Sport

Droht Ansah jetzt die Vierjahres-Sperre?

Kurz vor der EM gerät Deutschlands Sprint-Hoffnung Owen Ansah in ernste Schwierigkeiten – jetzt droht ihm eine drastische Sperre.

07.08.2026, 11:51 Uhr

Nada schlägt Vierjahressperre für Sprinter Owen Ansah vor

Wenige Tage vor dem Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham hat die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) eine Sperre von vier Jahren gegen den deutschen 100-Meter-Rekordhalter Owen Ansah vorgeschlagen. Hintergrund ist ein Vorfall vom 9. Juli: Direkt vor seiner Abreise zum Diamond-League-Meeting in Monaco gab der 25-Jährige in seiner Wohnung keine Dopingprobe mehr ab, obwohl ein Kontrolleur dies verlangt hatte.

Aus Sicht der Nada stellt das einen Verstoß gegen den Anti-Doping-Code des Deutschen Leichtathletik-Verbands dar. Ansah gehört dennoch zum deutschen EM-Team und soll in Birmingham in den Einzelrennen starten. Schon am Dienstag stehen die 100 Meter auf dem Programm, zudem ist ein Einsatz über 200 Meter geplant. In den Staffel-Wettbewerben wird er dagegen nicht eingesetzt.

In einer Stellungnahme seines Vereins Hamburger SV wies Ansah den Vorwurf zurück. Er habe sich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingprobe durchzuführen, erklärte der Sprinter. Nun richte er seinen Fokus auf die anstehenden Europameisterschaften. Der HSV betonte zugleich, weiterhin an der Seite seines Athleten zu stehen.

Anwalt kündigt Verfahren vor dem Sportschiedsgericht an

Ansahs Anwalt Rainer Tarek Cherkeh wies den Vorwurf einer verweigerten Dopingprobe ebenfalls zurück. Sein Mandant habe sich nie geweigert, eine Dopingkontrolle durchzuführen, nie die Abgabe einer Probe abgelehnt und auch nicht den Eindruck erweckt, eine Kontrolle verhindern zu wollen, erklärte Cherkeh.

Ansah werde den Sanktionsvorschlag der Nada daher nicht akzeptieren. Damit dürfte es zu einem Disziplinarverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht kommen. Nach Angaben der Nada würde sich die beantragte Sperre automatisch auf drei Jahre verkürzen, falls Ansah den Vorschlag annehmen würde.

DLV setzt Ansah nicht in den Staffeln ein

Der Deutsche Leichtathletik-Verband verzichtet bei der EM auf einen Einsatz Ansahs in den Sprintstaffeln. Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner erklärte, nach Rücksprache mit Trainern und Athleten habe man sich für diese Lösung entschieden, um für alle Beteiligten in Birmingham Klarheit zu schaffen.

Damit soll das Risiko einer möglichen nachträglichen Disqualifikation minimiert werden. Sollte Ansah später gesperrt werden, könnten Staffel-Ergebnisse und mögliche Medaillen aberkannt werden. Gleichzeitig betonte der DLV, weiter an der Seite des Athleten zu stehen.

Ansah ist derzeit nicht vorläufig suspendiert und wäre grundsätzlich für die Staffeln startberechtigt gewesen.

Ansah verweist auf Zeitdruck und falsches Kontrollfenster

In einer Mitteilung des DLV hatte Ansah erklärt, der Kontrolleur habe außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters für eine Kontrolle geklingelt. Zudem habe er unter erheblichem Zeitdruck gestanden und deshalb nicht kurzfristig eine Probe abgeben können. Als weiteren Grund nannte der in Mannheim trainierende Sprinter, dass er kurz zuvor bereits auf der Toilette gewesen sei.

Bei einer Medienrunde in Frankfurt am Main wollte Ansah keine weiteren Details nennen. Er betonte aber, aus seinem Umfeld großen Rückhalt zu bekommen. Trainer, Manager und der DLV stünden ihm bei, sagte der 25-Jährige. Zugleich machte er deutlich, dass er die Situation ausblenden wolle und mit großer Vorfreude auf die EM blicke. Er habe große Lust zu laufen und freue sich, Deutschland vertreten zu dürfen.

Titelverlust bei den deutschen Meisterschaften möglich

Die Nada teilte mit, dass eine mögliche Sperre erst mit dem Tag einer rechtskräftigen Entscheidung oder mit einer Annahme der vorgeschlagenen Sanktion beginnen würde. Zudem fordert die Agentur, sämtliche Resultate Ansahs ab dem 9. Juli bis zum Beginn einer vorläufigen Suspendierung oder einer endgültigen Sperre zu annullieren.

Sollte es dazu kommen, würden dem Sprinter auch seine beiden deutschen Meistertitel aberkannt, die er Ende Juli in Bochum über 100 und 200 Meter gewonnen hatte. Über die 100 Meter siegte Ansah dort in genau 10,00 Sekunden und blieb damit nur zwei Hundertstelsekunden über seinem deutschen Rekord.

Im Fall einer späteren Sperre könnten neben den nationalen Titeln auch mögliche EM-Medaillen nachträglich aberkannt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen