Verbraucherinnen und Verbraucher müssen im Weihnachtsgeschäft bei vielen Elektronikartikeln mehr bezahlen. Betroffen sind unter anderem Computer, Smartphones und Speichermedien. Hauptgrund sind deutlich gestiegene Preise für Speicherchips.
Eine Sprecherin von MediaMarktSaturn erklärte, die anhaltende Knappheit bei Halbleitern und Speicherbauteilen verteuere derzeit zahlreiche Produkte wie PCs, Smartphones und SSDs. Hersteller reichten diese Mehrkosten zunehmend an den Handel und letztlich an die Kundschaft weiter. Weitere Preissteigerungen seien nicht ausgeschlossen, wenn die Margen gesichert werden müssten. Wie es weitergehe, hänge vor allem davon ab, wann sich die Produktion von Chips und Speichern wieder normalisiere.
Breite Teile des IT-Markts betroffen
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens NIQ sind im IT-Bereich fast alle Produktgruppen mit Speicherchips von den höheren Kosten betroffen. Für Käufer sei dieser Effekt bereits klar spürbar, sagte NIQ-Experte Andreas Peplinski. Viele IT-Produkte hätten sich zuletzt deutlich verteuert.
So lagen die Durchschnittspreise von Grafikkarten im September fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Desktop-PCs kosteten demnach 41 Prozent mehr. Auch Laptops und Tablets verzeichneten kräftige Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich. Bei Smartphones sei ebenfalls ein klarer Preisanstieg festzustellen.
Ein typischer Zyklus der Chipindustrie
Hinter den steigenden Ladenpreisen steckt ein bekanntes Muster der Halbleiterbranche: der sogenannte Schweinebauchzyklus. Das Prinzip ist aus der Landwirtschaft bekannt: Hohe Preise führen zu einer Ausweitung der Produktion, später entsteht ein Überangebot, die Preise brechen ein, danach folgt wieder Knappheit, weil die Produktion nicht schnell genug angepasst werden kann.
In der Speicherchip-Industrie zeigte sich dieses Muster nach dem Nachfrageboom in der Corona-Zeit besonders deutlich. Danach rutschte der Markt in eine Krise, Lager waren voll und die Preise für DRAM- und NAND-Speicher fielen stark.
Um weitere Verluste zu begrenzen, reduzierten große Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron ihre Produktion deutlich. Fertigungslinien wurden stillgelegt, Investitionen in neue Werke verschoben oder eingefroren.
Diese Strategie stabilisierte zwar die Preise, doch inzwischen schlägt der Markt in die andere Richtung aus. Während das Angebot künstlich verknappt wurde, stieg die Nachfrage durch den massiven Ausbau von KI-Rechenzentren sprunghaft an. Vor allem große Technologiekonzerne kaufen derzeit enorme Mengen an Speicherkomponenten.
Produktion lässt sich nicht schnell hochfahren
Das Problem: Die zuvor gedrosselte Fertigung kann nicht kurzfristig wieder auf volles Niveau gebracht werden. In der Halbleiterindustrie dauern der Aufbau neuer Linien, die Zertifizierung von Reinräumen und die Feinabstimmung der Prozesse viele Monate oder sogar Jahre. Zudem fließen die verfügbaren Kapazitäten bevorzugt in besonders lukrative Spezialchips für KI-Server, etwa High Bandwidth Memory (HBM).
Dadurch fehlt es an klassischen Standardspeichern, wie sie in gewöhnlichen Laptops, PCs und Smartphones verbaut werden. Diese Lücke treibt die Einkaufspreise der Gerätehersteller stark nach oben – und diese Entwicklung kommt nun bei den Endkunden an.
Verbände sehen Risiken für das Jahresendgeschäft
Auch die Branchenverbände beobachten die Entwicklung mit Sorge. Der Digitalverband Bitkom warnt, dass die Knappheit bei Speicherchips den IT-Markt spürbar belaste. Weil der KI-Boom große Teile der Produktionskapazitäten binde, werde die Kalkulation für Geräte wie Laptops, Tablets und PCs schwieriger. Das wirke sich auf Verfügbarkeit und Preise aus.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) blickt ebenfalls vorsichtig auf das wichtige Geschäft zum Jahresende. Nach HDE-Angaben rechnet die Mehrheit der Nonfood-Händler mit schwächeren Umsätzen als im Vorjahr. Viele Menschen achteten wegen der allgemeinen Teuerung stärker auf ihr Budget und überlegten sich größere Ausgaben für Unterhaltungselektronik oder IT-Geräte genauer.
Worauf Käufer jetzt achten sollten
Verbraucherschützer empfehlen rund um Black Friday und das Weihnachtsgeschäft besondere Aufmerksamkeit. Bei Sonderangeboten sollten Interessierte genau prüfen, ob es sich tatsächlich um echte Rabatte handelt. Möglich seien auch versteckte Preiserhöhungen, etwa wenn Geräte mit kleinerem Speicher zum bisherigen Preis regulärer Standardmodelle angeboten werden.
Wer vor Weihnachten aufrüsten oder ein neues Gerät kaufen möchte, sollte Preisvergleichsportale nutzen und Angebote mit der Preisentwicklung der vergangenen Monate abgleichen. Eine schnelle Entspannung erwarten Marktbeobachter derzeit nicht. Nach ihrer Einschätzung dürften die weltweiten Speicherkapazitäten noch weit ins kommende Jahr angespannt bleiben – und damit auch das Preisniveau hoch halten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber