Die Commerzbank wirbt kurz vor Ablauf des Übernahmeangebots der Unicredit erneut um das Vertrauen ihrer Aktionäre. In einem veröffentlichten Schreiben fordert Vorstandschefin Bettina Orlopp die Anteilseigner auf, das Angebot nicht anzunehmen und weiterhin in die Commerzbank investiert zu bleiben.
Nach Einschätzung des Instituts bietet die Offerte der Unicredit den Aktionären weiterhin keinen angemessenen Aufschlag. In dem Brief, der in den kommenden Tagen auch per Post verschickt werden soll, verweist die Bank darauf, dass der durchschnittliche von Analysten ermittelte Zielkurs für die Commerzbank-Aktie deutlich über dem Angebotspreis und auch über dem aktuellen Börsenkurs liege. Daraus folge, dass das Kurspotenzial der Aktie aus Sicht der Bank noch nicht ausgeschöpft sei.
Zugleich kritisiert die Commerzbank, dass die Unicredit bislang kein überzeugendes Konzept vorgelegt habe, das auf den Stärken des Geschäftsmodells der Frankfurter Bank aufbaue. Außerdem verweist sie darauf, dass der Bund seinen Anteil von rund zwölf Prozent an der Commerzbank nicht veräußern wolle.
Nur noch wenige Tage Zeit für das Angebot
Die Unicredit hatte im Mai ein Tauschangebot für die Commerzbank vorgelegt. Für jede Aktie der deutschen Bank bietet das italienische Institut 0,485 eigene Aktien. Nach Angaben der Unicredit war das Angebot innerhalb der regulären Frist für 12,51 Prozent der Commerzbank-Anteile angenommen worden. Die Annahmefrist wurde anschließend bis zum 3. Juli verlängert.
Da die Unicredit bereits zuvor 26,77 Prozent an der Commerzbank hielt, käme sie rechnerisch damit auf fast 40 Prozent der Aktien. Darüber hinaus verfügt das Institut über Finanzinstrumente, die den Zugriff auf weitere Anteile ermöglichen.

Commerzbank verweist auf geringe Zustimmung
In ihrem Schreiben bekräftigt die Commerzbank ihre bisherige Argumentation gegen die Übernahme. Von den mehr als 500.000 Privatanlegern sowie mehreren hundert institutionellen Investoren seien bis zum Ende der regulären Frist lediglich etwas mehr als ein Prozent der Aktien angedient worden. Die Bank wertet dies als klares Signal gegen das Angebot.
Nach Darstellung der Commerzbank stamme der Großteil der bisher eingelieferten Aktien von Banken, mit denen die Unicredit über Finanzinstrumente Geschäfte unterhalte. Die Unicredit hat diese Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen.
Die Mailänder Großbank war im September 2024 im Zuge eines Aktienverkaufs des Bundes in größerem Umfang bei der Commerzbank eingestiegen. Unicredit, die in Deutschland bereits über die Hypovereinsbank präsent ist, sieht in einer Übernahme nach eigener Einschätzung Einsparpotenziale in Milliardenhöhe. Dazu könnte auch der Abbau von mehreren tausend Stellen gehören.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber