Thüringen

Mega-Projekt: So wird Erfurt zum Chip-Hotspot

Nicht nur Dresden: Warum ausgerechnet Erfurt jetzt zum stillen Chip-Star im Osten werden könnte

04.10.2026, 05:00 Uhr

X-Fab startet Bau neuer Chipfabrik in Erfurt

In Thüringen beginnt eines der größten Industrieprojekte der vergangenen Jahre: Der Halbleiterhersteller X-Fab erweitert seinen Standort in Erfurt um eine neue Fabrik. Die Grundsteinlegung ist nach Unternehmensangaben für Montag geplant. Insgesamt sollen zwischen 300 und 400 Millionen Euro in das Vorhaben investiert werden.

Hintergrund ist die wachsende Bedeutung von Halbleitern für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Die Europäische Union hatte bereits Ende des vergangenen Jahres staatliche Beihilfen für neue Chipfabriken in Erfurt und Dresden genehmigt. Ziel ist es, Europas Abhängigkeit von Importen, vor allem aus Asien, zu verringern.

Förderung in Millionenhöhe von Bund und Land

Nach Angaben der Thüringer Landesregierung wird das Projekt mit insgesamt 127,4 Millionen Euro unterstützt. Davon kommen 80,3 Millionen Euro vom Bund, weitere 47,1 Millionen Euro stellt das Land Thüringen bereit.

Der Ausbau sei notwendig, weil die bestehende Fabrik der X-Fab MEMS Foundry GmbH wegen der starken Nachfrage nahezu ausgelastet sei, erklärte das Unternehmen. Produziert werden dort Mikrosysteme, die elektronische und optische Funktionen kombinieren. Solche Bauteile werden unter anderem für KI-Anwendungen, Rechenzentrums-Infrastruktur, optische Systeme und Medizintechnik benötigt.

Erste Produktion ab Ende 2028 geplant

Im Bereich Mikrosysteme und Photonik legte der Umsatz der X-Fab-Gruppe allein im zweiten Quartal um 14 Prozent zu. Damit handelt es sich um den derzeit am schnellsten wachsenden Unternehmensbereich.

Chiphersteller X-FAB
Die Halbleiterproduktion muss unter staubfreien Bedingungen, in sogenannten Reinräumen, erfolgen. Quelle: Martin Schutt/dpa

Nach den aktuellen Planungen sollen Ende 2028 in der neuen Fabrik die ersten Halbleiter unter Reinraumbedingungen gefertigt werden. Durch das Projekt sollen rund 100 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

X-Fab betreibt Werke in Deutschland, Frankreich, Malaysia und den USA. Von weltweit etwa 4.000 Beschäftigten arbeiten rund 800 in Erfurt, das zugleich als operative Zentrale des Unternehmens gilt. Der rechtliche Sitz der Holding befindet sich im belgischen Tessenderlo.

Im Unterschied zu GlobalFoundries in Dresden ist X-Fab kein Produzent für den Massenmarkt, sondern fertigt spezialisierte Halbleiter im Kundenauftrag.

Die Wurzeln der international tätigen und in Paris börsennotierten X-Fab-Gruppe liegen in Erfurt. Die Stadt blickt auf eine lange Tradition in der Halbleiterproduktion zurück, die bereits zu DDR-Zeiten mit dem Kombinat Mikroelektronik begann.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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