Wirtschaft

Porsche SE macht Druck bei VWs Sparplänen

Warum macht Porsche SE bei VW jetzt so viel Druck? Hinter dem Streit um Jobs und Werke steckt mehr als nur Sparzwang.

07.08.2026, 11:07 Uhr

Porsche SE drängt bei VW auf rasche Entscheidungen

Im Streit über den harten Sparkurs bei Volkswagen hat Großaktionär Porsche SE eine zügige Einigung über möglichen Stellenabbau und Werksschließungen verlangt. Der Chef der Beteiligungsholding der Familien Porsche und Piëch, Hans Dieter Pötsch, sagte in Stuttgart, der VW-Konzern befinde sich an einem historischen Wendepunkt. Die anstehenden Beschlüsse seien entscheidend für die künftige Entwicklung des Unternehmens.

Bereits im Juli waren die Sparpläne erstmals im Aufsichtsrat Thema. Dort stießen sie jedoch auf Widerstand der Arbeitnehmerseite sowie des an VW beteiligten Landes Niedersachsen. Nach aktuellem Stand stehen vier Standorte und zusätzlich bis zu 50.000 Arbeitsplätze auf dem Prüfstand.

VW-Chef Oliver Blume will sein neues Sparprogramm noch in diesem Jahr beschließen lassen. Gleichzeitig belastet eine milliardenschwere Abschreibung auf die VW-Beteiligung die Porsche SE massiv. Im ersten Halbjahr 2026 rutschte die Holding deshalb tief in die Verlustzone und verbuchte unterm Strich ein Minus von 2,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Gewinn von 300 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Sowohl Volkswagen als auch die zweite große Beteiligung der Porsche SE, der Sportwagenhersteller Porsche, leiden unter schwierigen Marktbedingungen und dem tiefgreifenden Wandel der Autoindustrie. Auf die VW-Anteile nahm die Holding in den ersten sechs Monaten Wertberichtigungen von 3 Milliarden Euro vor, auf Porsche entfielen weitere 200 Millionen Euro.

Porsche SE
Porsche SE mit Milliardenverlust. (Archivbild) Quelle: Marijan Murat/dpa

Porsche SE stellt sich hinter VW-Vorstand

Das bereinigte Konzernergebnis nach Steuern sank von Januar bis Juni um 200 Millionen auf 900 Millionen Euro. Pötsch warnte, dass sich die Probleme bei Volkswagen verschärfen dürften, je länger notwendige Entscheidungen hinausgezögert würden. Finanzvorstand Johannes Lattwein erklärte, die Porsche SE unterstütze als Mehrheitsaktionär mit Stammaktien den Konzernvorstand und dessen Vorschläge. Entscheidend sei, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dabei dürfe es keine Tabus geben, sonst drohe VW im internationalen Wettbewerb dauerhaft zurückzufallen.

Sparprogramm auch bei Porsche beschlossen

Ende Juli hatte auch Porsche ein eigenes Sparpaket verabschiedet. Der Sport- und Geländewagenbauer will bis 2035 weitere 5.000 Stellen in der Region Stuttgart abbauen. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen sowie das Entwicklungszentrum in Weissach. Im Gegenzug wurde die Beschäftigungssicherung für die Standorte um fünf Jahre bis Ende 2035 verlängert. Betriebsbedingte Kündigungen soll es in diesem Zeitraum nicht geben, teilten Unternehmen und Gesamtbetriebsrat mit.

Die Nettoverschuldung der Porsche SE sank bis Ende Juni leicht auf 5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hält die Beteiligungsholding an ihrer Prognose fest und erwartet weiterhin ein bereinigtes Konzernergebnis zwischen 1,5 und 3,5 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung soll zum Jahresende zwischen 4,7 und 5,2 Milliarden Euro liegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen