Arbeiten junge Menschen wirklich weniger? Was Daten über die Generation Z zeigen
Der Vorwurf kommt in Debatten über junge Menschen immer wieder auf: Die Generation Z wolle angeblich nicht mehr richtig arbeiten. Themen wie Vier-Tage-Woche, Sabbaticals oder der Wunsch nach mehr Work-Life-Balance werden oft als Beweis für sinkende Leistungsbereitschaft angeführt. Doch ein Blick auf Studien und Arbeitsmarktdaten zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August zeichnet ein anderes Bild.
Forschung widerspricht dem Klischee
Nach Einschätzung des Arbeitsmarktforschers Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hält sich zwar das Vorurteil, junge Menschen seien arbeitsscheu. Die verfügbaren belastbaren Daten sprächen jedoch klar dagegen.
Weber verweist darauf, dass junge Menschen heute so stark am Arbeitsmarkt beteiligt sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Auch ihre Arbeitszeiten entwickelten sich ähnlich wie die älterer Beschäftigter. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass sie häufiger den Job wechselten als frühere Generationen. Das verbreitete Bild einer Generation, die vor allem Auszeiten nehme oder nur noch wenige Tage arbeiten wolle, treffe so pauschal nicht zu.
Zur Generation Z zählen – je nach Abgrenzung – in etwa Menschen, die zwischen dem Ende der 1990er-Jahre und den frühen 2010er-Jahren geboren wurden. Eine einheitliche Definition gibt es nicht.
Andere Ansprüche bedeuten nicht fehlende Leistungsbereitschaft
Warum hält sich das Vorurteil dennoch? Laut Weber hat sich weniger die Bereitschaft zur Arbeit verändert als vielmehr die Vorstellung davon, was gute Arbeit ausmacht. Erfahrungen aus der Corona-Zeit, stärker verbreitete Erwerbstätigkeit beider Partner und der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung hätten die Erwartungen an den Job verändert.

Mehr Flexibilität, etwa beim Arbeitsort oder bei den Arbeitszeiten, sei deshalb nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass junge Menschen weniger leisten wollten. Vielmehr gehe es um andere Rahmenbedingungen für Arbeit.
Studien sehen hohe Motivation bei jungen Menschen
Auch die Untersuchung „Jugend in Deutschland 2026“, für die den Angaben zufolge mehr als 2.000 junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren repräsentativ befragt wurden, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Trotz zahlreicher Belastungen beschreibt die Studie die junge Generation als leistungsbereit. Die große Mehrheit sei demnach grundsätzlich bereit zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen.
Gleichzeitig wachse jedoch bei vielen die Unsicherheit darüber, ob sich Leistung in Deutschland überhaupt noch auszahle. Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der die Studie fachlich begleitet hat, sieht deshalb vor allem Politik und Gesellschaft in der Pflicht, jungen Menschen mehr Vertrauen entgegenzubringen und ihnen mehr Verantwortung zu übertragen.
Arbeitsmarktdaten zeigen keinen Rückzug
Wie tragfähig das Bild einer arbeitsunwilligen Generation ist, lässt sich auch mit Blick auf die Arbeitsmarktzahlen prüfen. Das IAB hat auf Basis von Mikrozensus und Arbeitskräfteerhebung die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen untersucht. Das Ergebnis: Zwischen 2015 und 2025 stieg sie um mehr als sieben Prozentpunkte auf fast 77 Prozent. Nach IAB-Angaben ist das der höchste Wert seit Jahrzehnten.
Zur Erwerbsbeteiligung zählen dabei sowohl junge Erwachsene, die arbeiten, als auch jene, die aktiv eine Stelle suchen. Von einem Rückzug aus dem Erwerbsleben kann also kaum die Rede sein.
Auch unter Studierenden ist die Beteiligung am Arbeitsmarkt deutlich gestiegen. Laut IAB erhöhte sich die Erwerbsquote der 20- bis 24-jährigen Studierenden zwischen 2015 und 2023 um mehr als 19 Prozentpunkte auf 56 Prozent.
Der Vorwurf ist älter als die Generation Z
Dass ältere Generationen den Jüngeren mangelnden Arbeitseifer vorwerfen, ist kein neues Phänomen. Schon früher galten nachrückende Jahrgänge häufig als zu anspruchsvoll oder weniger belastbar. Neu ist heute eher die veränderte Arbeitswelt: Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und der Mangel an Fachkräften haben die Vorstellungen davon verschoben, was einen attraktiven Arbeitsplatz ausmacht.
Auch die 19. Shell-Jugendstudie 2024 bestätigt, dass Arbeit für junge Menschen weiterhin einen hohen Stellenwert hat. Verändert haben sich vor allem die Erwartungen an den Arbeitsplatz. Aspekte wie Flexibilität, ein gutes Arbeitsklima und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind wichtiger geworden als für frühere Generationen. Die Studie stützt sich laut Angaben auf eine repräsentative Befragung von 2.509 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren.
Jüngere sind oft noch in Ausbildung
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Viele Menschen zwischen 15 und 24 Jahren stehen noch gar nicht voll im Berufsleben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts besuchen viele von ihnen noch die Schule, machen eine Ausbildung oder studieren. Eine geringere Erwerbstätigkeit in dieser Altersgruppe lässt sich daher nicht einfach als fehlender Wille zur Arbeit deuten.
Fazit: Das Klischee greift zu kurz
Insgesamt zeigen die verfügbaren Daten ein deutlich differenzierteres Bild als die oft geäußerte Kritik an der Generation Z. Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass junge Menschen sich in größerem Umfang vom Arbeitsmarkt abwenden oder grundsätzlich weniger arbeiten möchten. Verändert haben sich vor allem ihre Erwartungen an die Bedingungen, unter denen Arbeit stattfindet – nicht jedoch ihre grundsätzliche Bereitschaft, Leistung zu bringen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber