Politik

Aigners Erbe: Wer jetzt Landtagspräsident werden könnte

Aigners möglicher Wechsel nach Berlin löst ein Machtpoker aus: Wer greift nach ihrem Posten – und wer hat wirklich Chancen?

08.11.2026, 04:45 Uhr

Die Nominierung von Ilse Aigner und ihre voraussichtlich anstehende Wahl zur nächsten Bundespräsidentin sorgen bei der CSU in Bayern für große Freude. Sollte sie Ende Januar tatsächlich gewählt werden, wäre es das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die CSU das Staatsoberhaupt stellt.

Noch ist dieser Schritt nicht vollzogen. Dennoch wird bereits intensiv darüber gesprochen, wer Aigner im kommenden Jahr an der Spitze des Bayerischen Landtags nachfolgen könnte. Ebenso stellt sich die Frage, wer künftig den einflussreichen CSU-Bezirksverband Oberbayern führen soll.

Wer könnte Landtagspräsidentin oder Landtagspräsident werden?

Innerhalb der CSU fallen bei dieser Personalfrage vor allem fünf Namen: Sozialministerin Ulrike Scharf, Agrarministerin Michaela Kaniber, Innenminister Joachim Herrmann, Fraktionschef Klaus Holetschek und Landtagsvizepräsident Tobias Reiß.

Für Scharf und Kaniber spricht, dass beide wie Aigner aus Oberbayern kommen und als profilierte CSU-Politikerinnen gelten. In den aktuellen Spekulationen scheint Scharf leicht vorne zu liegen, auch weil sie zusätzlich Vorsitzende der Frauen-Union ist. Kaniber wiederum wird nachgesagt, besonders gute Verbindungen zu Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder zu haben.

Dass eine der beiden Frauen das Amt übernehmen könnte, hätte für Söder auch mit Blick auf die Landtagswahl 2028 Vorteile. Denn mit Aigner würde der CSU auf der oberbayerischen Liste ein populäres Zugpferd verloren gehen. Deshalb muss die Partei rechtzeitig klären, wer künftig diese prominente Rolle übernehmen kann. Ein bekanntes und beliebtes Gesicht wäre dabei besonders wertvoll.

Neue Chancen für eine Umbildung im Kabinett?

Für Söder könnte eine solche Lösung auch deshalb attraktiv sein, weil durch einen Wechsel ins Landtagspräsidium ein Ministerium frei würde. Das würde Spielraum für eine weitere Kabinettsumbildung schaffen.

Das träfe ebenso zu, falls Joachim Herrmann Aigner als Landtagspräsident ablösen sollte. Ob der inzwischen 70-Jährige 2028 noch einmal kandidieren will, ist derzeit offen. Sollte er darauf verzichten, könnte das Amt des Landtagspräsidenten einen passenden Schlusspunkt seiner politischen Laufbahn markieren. Falls er jedoch erneut antreten möchte, wäre es naheliegend, dass er lieber Innenminister bleibt. Als möglicher Nachfolger im Innenressort wird CSU-intern unter anderem Staatskanzleichef Florian Herrmann genannt.

Auch aus der Landtagsfraktion selbst gäbe es Optionen. Klaus Holetschek wird ebenfalls als denkbarer Kandidat gehandelt. Viele gehen allerdings davon aus, dass der frühere Gesundheitsminister lieber an der Spitze der Fraktion bleiben möchte.

Tobias Reiß wird ebenfalls als möglicher Nachfolger genannt, nicht zuletzt wegen seiner Funktion als Stellvertreter Aigners und als Landtagsvizepräsident. Im Vergleich zu den anderen Namen, vor allem zu den amtierenden Ministerinnen, werden seine Chancen jedoch eher etwas niedriger eingeschätzt.

Und wie so oft bei Markus Söder bleibt noch eine weitere Möglichkeit: eine Überraschungslösung mit einer Person, die bislang kaum jemand auf dem Schirm hat.

Wer könnte den CSU-Bezirksverband Oberbayern übernehmen?

Auch im CSU-Bezirksverband Oberbayern würde bei einem Wechsel Aigners an die Staatsspitze eine Nachfolge geregelt werden müssen. Nach CSU-Logik kommen für einen solchen Posten in der Regel Kabinettsmitglieder oder besonders bekannte Abgeordnete infrage.

Genannt werden hier erneut Michaela Kaniber, Ulrike Scharf und Florian Herrmann – alle drei stammen aus dem größten CSU-Bezirk. Zudem fällt ein noch prominenterer Name: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Wer am Ende tatsächlich in Aigners Fußstapfen tritt, ist derzeit aber völlig offen.

Klar ist bislang nur: Zunächst muss Aigner offiziell nominiert und anschließend gewählt werden. Wer die CSU kennt, weiß jedoch, dass zentrale Machtpositionen schon lange vor einer Entscheidung intensiv umkämpft sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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