Eckert rechnet mit hartem Abwehrkampf von Infantino
Der frühere Chef der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, geht davon aus, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino in der aktuellen Krise nicht nachgeben wird. Auslöser der Debatte ist Infantinos gescheiterter Vorstoß, Rechte an Weltmeisterschaften an private Investoren zu veräußern. Dafür erntete er breite Kritik. Bei einem Krisentreffen in Marokko erhielt er jedoch Unterstützung aus dem engsten Führungskreis und stellte Konsequenzen in Aussicht, falls die Integrität der FIFA angegriffen werde.
Eckert wertet diese Worte als klare Warnung. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte der 78-Jährige, Infantino setze auf Gegenangriff als Verteidigungsstrategie. Damit wolle er deutlich machen, dass Kritik von innen wie von außen nicht folgenlos bleibe. Zugleich versuche er, den Verband öffentlich zu schonen und ein negatives Bild der FIFA zu verhindern.
Zweifel an der Wirkung der Entschuldigungen
Nach Einschätzung Eckerts steht Infantino stark unter Druck, denkt aber offenbar nicht daran, sich zurückzuziehen. Vielmehr werde er nach einem Ausweg suchen, wobei auch das Treffen in Marokko Teil dieser Strategie sei. Ob dies bereits den Beginn seines Sturzes markiere, lasse sich nicht sicher sagen. Klar sei für ihn jedoch: Infantino werde um sein Amt kämpfen.
Eckert bezeichnet dieses Verhalten als typisch für Spitzenfunktionäre in mächtigen Organisationen. Wer eine so einflussreiche Position innehabe und damit viel Geld verdiene, versuche in der Regel, diese auch zu verteidigen. Entsprechend sei es aus seiner Sicht wenig überraschend, dass Infantino nun gegensteuere und auf Entschuldigungen setze. Ob die FIFA-Gemeinschaft das akzeptiere, bezweifle er allerdings.

Eckert fordert vollständige Offenlegung
Eckert stand von 2012 bis 2017 an der Spitze der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission. In seine Amtszeit fielen unter anderem die langjährigen Sperren gegen den damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter und den früheren UEFA-Chef Michel Platini.
Gemeinsam mit Chefermittler Cornel Borbély erwarb er sich Respekt, weil Sanktionen unabhängig von Rang und Amt ausgesprochen wurden. Kurz vor dem FIFA-Kongress im Mai 2017 in Bahrain mussten jedoch beide unter der neuen Führung um Blatters Nachfolger Infantino ihre Posten räumen.
Den harten Kurs der UEFA im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorengeschäft hält Eckert für richtig. Der europäische Verband hatte der FIFA mit juristischen Schritten gedroht. Eine zentrale Rolle sollte dabei laut den Plänen der Technologieinvestor Joshua Kushner spielen, dessen Bruder Jared mit Ivanka Trump verheiratet ist.
Eckert warnte, es sei keineswegs ungewöhnlich, dass belastendes Material verschwinde. Entscheidend werde daher sein, was sich über den Stand der Gespräche noch nachvollziehen lasse: ob es bereits Vorverträge gegeben habe, wie konkret die Verhandlungen gewesen seien und ob womöglich schon Geld geflossen sei. Er glaube nicht, dass jemand mit dem politischen und wirtschaftlichen Hintergrund der Familie Kushner mögliche Vorleistungen einfach abschreiben werde.
Kritik an altem Muster
Für Eckert ist klar, dass nun sämtliche Verträge und Absprachen offengelegt werden müssten. Die FIFA habe die Pflicht, transparent darzustellen, wer die Idee entwickelt, wer sie vorangetrieben und wann genau welche Schritte unternommen habe. Genau diese Offenheit habe Infantino 2016 versprochen und müsse sich nun daran messen lassen.
Zugleich erinnerte Eckert daran, dass es sich nicht um den ersten Versuch dieser Art handele. Bereits 2018 habe Infantino den Verkauf von Anteilen ins Spiel gebracht, sei damit aber gescheitert. Damals habe das FIFA-Council zurecht gefragt, wer überhaupt hinter dem Geld stehe. Als Infantino darauf keine Namen nennen wollte, habe das Gremium den Plan gestoppt.
Nach Eckerts Darstellung versuchte Infantino es diesmal ohne das Council und hätte das Vorhaben wohl so weit vorangetrieben, bis die Entscheidungsträger am Ende nur noch hätten zustimmen können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber