Wirtschaft

Was Öl-Reserven jetzt wirklich bringen

Bringt die G7-Ölreserve wirklich billigeren Sprit? Wohl kaum – doch der Schritt könnte den Markt überraschend beeinflussen.

03.10.2026, 13:40 Uhr

G7 geben Ölreserven frei: Wie steigende Energiepreise gebremst werden sollen

Der Krieg im Nahen Osten treibt die Ölpreise seit Monaten nach oben. Vor allem der weiter ungelöste Konflikt zwischen dem Iran und den USA sorgt für Nervosität an den Märkten. In der für den globalen Energiehandel zentralen Straße von Hormus werden Tanker beschossen, zudem verlegen die USA Berichten zufolge weitere Kriegsschiffe in die Region. Die Sorge vor Störungen der Versorgung wächst – und mit ihr der Preisdruck.

Seit Jahresbeginn hat sich Rohöl der Sorte Brent um mehr als 60 Prozent verteuert. Ein Barrel mit 159 Litern kostet inzwischen mehr als 100 US-Dollar. Das schlägt auch auf die Inflation durch. Um Verbraucher und Unternehmen zu entlasten, wollen die G7-Staaten gegensteuern. In Deutschland soll zusätzlich der Tankrabatt bis zum Jahresende helfen.

Was die G7 beschlossen haben

Unter Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) sollen in den kommenden vier Monaten insgesamt 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus Reserven auf den Markt gebracht werden. Diese Menge entspricht ungefähr dem weltweiten Tagesbedarf an Rohöl, von dem die IEA ausgeht.

Das Signal an die Märkte ist eindeutig: Es soll kein Eindruck einer akuten Knappheit entstehen, weil ausreichend Öl verfügbar ist.

Mengen aus der deutschen Ölreserve werden dabei zu den aktuellen Marktpreisen verkauft. Eigentlich sind diese Bestände dafür gedacht, im Fall echter Versorgungsstörungen Engpässe auszugleichen – nicht in erster Linie, um Benzin- und Dieselpreise zu drücken.

Gab es Druck aus den USA?

Nach dem G7-Beschluss sprach Greenpeace von amerikanischen „Drohungen“. Die Organisation kritisierte, die Abhängigkeit von Benzin und Diesel mache Staaten geopolitisch erpressbar.

Hintergrund ist, dass US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, einen Exportstopp für Diesel aus den USA prüfen zu lassen. Das könnte zwar die Kraftstoffpreise im eigenen Land entlasten, würde aber den internationalen Markt zusätzlich verunsichern. In der G7-Erklärung wurde deshalb ausdrücklich festgehalten, dass Mitgliedstaaten keine solchen Exportbeschränkungen verhängen sollen.

Deutschland ist bei Diesel allerdings vergleichsweise wenig auf Importe angewiesen, weil die heimischen Raffineriekapazitäten hoch sind. Im ersten Halbjahr 2026 wurde unter dem Strich sogar mehr Kraftstoff exportiert als importiert. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg die deutsche Dieselproduktion auf 15,8 Millionen Tonnen – ein Plus von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Importiert wurden lediglich 858.000 Tonnen Diesel. Wichtigste Lieferländer waren Belgien mit 55,1 Prozent und die Niederlande mit 39,7 Prozent. Gleichzeitig exportierte Deutschland 2,06 Millionen Tonnen Diesel.

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es mit Blick auf Trumps Überlegungen, der Markt dürfe nicht zusätzlich verunsichert werden. Ministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, in den Gesprächen der vergangenen 48 Stunden sei ihr ein verlässliches gemeinsames Vorgehen in der angespannten Lage besonders wichtig gewesen.

Wie lange Deutschlands Reserven ausreichen

Deutschland hält strategische Ölreserven vor, um mögliche Lieferausfälle abzufedern. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums könnten diese Vorräte einen vollständigen Ausfall aller Importe für rund drei Monate kompensieren.

Reiche betonte, dass die geplante Freigabe die Versorgungssicherheit nicht gefährde. Es bleibe jederzeit genug Reserve im System, um die Energieversorgung zu sichern. Die Lage werde fortlaufend überwacht.

Die deutschen Notvorräte bestehen aus Rohöl und fertigen Mineralölprodukten wie Diesel, Benzin, Heizöl und Flugturbinenkraftstoff. Zuständig ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), der Rohöl sowie Produkte wie Benzin, Diesel und Kerosin lagert. Die Bestände sind über ganz Deutschland verteilt.

Der EBV organisiert den Ankauf der Vorräte. Finanziert wird das System über verpflichtende Beiträge der Mineralölwirtschaft. Freigegeben werden die Reserven per Rechtsverordnung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Woher Deutschland sein Rohöl bezieht

Nur ein kleiner Teil des deutschen Rohöls stammt aus dem Nahen Osten. Nach Daten des Statistischen Bundesamts lag der Anteil 2025 bei 6,1 Prozent. Dazu zählen unter anderem Lieferungen aus dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien.

Wichtigster Lieferant für Deutschland ist Norwegen mit 16,6 Prozent. Fast gleichauf folgen die USA mit 16,3 Prozent.

Kommt das bei Autofahrern an?

An den Ölmärkten zeigte sich nach dem Beschluss zunächst eine Reaktion: Der Brent-Preis fiel zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent auf knapp 99 Dollar je Barrel, lag zum Wochenschluss aber schon wieder bei rund 102.

Auch an den Tankstellen gab es erste Bewegung. Nach Angaben der Vergleichs-App „Tankerkönig“ sanken die bundesweiten Durchschnittspreise bis Sonntag leicht. Super E10 verbilligte sich um etwas mehr als zwei Cent pro Liter, Diesel um rund sechs Cent.

Die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält die Wirkung aber für begrenzt. Ihrer Einschätzung nach kann die Freigabe von Öl- und Dieselreserven Autofahrer nur kurzfristig entlasten. Ähnlich wie der Tankrabatt sei die Maßnahme vor allem ein Mittel zur vorübergehenden Linderung – das grundlegende Problem hoher Energiepreise bleibe bestehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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