Wirtschaft

Nach der Krise: Warum Canyon jetzt voll auf E-Bikes setzt

Nach Jobabbau und Umsatzminus setzt Canyon alles auf E-Bikes. Ist das die letzte Chance raus aus der Krise?

27.06.2026, 04:00 Uhr

Canyon setzt auf E-Bikes und Assistenztechnik als Weg aus der Krise

Der Fahrradhersteller Canyon will nach schwierigen Geschäftsjahren mit elektrischen Modellen und neuen Sicherheitslösungen wieder auf Wachstumskurs kommen. Auf der Branchenmesse Eurobike in Frankfurt kündigte das Unternehmen die Eröffnung eines eigenen E-Bike-Zentrums am Stammsitz in Koblenz an.

In dem neuen Gebäude sollen Kundinnen und Kunden auf rund 1.200 Quadratmetern das gesamte E-Bike-Angebot testen, direkt miteinander vergleichen und auch kaufen können. Nach Unternehmensangaben ist es der erste Canyon-Standort, der vollständig auf Elektrofahrräder ausgerichtet ist.

Firmengründer Roman Arnold sagte, das Unternehmen habe E-Bikes vor rund 15 Jahren noch skeptisch gesehen und sie damals als zu schwer und technisch nicht ausgereift bewertet. Inzwischen habe sich der Markt jedoch stark verändert. Seit sieben Jahren produziert Canyon E-Mountainbikes, und elektrische Räder seien heute nicht nur im Alltag, sondern auch im Sport fest etabliert. Mehr als die Hälfte der verkauften Mountainbikes von Canyon seien mittlerweile elektrifiziert. Bei Rennrädern stecke die Entwicklung zwar noch in einer frühen Phase, Arnold rechnet aber auch dort mit weiterem Wachstum.

Kein Bruch mit dem Markenkern

Einen Widerspruch zur sportlichen Ausrichtung der Marke sieht Arnold nicht. Canyon, bekannt als Ausrüster von Teams wie Movistar und Alpecin-Premier Tech, wolle auch bei E-Bikes auf leichte und dynamische Modelle setzen. Elektroräder seien längst kein Nischenprodukt mehr und sprächen heute eine breite Zielgruppe an.

Zusätzlich arbeitet das Unternehmen an Sicherheitsfunktionen für den Straßenverkehr. Geplant sind unter anderem Warnsysteme im Lenker sowie vernetzte Helme, die Radfahrende auf Gefahren aufmerksam machen sollen. Arnold betonte, fehlendes Sicherheitsgefühl halte viele Menschen noch immer vom Radfahren ab. Systeme wie "Canyon Predict", die etwa per Vibration vor nahenden Autos warnen, könnten nach seinen Worten in einigen Jahren serienreif sein.

Schwieriges Marktumfeld und harter Wettbewerb

Canyon ist mit sportlichen Rädern groß geworden und unterstützt bekannte Namen wie Mathieu van der Poel sowie die Ironman-Stars Laura Philipp und Patrick Lange. Doch wie viele andere Anbieter leidet auch das Unternehmen unter den Nachwirkungen des Fahrradbooms während der Corona-Zeit. Im Wettbewerb mit Herstellern wie Rose und Cube ist der Preisdruck hoch.

Nach Angaben des Branchenverbands ZIV ging der Fahrradumsatz in Deutschland 2025 um acht Prozent auf 5,85 Milliarden Euro zurück. Selbst der E-Bike-Bereich, der mehr als 80 Prozent des Branchenumsatzes ausmacht, verzeichnete Einbußen. Für Hersteller ist das Segment dennoch unverzichtbar geworden. Bei Canyon beginnt das Angebot bei unter 3.000 Euro für City-E-Bikes, während E-Rennräder und E-Mountainbikes bis zu 7.000 Euro kosten.

Neue Erlösquellen sind für das Unternehmen wichtig. 2025 sank der Umsatz von Canyon um etwas mehr als sechs Prozent auf 738 Millionen Euro, während das operative Ergebnis um rund ein Drittel zurückging. Der belgische Investor GBL, Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens, schrieb den Wert seiner Beteiligung deutlich nach unten, tauschte die Führung aus und holte Gründer Arnold wieder stärker zurück ins Management. Zudem wurden 320 Stellen gestrichen.

Arnold räumte ein, Canyon habe zwischenzeitlich den Fokus verloren und sich zu sehr mit internen Themen beschäftigt. Auch die Verwaltung sei zu groß geworden. Für das laufende Jahr zeigt er sich jedoch zuversichtlich: Nach seiner Darstellung legt Canyon wieder bei allen wichtigen Kennzahlen zu und entwickelt sich besser als geplant.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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