Wirtschaft

Gewinneinbruch: Kommt Daimler Trucks Wende jetzt?

Gewinn fast halbiert, Zölle drücken: Warum Daimler Truck jetzt trotzdem die Wende ausruft, könnte überraschen.

07.08.2026, 12:28 Uhr

Daimler Truck verzeichnet Gewinneinbruch – blickt aber optimistischer auf das zweite Halbjahr

Daimler Truck hat im zweiten Quartal erneut einen deutlichen Rückgang beim Gewinn hinnehmen müssen, erwartet für die kommenden Monate jedoch eine spürbare Verbesserung. Wie der Dax-Konzern aus Leinfelden-Echterdingen mitteilte, sank der Nettogewinn im Jahresvergleich um 48 Prozent von 245 Millionen auf 128 Millionen Euro.

Für Zuversicht sorgen vor allem das deutlich stärkere Geschäft in den USA sowie Vorteile bei den Zöllen durch die Anrechnung von US-Wertschöpfungsanteilen. Der Lkw- und Bushersteller rechnet deshalb in der zweiten Jahreshälfte mit schneller wachsendem Ergebnis und hatte seine Jahresprognose zuletzt bereits nach oben angepasst.

Jahresausblick verbessert

Konzernchefin Karin Rådström erklärte laut Mitteilung, die gute Entwicklung bei Trucks North America, die Aussicht auf höhere Verkaufszahlen und die erwartete geringere Zollbelastung hätten den Konzern dazu veranlasst, die Prognose für das Gesamtjahr anzuheben.

Finanzchefin Eva Scherer sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Nachfrage in den USA habe sich seit Jahresbeginn deutlich erholt. Daimler Truck profitiere davon besonders wegen seiner Kundenstruktur. Für das zweite Halbjahr sei das Produktionsprogramm nahezu vollständig ausgelastet. Der Auftragseingang legte im zweiten Quartal, vor allem dank Nordamerika, um 27 Prozent zu.

Umsatz steigt, Ergebnis unter Druck

Trotz der positiven Impulse belasteten Zölle im zweiten Quartal weiterhin die Profitabilität. Der Umsatz erhöhte sich um fünf Prozent auf rund 12,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) ging dagegen um neun Prozent auf 360 Millionen Euro zurück. Im Industriegeschäft ohne Finanzdienstleistungen fiel der Rückgang mit minus 20 Prozent noch stärker aus.

Daimler-Truck-CEO Karin Radström
Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström: Aussicht auf höhere Absatzzahlen. (Archivbild) Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Zugleich konnte Daimler Truck wieder mehr Fahrzeuge absetzen: Die Verkäufe stiegen um acht Prozent auf 86.707 Lastwagen und Busse.

Finanzvorständin sieht Wendepunkt erreicht

Nach Einschätzung von Finanzchefin Scherer markiert das zweite Quartal einen echten Wendepunkt. Die jetzt angehobene Prognose stütze sich auf Entwicklungen, die sich in den aktuellen Zahlen noch nicht vollständig widerspiegelten. Ab dem dritten Quartal sollen die Verbesserungen dann sichtbar werden.

Neues Werk in den USA geplant

Bereits am Donnerstagabend hatte Daimler Truck angekündigt, in den USA eine neue Fabrik bauen zu wollen. Der Baustart ist für Ende dieses Jahres vorgesehen, die Produktion soll 2029 anlaufen. Angaben zur Investitionssumme oder zur Kapazität machte der Konzern zunächst nicht. Derzeit würden mehrere mögliche Standorte geprüft. Laut Scherer soll es das größte Werk des Unternehmens in den USA werden. Bislang ist das Werk in Cleveland im Bundesstaat Ohio das größte.

Rückschläge und Sparprogramm

Der Nutzfahrzeughersteller hatte zuletzt mehrfach mit schwächeren Ergebnissen zu kämpfen. Im Jahr 2025 fiel der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Im ersten Quartal dieses Jahres war das Ergebnis sogar um 80 Prozent eingebrochen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, hatte Daimler Truck bereits im vergangenen Jahr das Sparprogramm „Cost Down Europe“ gestartet. Bis 2030 sollen damit die laufenden Kosten in Europa um mehr als eine Milliarde Euro reduziert werden. In Deutschland sollen rund 5.000 Stellen wegfallen, vor allem bei der Lkw-Marke Mercedes-Benz. Auch in Nordamerika sind Einsparungen vorgesehen.

Nach etwa 100 Millionen Euro Einsparungen im Vorjahr plant der Konzern für dieses Jahr weitere 150 Millionen Euro. Rund eineinhalb Jahre nach dem Start des Programms wäre damit ein Viertel des gesamten Sparziels erreicht. Scherer betonte, man liege bei der Umsetzung gut im Plan.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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