Wirtschaft

Jeder Zweite scheitert am Bezahlen ohne Bargeld

Noch immer heißt es oft „nur Bargeld“: Warum Klingbeils Plan für Pflicht-Kartenzahlung jetzt Volksbanken begeistert.

03.10.2026, 05:00 Uhr

Mehrheit stieß 2024 bereits auf „Nur Bargeld“

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland konnte in diesem Jahr mindestens einmal nicht wie geplant kontaktlos oder per Karte zahlen. Nach einer aktuellen YouGov-Erhebung im Auftrag des Genoverbands lag der Anteil bei 56 Prozent. Im Jahr 2021 hatte dieser Wert noch 45 Prozent betragen.

Wer an der Kasse entgegen der eigenen Absicht doch zu Scheinen und Münzen greifen musste, erlebte das meist nicht nur einmal: 28 Prozent der Befragten berichteten von zwei bis fünf solchen Situationen im laufenden Jahr. Für die Umfrage wurden im August 1.534 Erwachsene repräsentativ befragt.

Unterstützung für Pflicht zu digitalen Zahlungen

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) setzt sich dafür ein, dass Läden und Gaststätten künftig neben Bargeld auch Kartenzahlung und Bezahlmethoden per Smartphone anbieten müssen. Nach Angaben des Ministeriums werden die Grundzüge einer solchen Regelung derzeit abgestimmt. Noch in diesem Jahr soll ein Gesetzentwurf ins Kabinett gehen, die Einführung ist für 2027 vorgesehen.

Aus Sicht des Staates bringt digitales Bezahlen Vorteile mit sich: Da diese Zahlungen dokumentiert werden, lassen sich Steuerbetrug und Geldwäsche schwerer verbergen.

Volksbanken mehrheitlich dafür

Auch unter den Vorständen der Volksbanken im Gebiet des Genoverbands gibt es dafür breite Zustimmung. Das Verbandsgebiet umfasst alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg. Von 196 befragten Vorständen sprachen sich 77 Prozent für eine Pflicht zur Annahme von Karten- und Digitalzahlungen aus.

Bargeldloses Zahlen im Supermarkt
Viele Menschen nutzen zum Bezahlen an der Ladenkasse ihre Bankkarte oder ihr Smartphone. (Symbolbild) Quelle: Leonie Asendorpf/dpa

Zugleich befürworteten 49 Prozent, dass Bargeld zumindest bis zu einer festgelegten Obergrenze weiterhin verpflichtend angenommen werden muss.

Kunden sollen wählen können

Der Vorstandsvorsitzende des Genoverbands, Michael Hoeck, verweist darauf, dass Karte und Smartphone im Zahlungsverkehr und bei Bankgeschäften immer wichtiger würden. Gleichzeitig bleibe vielen Menschen die Möglichkeit wichtig, weiterhin bar bezahlen zu können. Ziel der Volks- und Raiffeisenbanken sei es deshalb, den Kundinnen und Kunden Wahlfreiheit zu sichern.

Bargeld verliert aus Sicht vieler an Bedeutung

Viele Verbraucher rechnen damit, in den kommenden Jahren seltener Bargeld zu nutzen. Vier von zehn Befragten erwarten einen Rückgang ihrer persönlichen Barzahlungen – davon 20 Prozent deutlich und 21 Prozent eher leicht. Nur 6 Prozent gehen davon aus, künftig häufiger mit Bargeld zu bezahlen.

Dazu passt, dass 49 Prozent der Teilnehmer angaben, sie würden gerne öfter mit Karte oder Smartphone zahlen. Besonders unter Jüngeren ist dieser Wunsch stark ausgeprägt. Häufiger bargeldlos zahlen würden viele vor allem dann, wenn es mehr Akzeptanzstellen gäbe, wenn sich an der Kasse gleichzeitig Bargeld abheben ließe oder wenn besser erkennbar wäre, wo bargeldlose Zahlungen möglich sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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