Wirtschaft

Darum verliert Bayerns Handwerk den Mut

Umsätze schrumpfen, Jobs wackeln: Warum Bayerns Handwerk plötzlich schwächelt – und was Präsident Peteranderl jetzt sagt

07.08.2026, 10:55 Uhr

Stimmung im bayerischen Handwerk trübt sich ein

Im bayerischen Handwerk hat sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Bei einer Umfrage des Bayerischen Handwerkstages (BHT) Ende Juni bewerteten nur noch 80 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Situation als gut oder zufriedenstellend. Das sind drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Für das dritte Quartal erwarten lediglich 9 Prozent eine bessere Geschäftslage, während 19 Prozent mit einer weiteren Eintrübung rechnen.

Zwar liegt der Anteil der Unternehmen mit positiver Lageeinschätzung im Handwerk auch in schwierigeren Zeiten traditionell auf vergleichsweise hohem Niveau. Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl erklärt das damit, dass viele Betriebe ihre Situation im Vergleich zum allgemein schwierigen Umfeld beurteilen und deshalb noch von einer einigermaßen ordentlichen Lage sprechen. Dennoch sei die Branche vor einigen Jahren deutlich besser aufgestellt gewesen. Auch das Geschäftsklima hat sich entsprechend verschlechtert und erreichte im zweiten Quartal den niedrigsten Stand seit der Corona-Krise 2020.

Krieg und Preise drücken auf die Branche

Als einen Grund für die schwache Entwicklung nennt Peteranderl den Krieg mit dem Iran. Vor allem steigende Kosten für Öl und Kraftstoffe sowie die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts setzten Betriebe und Verbraucher unter Druck. Das schade sowohl der Konsumlaune als auch der Investitionsbereitschaft.

Hinzu kommt die anhaltende Preisentwicklung. Rund zwei Drittel der Unternehmen berichten von höheren Einkaufspreisen, und ähnlich viele rechnen auch im dritten Quartal mit weiteren Steigerungen. Das wirkt sich auf die Umsätze aus: Im ersten Halbjahr erzielte das bayerische Handwerk zwar nominal 68,9 Milliarden Euro und damit ein kleines Plus. Preisbereinigt ergibt sich jedoch ein Rückgang von 2,7 Prozent.

Weniger Beschäftigte, aber mehr Betriebe

Auch auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Lage angespannt. Nach Schätzungen des BHT arbeiteten zum Ende des ersten Halbjahres rund 943.700 Menschen in bayerischen Handwerksbetrieben. Das sind 1,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg die Zahl der Betriebe um 0,5 Prozent auf 214.000. Nach Angaben eines Sprechers geht dieser Zuwachs allerdings vor allem auf viele Ein-Personen-Betriebe zurück.

Trotzdem gibt es weiterhin zahlreiche offene Stellen. Nach Angaben von BHT-Hauptgeschäftsführer Frank Hüpers sind rund 30.000 Jobs bei den Arbeitsagenturen gemeldet. Besonders groß seien die Engpässe im Elektrohandwerk, in der Gebäudetechnik und im Kfz-Bereich.

Mehr neue Ausbildungsverträge

Umso wichtiger sei es, mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, betont Hüpers. Dabei gibt es zumindest positive Signale: Bis Ende Juli wurden im bayerischen Handwerk etwa 17.800 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das entspricht einem Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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