Bayern

Ernte-Schock? So traf es Bauern, Winzer, Hopfenbauern

Dürreschock auf Bayerns Feldern: Von Kartoffeln bis Wein sind die Schäden teils heftig. Wie schlimm steht es um die Ernte?

04.10.2026, 04:00 Uhr

Erntedank in Bayern: Viel Tradition, schwieriges Jahr für die Landwirtschaft

Rund um den Erntedanksonntag hat Bayern viele feste Bräuche: Erntekronen, geschmückte Altäre in den Kirchen und Umzüge gehören vielerorts dazu. Gleichzeitig haben heute die wenigsten Menschen im Freistaat noch einen direkten Bezug zur Landwirtschaft. Die Zeit, in der fast jedes Dorf von zahlreichen Höfen geprägt war, ist längst vorbei. Seit Jahren nimmt die Zahl der Betriebe ab. So sank nach Angaben des Landesamts für Statistik allein die Zahl der Rinder haltenden Höfe seit 2016 um 22,9 Prozent auf 36.898. Die verbleibenden Betriebe wurden jedoch größer: Im Schnitt stieg die Zahl der Tiere je Hof von 67 auf 73.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bezeichnet Erntedank an diesem Sonntag (4. Oktober) als ein großes Zeichen der Wertschätzung für Bayerns Bäuerinnen und Bauern sowie deren Familien. Ein gut gedeckter Tisch erscheine oft selbstverständlich, sei es aber keineswegs. Hinter Brot, Milch und Obst stünden Natur, Wetter und vor allem Menschen, die mit großem Einsatz hochwertige Lebensmittel erzeugten. Daran erinnere Erntedank jedes Jahr aufs Neue.

Das bisherige Landwirtschaftsjahr war vor allem von Hitze und Trockenheit geprägt. Nach Einschätzung des Landesamts setzte ein mildes und trockenes Frühjahr, gefolgt von Hitzewellen und einer langen Dürreperiode, vielen Kulturen deutlich zu.

Getreide

Für Getreide rechnet das Landesamt in diesem Jahr mit nur noch 5,6 Millionen Tonnen Ernte. Das wären knapp 13 Prozent weniger als 2025. Damit gehört 2026 für Bayerns Landwirte zu den schwächsten Erntejahren der vergangenen Jahrzehnte. Noch schlechter waren die Ergebnisse laut Behörde nur 2024 und im extrem heißen Sommer 2003.

Sonnenaufgang über einer Streuobstwiese
In Bayern ist die Birnenernte schlecht ausgefallen. (Archivbild) Quelle: Daniel Vogl/dpa

Besonders stark fiel der Rückgang beim Winterweizen aus: Hier brach die Erntemenge gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel ein. Bei der Qualität des Brotgetreides, vor allem Weizen und Roggen, zeigten sich Fachleute jedoch zufrieden. Das gilt auch für Braugerste.

Kartoffeln

Auch bei den Kartoffeln fiel die Bilanz deutlich negativ aus. Im Freistaat wurden rund 1,2 Millionen Tonnen geerntet, also 36,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 ergibt sich ein Minus von 26,4 Prozent. Rechnerisch entspräche das 91 Kilogramm heimischer Kartoffeln pro Einwohnerin und Einwohner.

Der Bayerische Bauernverband hatte bereits Ende August darauf hingewiesen, dass die extreme Hitze ab Ende Juni das Wachstum der Pflanzen stark gebremst habe. Hinzu kamen Wassermangel, die Schilf-Glasflügelzikade als Überträgerin der Krankheiten Stolbur und SBR sowie eine geringere Anbaufläche.

Nach Einschätzung des Ministeriums führten Trockenheit und hohe Temperaturen zu unterdurchschnittlichen Erträgen. Nach dem Rekordjahr 2025, das zwar hohe Mengen, aber schwache Preise brachte, bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe angespannt.

Um Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen, hatten Erzeugergemeinschaften empfohlen, die Anbauflächen zu verkleinern. Nach Angaben der Landesanstalt für Landwirtschaft sank die Kartoffelfläche in Bayern um vier Prozent auf 37.378 Hektar. Betroffen waren sowohl Speise- als auch Verarbeitungskartoffeln. Zugelegt hat dagegen die Fläche für Stärkekartoffeln, die sowohl in der Lebensmittelherstellung als auch in der Industrie genutzt werden.

Hopfen

Wer auf der A9 in Richtung München unterwegs ist, sieht vielerorts die Hopfengärten entlang der Strecke. Doch die Hopfenpflanzer rechnen heuer mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Gleichzeitig belasten sinkender Bierkonsum und ein weiterhin überversorgter Markt die Betriebe finanziell. Die kleinere Ernte könnte allerdings dazu beitragen, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wieder etwas auszugleichen.

Der Vorsitzende des Verbands der deutschen Hopfenpflanzer, Adi Schapfl, hatte Ende August erklärt, das Jahr 2026 führe erneut drastisch vor Augen, welche massiven und teils existenziellen Probleme der Klimawandel verursachen könne.

Wein

Auch die fränkischen Winzerinnen und Winzer müssen 2026 mit weniger Ertrag auskommen. Im Durchschnitt werden 55 Hektoliter pro Hektar erwartet. Im Vorjahr waren es noch 72 Hektoliter, 2024 rund 57. Der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 66,9 Hektolitern.

Nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands litten die Trauben unter Trockenheit und großer Hitze, was sich direkt auf die Erntemenge auswirkt. Trotz der schwierigen Bedingungen dürften die Preise stabil bleiben.

Die Weinbauflächen in Franken reichen grob von Bamberg bis Aschaffenburg. Die Ertragsrebfläche umfasst insgesamt etwa 5.800 Hektar. Davon sind rund 200 Hektar weniger bestockt als noch im Vorjahr, Stand 1. August 2026.

Obst

Im Obstbau zeigt sich ein gemischtes Bild. Das Landwirtschaftsministerium berichtet, dass die Erdbeerernte voraussichtlich unter dem Niveau des Vorjahres liegt. Besser lief es dagegen bei den Süßkirschen, deren Ernte bereits abgeschlossen war, bevor die anhaltende Hitze und Trockenheit einsetzten.

Deutlich schlechter sieht es bei Äpfeln aus. Nach ersten Zahlen des Landesamts für Statistik werden nur etwa 22.000 Tonnen erwartet. Im Vorjahr waren es noch 33.172 Tonnen. Gegenüber dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025 entspricht das einem Rückgang von 30,9 Prozent.

Auch die Birnenernte fiel schwach aus. Die Statistik weist rund 2.700 Tonnen aus. Das sind 20,1 Prozent weniger als 2025 und 42,6 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025. Der Selbstversorgungsgrad bei Äpfeln und Birnen bleibt im Freistaat insgesamt niedrig: Pro Kopf reichen die Mengen rechnerisch nur für etwa 1,7 Kilogramm bayerische Äpfel und 200 Gramm bayerische Birnen im Jahr.

Weniger Höfe, mehr Druck

Erntedank erinnert in Bayern also nicht nur an Tradition und Dankbarkeit, sondern auch an die schwierige Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Schrumpfende Hofzahlen, wachsende Betriebsgrößen und immer häufigere Wetterextreme zeigen, wie stark sich die Landwirtschaft im Freistaat verändert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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