das Alter erreicht haben, in dem viele Frauen Kinder bekommen. Nimmt durch die sinkenden Geburtenzahlen die Zahl potenzieller Mütter ab, wird mittelfristig auch die Zahl der Geburten zurückgehen.

Hinzu kommt die steigende Lebenserwartung. Bessere Lebensbedingungen und Fortschritte in der medizinischen Versorgung führen dazu, dass immer mehr Menschen ein höheres Alter erreichen.

Regionale Unterschiede bei der Bevölkerungsentwicklung

Weltweit verläuft die demografische Entwicklung sehr unterschiedlich. Während die Bevölkerung vor allem in Ländern südlich der Sahara weiter zunimmt, ist in vielen wohlhabenden Staaten Europas, Nordamerikas und Ostasiens bereits ein Rückgang zu beobachten oder in absehbarer Zeit zu erwarten. Nach UN-Angaben ist die Einwohnerzahl in 63 Ländern und Gebieten, darunter Japan, Russland und China, schon geschrumpft. Für China wird sogar damit gerechnet, dass die Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts auf weniger als die Hälfte des heutigen Niveaus sinken könnte.

Gleichzeitig gibt es 126 Länder, vor allem in Afrika südlich der Sahara sowie in Teilen Asiens, deren Bevölkerung wohl mindestens bis 2054 weiter wachsen wird. In einzelnen Staaten wie der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia könnte sich die Einwohnerzahl zwischen 2024 und 2054 sogar verdoppeln.

Folgen für Wirtschaft und Sozialsysteme

In alternden und schrumpfenden Gesellschaften verändert sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern deutlich. Nach Einschätzung der UN setzt das Renten- und Gesundheitssysteme stark unter Druck, auch in Deutschland. Swiaczny sieht mögliche Gegenmaßnahmen in Investitionen in Bildung, in Produktivitätssteigerungen durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz sowie in gezielter Zuwanderung, um den Fach- und Arbeitskräftemangel zumindest teilweise abzufedern.

Anders ist die Lage in Ländern mit rasch wachsender Bevölkerung. Dort gibt es vergleichsweise wenige ältere Menschen, aber viele junge. Wenn diese in den Arbeitsmarkt eintreten, kann sich eine sogenannte demografische Dividende ergeben. Eine große Zahl Erwerbstätiger bei zugleich noch geringen Sozialausgaben kann Investitionen erleichtern und wirtschaftliches Wachstum begünstigen.

Wie viele Menschen kann die Erde tragen?

Fachleute gehen davon aus, dass die Erde unter günstigen Voraussetzungen auch 10,3 Milliarden Menschen ernähren könnte. Unter den aktuellen Bedingungen sei das jedoch nicht selbstverständlich. Entscheidend ist laut Swiaczny nicht nur die Zahl der Menschen, sondern vor allem, wie produziert und konsumiert wird. Besonders ins Gewicht fällt dabei die ungleiche Verteilung des Ressourcenverbrauchs: Die wohlhabendsten zehn Prozent der Weltbevölkerung verursachen global etwa die Hälfte des Verbrauchs, während die ärmere Hälfte auf weniger als zehn Prozent kommt.

Wie viele Menschen haben jemals gelebt?

Das Population Reference Bureau in Washington hat berechnet, wie viele Menschen seit dem Auftreten des modernen Menschen vor rund 50.000 Jahren insgesamt gelebt haben könnten. Die Schätzung liegt bei etwa 117 Milliarden. Daraus folgt, dass die heute lebenden Menschen gut sieben Prozent aller Menschen ausmachen, die jemals geboren wurden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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