Gianni Infantino denkt nicht an einen Rückzug. Der FIFA-Präsident strebt stattdessen eine weitere Amtszeit bis 2031 an. Gleichzeitig hält die UEFA an ihrer Boykottdrohung fest. Nach dem gescheiterten Investorenvorhaben zum Verkauf von WM-Rechten steuert der Weltfußball damit auf einen harten Machtkampf zu.
Nur wenige Wochen nach der XXL-WM in den USA stehen sich der europäische Kontinentalverband und die FIFA so zerstritten gegenüber wie lange nicht. Zugleich melden sich immer mehr nationale Verbände zu Wort und beziehen Position – für oder gegen Infantino.
Vor der Präsidentschaftswahl am 18. März 2027 in Rabat stellt sich daher die zentrale Frage: Wer will Infantino inmitten der Krise an der Spitze der FIFA ablösen, wer hält weiter zu ihm – und welche realistischen Gegenkandidaten gibt es überhaupt?
Europa (55 stimmberechtigte FIFA-Mitglieder) – gegen Infantino
Dass die UEFA binnen kurzer Zeit alle 55 Mitgliedsverbände hinter einer massiven Boykottdrohung versammeln konnte, war ein klares Signal an Infantino. Unter Präsident Aleksander Ceferin bleibt der europäische Verband auch nach dem Aus für den Investorendeal bei seiner harten Linie.
Die UEFA fordert verbindliche Garantien, dass Versuche dieser Art, den Fußball wirtschaftlich in eine aus ihrer Sicht falsche Richtung zu drängen, sich nicht wiederholen. Nach der Krisensitzung der FIFA in Rabat erklärte der Kontinentalverband zudem, das Vertrauen in Infantino sei verloren gegangen.
Auch der Hinweis, einige enge Mitarbeiter des FIFA-Präsidenten stünden weiter hinter ihm, ändere daran nichts. Einzelne nationale Verbände wie Serbien und Wales zogen ihre Unterstützung für Infantino bereits öffentlich zurück. Ob weitere Verbände intern ähnlich gehandelt haben, ist offen.

Afrika (54) – pro Infantino
Afrika verfügt mit 54 stimmberechtigten Verbänden über fast ebenso viel Gewicht wie Europa. Politisch gilt der Kontinent derzeit überwiegend als Rückhalt für Infantino. Das Exekutivkomitee des afrikanischen Verbands Caf begrüßte einstimmig die gemeinsame Erklärung von Infantino und FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström.
Zwar spricht das Exekutivkomitee nicht automatisch für jeden einzelnen nationalen Verband. Dennoch ist die klare Unterstützung aus der Kontinentalführung ein starkes Zeichen – besonders so kurz nach dem Scheitern des Investorenplans.
Caf-Präsident Patrice Motsepe stellte sich offen hinter das Schreiben. Der Verband dankte Infantino ausdrücklich für seinen langjährigen Einsatz zugunsten des afrikanischen Fußballs. Gelobt wurden außerdem Grafström und die FIFA-Verwaltung für die Organisation der WM 2026. Von der Aufstockung des Turniers auf 48 Teams profitierte Afrika spürbar: Statt wie 2022 in Katar mit fünf Mannschaften war der Kontinent nun mit zehn Teams vertreten.
Asien (46) – gespalten
Der asiatische Dachverband AFC lehnte Infantinos umstrittene Pläne zwar rasch ab, stellte sich aber nicht grundsätzlich gegen den FIFA-Chef. Inzwischen kann Infantino in Asien auf rund zehn Unterstützer zählen, darunter auch Katar. Auch kleinere Verbände wie die Mongolei oder die Philippinen gehören dazu.
Noch nicht klar positioniert hat sich Saudi-Arabien, das die WM 2034 ausrichten wird. Gerade weil Europa mehrheitlich gegen und Afrika eher für Infantino steht, könnte Asien bei der Wahl 2027 eine Schlüsselrolle einnehmen.
Offen ist zudem, wer Infantino überhaupt ernsthaft herausfordern könnte. Als möglicher Name wird immer wieder Nasser Al-Khelaifi gehandelt, der Präsident von Paris Saint-Germain aus Katar. Offizielle Ambitionen hat er bisher jedoch zurückgewiesen.
Nord- und Mittelamerika sowie Karibik (35) – gegen Infantino
Überraschend war, dass sich auch die Concacaf ähnlich klar wie Europa und Asien gegen das milliardenschwere Vorhaben stellte. Zwar bedeutet das Veto der 41 Mitgliedsländer – von denen 35 stimmberechtigt sind – nicht automatisch, dass alle gegen Infantino als Person auftreten. Dennoch dürfte innerhalb des Verbands das Interesse gewachsen sein, mit Victor Montagliani aus Kanada einen eigenen Kandidaten für die FIFA-Spitze ins Rennen zu schicken.
Umso bemerkenswerter war später die öffentliche Unterstützung Mexikos für Infantino. Damit brach ausgerechnet ein WM-Gastgeber aus der zuvor geschlossenen Concacaf-Front aus. Es ist gut möglich, dass weitere Länder diesem Beispiel folgen, da besonders kleinere Verbände von Infantinos Expansionskurs profitieren.
Südamerika (10) – eher pro Infantino
Die südamerikanische Conmebol stellte sich nicht grundsätzlich gegen Infantinos Vorhaben. Nach dem Rückzug der Pläne äußerte der Verband jedoch einstimmig Sorge über wiederholte einseitige Entscheidungen im Zusammenhang mit dem angedachten Verkauf der WM-Rechte.
Dennoch haben sich einzelne Verbände bereits klar auf Infantinos Seite gestellt. So lobten etwa Argentinien und Paraguay die Arbeit des FIFA-Präsidenten. Der argentinische Verband bescheinigte ihm und seinem Team öffentlich, einen tiefgreifenden Wandel innerhalb der FIFA angestoßen zu haben.
Für Südamerika spielt auch die Zukunft der WM eine wichtige Rolle: Bei der Weltmeisterschaft 2030 sollen Argentinien, Paraguay und Uruguay anlässlich des Jubiläums jeweils ein Eröffnungsspiel austragen. Sollte das Turnier irgendwann auf 64 Mannschaften erweitert werden, könnte der Kontinent zusätzlich profitieren.
Ozeanien (11) – offen
Aus Ozeanien gibt es bislang keine klare Position des Dachverbands OFC zum inzwischen gescheiterten Investorenvorhaben. Innerhalb des Verbands ist Neuseeland die größte Kraft, doch auch die kleineren Nationen dürften genau abwägen.
Denn gerade Verbände von Neukaledonien bis Vanuatu haben in den vergangenen Jahren von mehr FIFA-Geldern und besseren Chancen auf eine WM-Teilnahme profitiert. Infantinos Expansionspolitik könnte deshalb in Ozeanien durchaus Sympathien für eine Fortsetzung seines Kurses wecken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber